Sinsheim

Das passiert mit der Sidlerschule in Sinsheim

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Das passiert mit der Sidlerschule in Sinsheim
Sinsheim ringt um das Erbe der Sidlerschule

Wer an der Sidlerschule in der Jahnstraße vorbeigeht, blickt in ein Gesicht aus einer anderen Zeit. Die Fassade mit ihren mächtigen Pilastern und den markanten Thermenfenstern im Giebel erzählt von den 1920er Jahren, von Aufbruch und Beständigkeit. Doch hinter den Fenstern herrscht Stille. Wo früher Kinder und später das Kommen und Gehen von Beratungsstellen und Flüchtlingen waren, ist heute der Leerstand. Das denkmalgeschützte Gebäude, ein Filetstück der Sinsheimer Stadtgeschichte, wartet auf ein neues Kapitel.

Am kommenden Dienstag, den 24. Februar, rückt die Sidlerschule in den Fokus des Gemeinderats. Es geht um nicht weniger als die Frage: Wer rettet dieses Haus – und zu welchem Preis?

Die leerstehende und baufaellige Sidlerschule in der Jahnstrasse in Sinsheim soll verkauft werden 4

Die Fassade ist gezeichnet, nicht nur durch Grafitti

Sanierungsstau statt Schulbetrieb

Die nackten Zahlen der Stadtverwaltung sind wie eine Diagnose mit hohem Behandlungsbedarf. Der Sanierungsrückstand bei Bausubstanz und Haustechnik wird als „hoch“ eingestuft. Wer das Gebäude auf den heutigen Stand bringen will, muss tief in die Tasche greifen: Rund 4,6 Millionen Euro kalkuliert das Amt für Gebäudemanagement allein für die Grundsanierung.

Geld, das die Stadt im Zuge ihrer aktuellen „Gebäudeoptimierung“ nicht selbst investieren kann oder will. Die Heizung ist defekt, eine PV-Anlage fehlt, und der Denkmalschutz macht jede Veränderung an der Außenhaut zu einem bürokratischen Hindernislauf. Die Konsequenz: Die Stadt will sich von dem rund 4.600 Quadratmeter großen Areal trennen.

Das 1-Million-Euro-Pokerspiel

Die Verwaltung schlägt dem Gemeinderat nun ein „Höchstgebotsverfahren mit städtebaulichen Auflagen“ vor. Das Mindestgebot liegt bei einer runden Million Euro. Doch wer hier den Zuschlag erhält, kauft nicht nur ein Grundstück, sondern geht eine Verpflichtung gegenüber der Stadtgesellschaft ein.

Die leerstehende und baufaellige Sidlerschule in der Jahnstrasse in Sinsheim soll verkauft werden 3

Der Eingang verrammelt, die Briefkästen verklebt. In der Sidlerschule ist schon lange kein Leben mehr.

Um zu verhindern, dass die Schule zum Spekulationsobjekt verkommt oder weiter verfällt, will sich die Stadt absichern:

  • Die Fünf-Jahres-Frist: Der Käufer muss das Gebäude innerhalb von fünf Jahren sanieren und einer neuen Nutzung zuführen. Passiert nichts, hat die Stadt ein grundbuchrechtlich gesichertes Rückerwerbsrecht.

  • Das grüne Gewissen: Die markante Baumreihe zur Jahnstraße hin muss erhalten bleiben. Wer gegen diese Auflage verstößt, dem droht eine saftige Strafe: 50.000 Euro pro Baum.

Zwischen Effizienz und Herzblut

Die Debatte im Gemeinderat dürfte sich vor allem um das „Wie“ der Vermarktung drehen. Ein reines Höchstgebotsverfahren verspricht eine schnelle Abwicklung und dringend benötigte Einnahmen für die Stadtkasse. Kritiker könnten jedoch mahnen, dass bei diesem Modell das beste Konzept gegen den dicksten Geldbeutel verlieren könnte.

Die Verwaltung hält dagegen: Durch die städtebaulichen Auflagen behalte man das Heft des Handelns in der Hand. Man wolle eine „effiziente Abwicklung“, ohne das historische Erbe zu verramschen. Das Areal ist städtebaulich relevant, da es die Überplanung des gesamten Quartiers beeinflusst.

Redaktion
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