Ein runder, roter Kreis auf weißem Grund soll den geplagten Bürgern am Steinsberg endlich die verdiente Nachtruhe bringen: Wer nach 22 Uhr den steilen Weg zur Burg ansteuert, steht vor einem Durchfahrtsverbot. Vier Monate nachdem wir über den zermürbenden nächtlichen Lärm-Tourismus am „Kompass des Kraichgaus“ berichtet hatten, hat die Stadtverwaltung Fakten geschaffen. Still und leise wurde die Beschilderung an der Burgauffahrt verschärft. Doch die Freude der Anwohner über den langersehnten Erfolg hält sich in Grenzen. Denn der neue Papiertiger auf dem Schild droht an derselben Hürde zu scheitern wie das alte Parkverbot: Meist ist niemand da, um ihn zu kontrollieren.
Teilerfolg für die Bürger
Hinter dem neuen Verbotsschild steckt zähe Vorarbeit. Vor allem die Weilerer Senioren und Ex-Polizisten Dieter Hildenbrand und Jürgen Konetzki hatten mit einer 90 Unterschriften starken Petition seit Jahren Druck gemacht. Dass die bisherige Regelung – ein reines Parkverbot zwischen 22 und 6 Uhr – den Posern, nächtlichen Rennfahrern und Partygästen nichts abrang, sah schließlich auch die Politik ein. Der Ortschaftsrat schaltete sich ein, und zum 15. Juli 2026 ließ das Rathaus das Durchfahrtsverbot aufstellen.
Neues Schild, alter Ärger
„Hintergrund waren die anhaltenden Beschwerden der Anwohnerschaft“, bestätigt Stadtsprecherin Melanie Wricke auf Anfrage. Ein generelles Durchfahrtsverbot werde in der Außenwirkung „härter wahrgenommen als ein bloßes Parkverbot“. Ausgenommen sind lediglich Gäste der Burggastronomie, die bei Veranstaltungen auch nach 22 Uhr passieren dürfen – diese Klientel werde ohnehin nicht mit Störungen in Verbindung gebracht. Wer künftig hinaufdüst, riskiert ein Ordnungswidrigkeitenverfahren. Weitere Verschärfungen plant die Stadt aktuell nicht.
Alles eine Frage der Kontrolle
Auf dem Papier ist die Festung Steinsberg damit abgeriegelt. „Leider wird die Einhaltung des Verbots viel zu wenig kontrolliert“, schreibt ein Anwohner an unsere Redaktion. Auf die konkreten Fragen, ob regelmäßige oder schwerpunktmäßige Kontrollen vorgesehen sind und ob seit Einführung des Verbots bereits Verstöße festgestellt wurden, nennt die Stadt keine Zahlen. Das Problem: Das Rathaus verweist zwar darauf, dass Kontrollen sowohl durch den kommunalen Vollzugsdienst als auch durch die Polizei erfolgen können. Doch das Sinsheimer Ordnungsamt arbeitet nachts nicht.
Bleibt die Landespolizei. Und das Sinsheimer Revier pfeift personell sprichwörtlich aus dem letzten Loch. Erst vergangene Woche sorgte die Debatte um die grassierende Poser-Szene im Sinsheimer Gemeinderat für offene Münder, als sich Anwohner über nächtliches „Remmidemmi“, quietschende Reifen und tanzende Jugendliche auf Autodächern am Bahnhof und beim Rewe beschwerten. Die schonungslose Offenheit des Sinsheimer Revierleiters hallt bis heute nach: Unterstützung vom Präsidium aus Mannheim sei meist in den Großstädten gebunden, und Spezialkräfte zögen abends wieder ab. Polizeihauptkommissar Thorsten Pisot-Schuh: „Wir müssen grundsätzlich mit unseren Problemen alleine klarkommen – was natürlich mit zwei Streifen schwierig ist.“
Polizei arbeitet schon am Limit
Und zu diesen Problemen gehört nun auch die Kontrolle des neuen Durchfahrtsverbots am Steinsberg. Zwei Funkstreifen müssen schließlich nicht nur nach Posern Ausschau halten, sondern parallel Unfälle, Streitigkeiten, Einbrüche und alle anderen Einsatzlagen im großen Reviergebiet abarbeiten. Für die Tuning- und Motorrad-Fraktion, die den Berg als Teil ihrer inoffiziellen Rennstrecke nutzt, bleibt das Risiko eines Knöllchens überschaubar.
Was bleibt am Ende? Die Anwohner haben zwar auf dem Schild einen Punktesieg errungen. Ob daraus etwas wird, hängt nun ausgerechnet von dem Teil der Regelung ab, zu dem die Stadt keine konkreten Angaben macht: Ihrer Kontrolle. Die größte Hoffnung für Weilers Nachtruhe ist damit vorerst ausgerechnet der heranziehende Herbst – mit feuchtem Asphalt und kalten Nächten.
















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