Sechs Behörden planen seit über einem Jahr
An der A6-Anschlussstelle Sinsheim-Steinsfurt läuft der Verkehr zu Stoßzeiten nur in Etappen. Unten an der Kreuzung zur L 592 stockt es; oben auf der Ausfahrtsrampe zieht sich die Reihe der Fahrzeuge zurück bis in den Ausfädelungsstreifen. Wer auf der rechten Spur der A6 abfährt, steht mitunter schon dort im Stau, wo der Verkehr eigentlich noch fließen sollte. Mutige Fahrer ziehen nicht selten auf der mittleren Spur vorbei und versuchen, sich vorne in die Schlange zu drängen. „Das ist saugefährlich“, sagt Reihens Ortsvorsteher Patrick Bräunling. Seit über einem Jahr wird über eine Ampel an dieser Kreuzung verhandelt. Weil viele unterschiedliche Behörden an einem Tisch sitzen, dauert die Sache.
Alle sind sich einig
Eigentlich sind sich alle einig: Eine Ampel muss her. Die Planungen dafür beschäftigen den Ortschaftsrat in Reihen schon seit Anfang 2025. Doch wer glaubt, dass man für ein paar Lichtsignale einfach nur einen Mast in den Boden rammt, unterschätzt die Bürokratie.
Zuständigkeit ist komplex
Wenn man bei den Verantwortlichen dem dem Stand der Planungen fragt, wird es kompliziert: Das Regierungspräsidium Karlsruhe, zuständig für die L 592, erklärt, für die Einrichtung von „Lichtsignalanlagen“ sei der Landkreis zuständig. Im Landratsamt Rhein-Neckar heißt es auf Anfrage, man sei für die Maßnahme nicht zuständig. Die Ampel liege in der Zuständigkeit der Autobahn GmbH des Bundes. Am Ende sitzen sechs verschiedene Stellen am Tisch – von der Polizei über die Autobahn-Betreibergesellschaft Via6West über die Stadt Sinsheim bis hin zum Straßenbauamt.
Tempo 50 kam als Zwischenlösung
„Niemand blockiert das gerade“, stellt Bräunling klar, aber die Abstimmung dauere. Er bekomme die Planung regelmäßig zugeschickt und sehe das. Es geht um technische Details: Woher kommt der Strom? Wo genau stehen die Masten? Baurechtliche Detailarbeit, die Zeit frisst, die man an der Kreuzung eigentlich nicht hat. Um die Zeit bis zur ersten Grünphase zu überbrücken, wurden bereits andere Maßnahmen ergriffen. Auf der Landesstraße 592 gilt im Bereich der Autobahn seit Längerem Tempo 50. Die Idee der Planer: Wenn die Autos unten langsamer fahren, kommen die Abbieger von der Autobahn leichter in die Lücken.
Was jetzt geplant ist
Ein schwacher Trost für jene, die im Rückstau auf der Rampe stehen. Denn das eigentliche Problem verlagert sich oft nach hinten. Wenn die Ausfahrt voll ist, bilden sich gefährliche Rückstaus bis auf den Ausfädelstreifen der A6 und noch weiter. Um hier Schlimmeres zu verhindern, soll nun kurzfristig ein „Vorauswarner“ installiert werden. Die Autobahn GmbH bestätigt auf Anfrage, dass eine mobile Stauwarnanlage (mSWA) kommen soll. Diese soll Autofahrer auf der A6 rechtzeitig per Anzeigetafel informieren: „Achtung, Stau auf der Ausfahrt“. Ein konkreter Termin? Noch offen. Man befinde sich in der „Vergabephase“.
Dass Handlungsbedarf besteht, unterstreicht auch Florian Zangl, Chef des Sinsheimer Ordnungsamtes. Er spricht von einem vorliegenden „Unfallschwerpunkt“. Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren an der Einmündung zu teils heftigen Frontalunfällen. Die Stadt Sinsheim fungiert hier zwar als treibende Kraft der Unfallkommission, ist aber rechtlich gesehen nur der „Berater“ am großen Tisch der Autobahner.
Ungesicherte Kreuzung gilt als Ausgestorben
Ein Blick über den Tellerrand zeigt, wie ungewöhnlich die Steinsfurter Situation ist: Wer auf der A6 Richtung Heilbronn fährt, findet die nächste Abfahrt ohne Ampelregelung erst im 40 Kilometer entfernten Bretzfeld. In Richtung Mannheim muss man sogar über 100 Kilometer bis Enkenbach-Alsenborn fahren, um eine ähnlich „wilde“ Kreuzung zu finden. Überall sonst gehört mittlerweile Ampellicht oder eine kreuzungsfreie Überleitung zum Standard.
















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