Erste Arbeiten wohl erst ab 2029
Das Versprechen aus dem Stuttgarter Verkehrsministerium klang im vergangenen Herbst so schneidig wie ambitioniert: Fünf marode Sinsheimer Brückenbauwerke, welche die Bundesstraße 292 tragen, sollten bis zum Jahr 2030 komplett abgerissen und durch Neubauwerke ersetzt werden. Doch ein Blick auf den Kalender und in die neuesten Pläne des Regierungspräsidiums Karlsruhe reicht, um zu sehen: Das Brückenprogramm ist bereits vor dem ersten Spatenstich kräftig ins Rutschen geraten.
Die Illusion von den schnell rollenden Baggern in den Jahren 2027 und 2028 ist geplatzt. Erste Arbeiten werden wohl frühestens ab 2029 starten können. Der Grund für die Vollbremsung trägt das Kürzel eines bekannten bürokratischen Endgegners: DB.
Deutsche Bahn diktiert Sperrpausen
Das Nadelöhr im Sanierungsprogramm ist die 77 Meter lange Bahnbrücke der B 292. Wer eine Brücke über Gleise abreißen will, braucht sogenannte Sperrpausen – Phasen, in denen keine Züge fahren und der Strom von den Oberleitungen genommen wird. Und genau hier liegt das Problem mit der Deutschen Bahn: Gemäß den aktuellen Vorgaben des Schienenriesen können in diesem Jahr überhaupt erst planbare Sperrpausen für das Jahr 2029 und die Folgejahre beantragt werden. Ohne den Segen der Bahn geht kein Bagger an den Start, und so verschiebt sich das gesamte Mammutprojekt um Jahre nach hinten. Das offizielle Landesziel, alle Brücken bis 2030 zu erneuern, rückt damit für Sinsheim in utopische Ferne.
Reihenfolge steht fest
Immerhin hat das RP Karlsruhe nun erstmals die Karten auf den Tisch gelegt und eine konkrete Prioritätenliste vorgelegt. Wenn es 2029 tatsächlich losgeht, dann im Doppelpack: Die Bahnbrücke und die unmittelbar angrenzende Brücke über die Elsenz stehen ganz oben auf der Agenda. Um das unvermeidbare Verkehrschaos auf der neuralgischen Achse zwischen der Autobahnabfahrt Sinsheim und der Abfahrt nach Hoffenheim so kurz wie möglich zu halten, sollen beide Brücken im selben Zeitraum ersetzt werden. Direkt danach folgt mit „hoher Priorität“ die Überführung der B 292 über die B 45.

Auf halber Höhe der Auffahrt befindet sich die Elsenz-Unterquerung. Davor befindet verläuft die B45 unter der B292
Das RP macht keinen Hehl daraus, wie gebaut wird. Die Maßnahmen für die Elsenz- und die Bahnbrücke erfolgen laut Irene Feilhauer vom RP strikt nach dem „Vollsperrungserlass“ des Verkehrsministeriums. Ein kleiner Kniff soll aber den Verkehrsinfarkt im Sinsheimer Westen verhindern: Während der Arbeiten an der Bahnbrücke in Fahrtrichtung Waibstadt soll der Verkehr über das neuere, westlich gelegene Nachbar-Teilbauwerk umgeleitet werden. Wie die Verkehrsführung bei den anderen Brücken aussieht, ist allerdings noch komplett offen – die Entwurfsplanungen laufen auf Hochtouren. Im Hintergrund werden noch geologische Gutachten und Schadstoffprüfungen aus den Baugrunduntersuchungen vom Februar ausgewertet.
Waidbachtalbrücke bleibt zurück
Zwar nehmen die Brücken im Westen die Spitzenplätze der To-Do-Liste ein. Die Waidbachtalbrücke bildet aber weiterhin das Schlusslicht. Mit ihren 224 Metern Länge ist sie das größte Bauwerk des Sinsheimer Sanierungs-Programms. Doch die Riesen-Brücke scheint sensibler zu sein, als bisher öffentlich bekannt war. Das RP kündigte an, dass in einem ersten Schritt ein automatisiertes „Bauwerksmonitoring“ installiert werden soll. Sensoren werden die Brücke künftig rund um die Uhr überwachen – eine Art digitales EKG für das Tragwerk, das Alarm schlägt, sobald die Traglastreserven gefährlich schwinden.

Die Waidbachtalbrücke ist Schlusslicht auf der Sanierungsliste. Sie wird nun mit Sensoren auf ihren Zustand überwacht
Und was passiert mit dem Zankapfel am Rande der Gartenstadt? Die 29 Meter lange Feldwegüberführung „Unter den Lettengruben“, bei der die Kernstadt heftig gegen den vom Technikausschuss ins Spiel gebrachten, ersatzlosen Abriss protestiert, bleibt in der Warteschleife. Man befinde sich noch „in Abstimmung“, belastbare Ergebnisse gibt es laut Behörde nicht.
Das Geld vom Bund sei zwar da, und das RP versichert, dass Sinsheim die nötigen personellen Ressourcen zugeteilt bekommt. Doch gegen den Faktor Zeit und den Fahrplan der Bahn ist selbst das beste Erhaltungsprogramm machtlos.












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