63-jähriger stirbt nach Badeunfall im Freibad
Der dramatische Badeunfall vom Sonntagnachmittag im Neckarbischofsheimer Freibad hat ein tödliches Ende genommen. Wie die Polizei am Montag auf Anfrage bestätigt, ist ein 63-jähriger Vater im Sinsheimer Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Sein Sohn liegt weiter im Krankenhaus, gilt aber als stabil.
Eigentlich war es ein strahlender Sonntagnachmittag – das Neckarbischofsheimer Freibad war gut gefüllt. Doch um 15:15 Uhr schlug die Stimmung schlagartig um. In der fast einhundertjährigen Geschichte des vom Turnverein betriebenen Bades hat es einen Unfall in dieser Größenordnung noch nie gegeben. Ein 63-jähriger Vater und sein geistig behinderter 38-jähriger Sohn mussten leblos vom Beckenboden gerettet und reanimiert werden. Helfer berichten, die Rettungskette im Bad habe reibungslos funktioniert. Derweil sorgt ein Vorfall am Zaun vor dem Freibad für fassungsloses Entsetzen: Ein dreister Gaffer hielt mit dem Handy voll drauf.
Vater wollte geistig behindertem Sohn im Wasser helfen
Die Auswertung der Überwachungskameras widerlegt die ersten Gerüchte im Ort, wonach jemand auf den anderen gesprungen sei. Das Video zeigt eine tragische Verkettung: Nur zehn Minuten nach dem Betreten des Bades half der Vater seinem Sohn über die Leiter ins Wasser des Schwimmerbeckens und setzte sich zunächst an den Beckenrand. Als der 38-Jährige weiter hinaus schwamm, bekam er sichtlich Probleme, sich an der Oberfläche zu halten. Der 63-Jährige zögerte nicht, sprang hinterher und schwamm zu seinem Sohn – kurz darauf gingen beide unbemerkt unter.
Starke Sonnenreflexion auf unruhiger Wasseroberfläche verbarg die Verunglückten am Beckenboden
Weil zu diesem Zeitpunkt Hochbetrieb herrschte, im zwei Meter tiefen Wasser geplanscht und mit Wasserbällen gespielt wurde, spiegelte sich die Sonne so stark auf der unruhigen Oberfläche, dass niemand das Drama am Grund sah. Erst Minuten später wurden die beiden leblos am Beckenboden entdeckt.
Dass an diesem Tag wegen des enormen Andrangs zwei Kräfte zur Wasseraufsicht am Beckenrand eingeteilt wurden – am Vorabend waren es wegen der verlängerten Öffnungszeiten sogar drei Kräfte – verhinderte wohl Schlimmeres. Die beiden Frauen der Aufsicht reagierten sofort und zogen die Verunglückten gemeinsam mit Badegästen aus dem Wasser. Das Glück: Unter den Gästen befanden sich eine Krankenschwester und ein Notfallsanitäter, die sofort herbeieilten. Ein im Freibad deponierter Defibrillator wurde geholt und eine Doppel-Reanimation gestartet.
Hubschrauber landete auf Liegewiese
Die Rettungskette griff perfekt: Nur vier Minuten nach dem Notruf war die örtliche „Helfer vor Ort“-Gruppe mit zwei Fahrzeugen da. Wenig später landete der Rettungshubschrauber Christoph 53 aus Mannheim auf der Liegewiese, die von der Polizei eilig geräumt worden war. Das Badepersonal schloss die Kasse, um ein Nachströmen von Gästen zu verhindern. Andere Badegäste handelten instinktiv und schirmten die Wiederbelebung mit Strandtüchern gegen neugierige Blicke ab. Die Feuerwehr kam ebenfalls und baute ein Zelt als Sonnenschutz für die Retter auf.
Der 38-jährige Sohn erlangte schon nach kurzer Zeit vor Ort das Bewusstsein und kam per Rettungswagen in eine Heilbronner Klinik. Sein Vater musste 45 Minuten lang am Beckenrand reanimiert werden, bevor er unter laufender Herzdruckmassage ins Krankenhaus gebracht wurde, wo er nun am Montag verstarb.
Dreister Gaffer-Vorfall
Noch während die Einsatzkräfte am Sonntag verzweifelt um das Leben der beiden Männer kämpften, spielte sich am Zaun vor dem Schwimmbad eine pietätlose Szene ab. Ein Autofahrer hielt am Schwimmbadrand an, zückte sein Mobiltelefon und filmte die Reanimation. „Geschmacklos“, findet TV-Vorsitzende Martina Wanke diese Sensationsgier. Der Freund einer Mitarbeiterin notierte sich laut Wanke das Kennzeichen des Wagens und übergab es der Polizei.
Das Polizeipräsidium Mannheim kündigte am Montag bereits knallharte Konsequenzen an und ermittelt gegen den Gaffer. Wer das Leid anderer Menschen zur Unterhaltung fotografiere oder filme, handele zutiefst menschenverachtend und müsse mit strafrechtlichen Folgen rechnen, so die Polizei.
Noch in der gleichen Stunde rückten mehrere Seelsorger an. Die Psychosoziale Notfallversorgung des DRK betreute Einsatzkräfte und Zeugen. „Die Seelsorger stehen auch in den nächsten Tagen bereit, um mit den Anwesenden über das Gesehene zu sprechen“, betont Wanke. Das Bad hatte nach dem Vorfall geschlossen. Am Montag wurde der Betrieb wieder regulär aufgenommen. Doch der Schock sitzt den Helfern und Stammgästen immer noch tief in den Knochen.












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