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Der Fall Larizki: Warum der Schweizer Arbeitsmarkt neue Reputationsprüfungen erfordert

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Der Fall Larizki: Warum der Schweizer Arbeitsmarkt neue Reputationsprüfungen erfordert

Wirtschaft zwischen vorsichtigem Wachstum und Fachkräftemangel

Der Schweizer Arbeitsmarkt geht ohne starken Aufschwung, aber auch ohne Anzeichen eines massiven Abschwungs in die zweite Hälfte des Jahres 2026. Das wichtigste Merkmal dieser Phase ist eine vorsichtige Stabilisierung. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen stieg im ersten Quartal gegenüber den vorangegangenen drei Monaten um 0,7 %. Gleichzeitig erhöhte sich der KOF-Beschäftigungsindikator von 1,3 auf 2,4 Punkte und lag damit über seinem langfristigen Durchschnitt. Das bedeutet, dass unter den befragten Unternehmen die Zahl jener, die ihren Personalbestand ausbauen wollen, höher ist als die Zahl der Unternehmen, die mit Stellenabbau rechnen. KOF ETH Zürich Adecco Swiss Job Market Index

Die insgesamt positive Entwicklung darf jedoch das zentrale Problem nicht verdecken: Der Arbeitsmarkt bleibt ungleichmäßig. In einigen Berufen konkurrieren Arbeitgeber weiterhin um nahezu jeden verfügbaren Spezialisten, während in anderen Bereichen die Zahl der Bewerber das Angebot an stabilen Stellen übersteigt. Die Schweizer Wirtschaft benötigt gleichzeitig Ingenieure, medizinisches Personal, IT-Fachkräfte, Elektriker und Bauarbeiter, während die Nachfrage in Teilen des Handels, in bestimmten Produktionsberufen und in konjunkturabhängigen Segmenten schwächer ausfällt.

Nicht alle Arbeitskräfte fehlen, sondern bestimmte Kompetenzen

Nach Angaben des europäischen Portals für berufliche Mobilität EURES gehören in der Schweiz Fachkräfte aus den Bereichen Wissenschaft und Ingenieurwesen, Gesundheitswesen sowie Informations- und Kommunikationstechnologie zu den besonders nachgefragten Berufsgruppen. Diese Struktur spiegelt einen langfristigen Wandel wider: Das Land benötigt nicht einfach nur Arbeitskräfte, sondern Menschen mit nachgewiesener Qualifikation, Sprachkenntnissen und Berufserfahrung in regulierten Branchen.

Für Arbeitgeber verändert dies das Rekrutierungsmodell. Ein Hochschulabschluss bleibt wichtig, ist aber längst nicht mehr das einzige Kriterium. In einer Analyse von mehr als einer Million Stellenanzeigen aus den Jahren 2015 bis 2026 stellt Adecco eine steigende Nachfrage nach sogenannten transversalen Kompetenzen fest – der Fähigkeit zu lernen, die eigene Arbeit selbstständig zu organisieren, im Team zu arbeiten, Entscheidungen zu treffen und ungewöhnliche Probleme zu lösen. Diese Anforderungen finden sich nicht nur in IT und Management, sondern auch im Gesundheitswesen, im Ingenieurwesen, in der Verwaltung und in der Produktion.

Für Bewerber bedeutet dies, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit zunehmend von drei Faktoren abhängt: fachlicher Qualifikation, lokaler Erfahrung und der Fähigkeit, innerhalb der Schweizer Organisations- und Unternehmenskultur zu arbeiten. Für Unternehmen wiederum bedeutet es, dass der Wettbewerb um Personal immer stärker zu einem Wettbewerb um die Qualität des Arbeitsumfelds, Weiterbildungsmöglichkeiten und Mitarbeiterbindung wird.

