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Bodenschutzkalkung im Gemeinde- und Kirchenwald Reichartshausen

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Hilfe für den Wald im Klimawandel

Voraussichtlich ab 20. Juli startet eine Bodenschutzkalkung in den Wäldern nördlich von Reichartshausen. Das Gelände ist relativ eben und gut mit Fahrlinien erschlossen, sodass der fein gemahlene Kalk von einem Unimog aus in die Waldbestände eingeblasen werden kann, teilt das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises mit.

Ausgebracht werden – je nach Versauerungsgrad des Bodens – zwei unterschiedliche Materialien: entweder Dolomitgestein, das neben Kalzium auch Magnesium enthält, oder ein Dolomit-Holzaschegemisch, das zusätzlich Kalium und Phosphor beinhaltet. Die Ausbringungsmenge beträgt beim Dolomit 3,21 Tonnen pro Hektar, also „nur“ 321 Gramm pro Quadratmeter, beim Holzaschegemisch 4,4 Tonnen pro Hektar beziehungsweise 440 Gramm pro Quadratmeter. Wenn alles planmäßig verläuft, wird die zur Kalkung vorgesehene, rund 190 Hektar große Waldfläche bis Anfang August behandelt sein. Obwohl das Gesteinsmehl erdfeucht angeliefert und ausgebracht wird, lässt sich eine gewisse Staubentwicklung nicht vermeiden. Deshalb wird der Wald während der Maßnahme gesperrt. Warum die Kalkung sinnvoll und notwendig ist, erläutert Försterin Ulrike Riedl vom Kreisforstamt: „Die zunehmende Industrialisierung, insbesondere im 20. Jahrhundert, hat den Zustand vieler Waldböden nachhaltig beeinflusst. Säureeinträge aus der Luft haben dazu geführt, dass Nährstoffe ausgewaschen wurden und ein für viele Bodenlebewesen zu saures Milieu entstand. Dieser Entwicklung steuern wir mit der regenerationsorientierten Bodenschutzkalkung entgegen.“

Die bundesweite Bodenzustandserhebung hat gezeigt, dass eine gezielte Kalkung von Waldflächen die vom Menschen verursachte Versauerung der Waldböden abmildert und dazu beiträgt, die standortstypische Bodenfruchtbarkeit wiederherzustellen. Dadurch werden die Bäume in ihrer Vitalität und Widerstandskraft – auch gegenüber Trockenheit – gestärkt. Gesunde Waldböden sind eine Grundvoraussetzung für ein vielfältiges Bodenleben, stabile Wälder und nicht zuletzt auch für gutes Trinkwasser. Für Revierleiterin Melissa Rupp ist es die erste Kalkungsmaßnahme ihrer Karriere. Sie freut sich: „Damit können wir unserem Reichartshäuser Wald etwas richtig Gutes tun!“

Hintergrund

Einer Bodenschutzkalkung geht ein fast zweijähriger Planungsprozess voraus. Grundlage ist ein bodenkundliches Gutachten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg. Zur Kalkung vorgesehen werden generell nur Böden, bei denen eine starke Versauerung festgestellt wurde (pH-Wert i. d. R. unter 4,2, Basensättigung unter 15 Prozent). Im Rahmen der Planung werden die Belange des Arten-, Natur- und Wasserschutzes berücksichtigt. Bereiche, in denen zum Beispiel kalkungssensible Arten und Biotope vorkommen – sogenannte Ausschlussflächen – werden von der Kalkung ausgenommen. Die Planung und Überwachung der Maßnahme erfolgt durch das Kreisforstamt Rhein-Neckar-Kreis in Abstimmung mit den Behörden für Natur-, Boden- und Wasserschutz. Die Gesamtkosten der Bodenschutzkalkung in Reichartshausen betragen rund 80.000 Euro netto. Die Europäische Union fördert die Maßnahme mit 90 Prozent der Nettokosten.

Weitere Informationen

Detaillierte Informationen zum Thema regenerationsorientierte Bodenschutzkalkung auf der Internetseite der FVA unter: https://www.fva-bw.de/top-meta-navigation/fachabteilungen/boden-umwelt/ernaehrung-und-stoffhaushalt-von-waeldern/regenerationsorientierte-bodenschutzkalkung

Redaktion
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