Sinsheim

18 Monate Sperrung: So läuft das Großprojekt Hauptstraße in Sinsheim

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18 Monate Sperrung: So läuft das Großprojekt Hauptstraße in Sinsheim

Hauptstraße muss vor Baustart auf Kampfmittel untersucht werden

Wer am Montag auf die große Bagger-Show in der Hauptstraße in Sinsheim gewartet hat, wurde enttäuscht. Erst am Dienstag standen die Sperrschilder – die 18-monatige Großbaustelle hat mit einem Tag Verspätung begonnen. Wer denkt, die Bauarbeiter hätten verschlafen, irrt gewaltig: Bevor der erste Asphaltbrocken fliegen darf, muss in der Unterwelt „sondiert“ statt „gebaggert“ werden.

Ordnungsamtsleiter Florian Zangl bremst die Erwartungen: „In den ersten Tagen werden Autofahrer noch nicht so viel wahrnehmen“. Der Grund liegt tief im Boden und ist über 80 Jahre alt. Bernd Heumann vom städtischen Amt für Infrastruktur erklärt das Prozedere: „Der Kampfmittelbeseitigungsdienst führt Erkundungsmaßnahmen durch. Es gibt im Bereich der Hauptstraße Verdachtsflächen aus dem Zweiten Weltkrieg“. Mit Sonden wird das Erdreich nach metallischen Blindgängern abgesucht.

Unterdessen markiert ein Arbeiter auf dem Asphalt schonmal die Schnittpunkte. „Erst nach der Kampfmittelfreigabe können wir loslegen“, so ein Mitarbeiter der Firma Leonhard Weiss vor Ort. Anfang nächster Woche soll es dann richtig losgehen: Die Fräsen rücken an, um die alte Bundesstraße B39, die zur Landesstraße herabgestuft wurde, Schicht für Schicht abzutragen.Hauptstrasse Sinsheim Sperrung

Postbote ächzt

Einer, der die neue Sperrung am eigenen Leib zu spüren bekommt, war am Dienstag ein Post-Mitarbeiter. Er umkurvte die Schildertafeln und suchte das Gespräch mit der Bauleitung. Das Ergebnis: Ab nächster Woche ist Schluss mit der Zufahrt zu den Haustüren. „Ich lade mir ab sofort eine Sackkarre ins Auto“, verriet er. Er weiß, was seine Kollegen bei der Sanierung in Steinsfurt mitmachen müssen. Immerhin: Die Bauarbeiter sicherten ihm zu, bei besonders schweren Paketen kurz mit anzupacken. Anwohner müssen sich darauf einstellen, dass Post und Pakete nun im wahrsten Sinne des Wortes „erlaufen“ werden, da die Gehwege größtenteils passierbar bleiben.

Bauarbeiter bringen Mülltonnen raus

Dieser „Baustellenservice“ geht noch weiter: Damit die Anwohner nicht auf ihrem Abfall sitzen bleiben, übernehmen die Bauarbeiter den Transport der Mülltonnen von den Häusern zu den Sammelplätzen und bringen die geleerten Behälter wieder zurück. Auch wer gerade einen Umzug plant oder neue Möbel erwartet, muss nicht verzagen: Größere Anlieferungen bleiben nach vorheriger Absprache mit der Stadt oder der Bauleitung weiterhin möglich.

Die Umleitungen sind großräumig ausgeschildert, die GRN-Klinik bleibt über die Alte Waibstadter Straße erreichbar. Das Ordnungsamt hat bereits angekündigt, die Verkehrsregelungen bei Bedarf anzupassen und die Einhaltung der Geschwindigkeiten auf den Ausweichstrecken zu kontrollieren.

Abwasser fließt unter der Elsenz

Die städtische Bauleiterin Nicole Hetzel gibt Einblicke in das Großprojekt, das weit über neue Teerschichten hinausgeht: Wasserleitungen und Glasfaser werden in konventioneller „offener Bauweise“ – also mit tiefem Graben – verlegt. Beim Abwasser kommt Spezialgerät zum Einsatz. Ein Teil der Rohre wird unterirdisch per Roboter mit einem Gewebeschlauch ausgekleidet. „Davon sieht man oben auf der Straße außer einem Lkw nicht viel“, so Hetzel.

Richtig spannend wird es an der Elsenz. Um das Flussbett zu unterqueren, nutzt die Stadt eine sogenannte „Durchpressung“. Dabei werden neue Kanalrohre mit gigantischer hydraulischer Kraft unter dem Fluss hindurchgeschoben. Ein „Spezialgewerk“, das allerdings erst im weiteren Verlauf der 1,5 Jahre dauernden Baustelle an der Reihe ist.Hauptstrasse Sinsheim Sperrung 1

Bauarbeiter schimpfen

Während die Hauptstraße noch auf die Kampfmittelfreigabe wartet, wird im Wiesental bereits geflucht. Eine Firma arbeitet dort im Auftrag der NetzeBW an neuen Stromkabeln für die Hauptstraße und stößt auf unerwarteten Widerstand: „Hier liegen lauter Beton- und Stahlträger im Boden“, schimpft einer der Arbeiter. Womöglich die Überreste eines alten Sägewerks blockieren den Kabelgraben. Der Bagger mit Pressluft-Aufsatz arbeitet sich mühsam durch die Industriegeschichte.

Es gibt Zeitdruck

Bis Januar 2027 soll der erste, 520 Meter lange Bauabschnitt fertiggestellt sein. Der Druck auf die Planer ist groß: Bis 2028 müssen nicht nur die Arbeiten in der Hauptstraße, sondern auch die Sanierungen  der Ortsdurchfahrten von Steinsfurt und Rohrbach abgeschlossen und abgerechnet sein. Das ist die Bedingung des Bundes für die Finanzierung der neuen Straßendecke. Eine Entzerrung der Bauarbeiten ist daher kaum möglich.

Redaktion
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