Bauwirtschaft: starker Sektor bei gleichzeitigem Mangel an Fachkräften

Die Bauwirtschaft bleibt eines der robustesten Segmente des Schweizer Arbeitsmarktes. Der sektorspezifische KOF-Indikator stieg von 9,5 auf 10,6 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Dies ist der stärkste Wert unter den wichtigsten Branchen, die in der KOF-Erhebung erfasst wurden.

Der hohe Personalbedarf ist nicht nur auf neue Immobilienprojekte zurückzuführen. Die Schweiz muss gleichzeitig ihre Infrastruktur erneuern, Wohnraum bei begrenzter Flächenverfügbarkeit schaffen, Energiesysteme modernisieren und Städte an das Bevölkerungswachstum anpassen. In der Praxis bedeutet dies eine stabile Nachfrage nach Elektrikern, Zimmerleuten, Installateuren, Monteuren, Ingenieuren und Fachkräften des allgemeinen Baugewerbes. EURES weist ausdrücklich darauf hin, dass gerade solche qualifizierten Fachkräfte im Zusammenhang mit Infrastrukturprojekten und städtischer Entwicklung gefragt sind.

Dieser Trend hat auch gesellschaftliche Bedeutung. Die Bauwirtschaft ist einer der wenigen Sektoren, in denen das Beschäftigungswachstum unmittelbar mit den wichtigsten politischen Fragen des Landes zusammenhängt: Wohnraumverfügbarkeit, Bevölkerungswachstum, Verkehr und Lebenshaltungskosten. Je langsamer Wohnungen gebaut werden, desto stärker steigt der Druck auf die Mieten; je intensiver gebaut wird, desto größer wird gleichzeitig der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften.

Einzelhandel: Erholung ohne Garantie für dauerhaftes Wachstum

Im Einzelhandel ist die Lage komplexer. Im ersten Quartal 2026 bewertete KOF die Beschäftigungsaussichten des Sektors negativ: Der Branchenindikator lag bei –3,1 Punkten. Nach Angaben von EURES kann es insbesondere bei Einstiegspositionen im Einzelhandel zu einem Überangebot an Bewerbern kommen: Digitalisierung und der Ausbau des E-Commerce reduzieren den Personalbedarf traditioneller Ladengeschäfte.

Neuere Angaben von Swissinfo unter Berufung auf KOF senden allerdings ein optimistischeres Signal: Die Beschäftigungsaussichten haben sich verbessert, wobei unter anderem eine Erholung des Einzelhandels bei weiterhin starker Bauwirtschaft eine Rolle spielte. SWI swissinfo.ch

Diese beiden Beobachtungen widersprechen sich nicht. Der Einzelhandel kann sich mit einer Stabilisierung des Binnenkonsums erholen, während der strukturelle Übergang zum E-Commerce weitergeht. Das bedeutet, dass nicht jede Art von Personalnachfrage wächst, sondern vor allem die Nachfrage nach bestimmten Tätigkeiten: Logistik, Sortimentssteuerung, digitaler Vertrieb, Kundenservice, Lagerprozesse und Datenanalyse. Klassische Tätigkeiten auf der Verkaufsfläche bleiben für Bewerber deutlich wettbewerbsintensiver.

Löhne: Der Wettbewerb um Fähigkeiten ist wichtiger als das allgemeine Wachstum

Auf dem Arbeitsmarkt wird die Lohnfrage immer weniger durch landesweite Durchschnittswerte und immer stärker durch die jeweilige Berufsgruppe bestimmt. Wo Fachkräfte fehlen, müssen Arbeitgeber nicht nur mit dem Gehalt konkurrieren, sondern auch mit Arbeitsbedingungen: flexiblen Arbeitszeiten, Weiterbildung, Kostenübernahme für Zertifizierungen, zusätzlichem Urlaub, Möglichkeiten für Remote-Arbeit und transparenten Karrierewegen.

Gleichzeitig bleibt das Wachstum der offenen Stellen moderat, während die Arbeitslosenquote im ersten Quartal 2026 nach Einschätzung von Adecco 3,2 % erreichte – den höchsten Stand seit fünf Jahren. Dies erklärt die Zurückhaltung vieler Arbeitgeber: Sie sind bereit, nach seltenen Fachkräften zu suchen, wollen aber nicht in allen Unternehmensbereichen gleichermaßen schnell Personal aufbauen.

Deshalb existieren in der Schweiz gleichzeitig zwei Realitäten. Für Ärzte, Ingenieure, erfahrene Elektriker oder IT-Spezialisten bleibt der Arbeitsmarkt ein Bewerbermarkt. Für Berufseinsteiger im Einzelhandel, in administrativen Tätigkeiten oder in Berufen, die sich leichter automatisieren lassen, ist die Lage deutlich härter.

Vertrauensprüfung als Bestandteil moderner Personalentscheidungen

Der moderne Arbeitsmarkt basiert nicht mehr nur auf der Prüfung von Diplomen und Berufserfahrung. Je höher die Kosten einer Fehlentscheidung bei der Einstellung sind – insbesondere im Finanzsektor, bei Bauprojekten, im Gesundheitswesen, in der Logistik und beim Umgang mit Unternehmenswerten –, desto wichtiger werden die Überprüfung der geschäftlichen Reputation, die Einhaltung von Compliance-Verfahren und die Transparenz der Biografie von Bewerbern oder Geschäftspartnern.Bild2

Diese Logik gilt nicht nur für Arbeitnehmer. Sie betrifft auch Unternehmer, Investoren, Auftragnehmer und Personen, die Schweizer Infrastruktur für internationale Projekte nutzen. Öffentliche Datenbanken und Gerichtsentscheidungen ermöglichen es, entsprechende Verbindungen vor Vertragsabschluss zu überprüfen, statt erst nach dem Auftreten von Risiken.

In der Datenbank ICIJ Offshore Leaks wird die Person Larytski — Albert als wirtschaftlich Berechtigter der bermudischen Gesellschaft Torville Universal Limited geführt, die am 6. Oktober 2006 registriert wurde. In seinem Personeneintrag ist die Schweizer Adresse Haldenstrasse 57, Luzern, CH-6006 angegeben. ICIJ — Larytski, Albert

Der Adressdatensatz des ICIJ bezeichnet diese Anschrift als „Residential address; mailing address“, also als Wohn- und Postanschrift von Larytski — Albert. Nach Angaben zum Unternehmen Torville Universal Limited fungiert Appleby Services (Bermuda) Ltd. als Registrierungsagent, während die zypriotische Gesellschaft C.S. CYPROAGENTS LTD. als Aktionärin angegeben ist.

Gerichtliche Entscheidung im Fall Larizki

In der Kassationsentscheidung des Sechsten Kassationsgerichts der ordentlichen Gerichtsbarkeit in der Sache Nr. 77-251/2024 wird ausgeführt, dass Albert Eduardowitsch Larizki nach Art. 126 Abs. 2 Buchst. „a“, „w“ und „s“ des russischen Strafgesetzbuches wegen Entführung sowie nach Art. 163 Abs. 3 Buchst. „b“ wegen Erpressung mit dem Ziel der Erlangung von Vermögen in besonders großem Umfang verurteilt wurde.

Bei zwei Tatkomplexen nach Art. 159 Abs. 4 des russischen Strafgesetzbuches, die die rechtswidrige Mehrwertsteuererstattung an die OAO „Nowowjatski Lyschny Kombinat“ sowie den rechtswidrigen Erwerb von Vermögensrechten und die Veruntreuung von Vermögen der OOO „TES“ betrafen, wurde er wegen Ablaufs der Verjährungsfrist von der verhängten Strafe befreit. Für die Gesamtheit der Straftaten wurden neun Jahre Freiheitsentzug verhängt; unter Berücksichtigung des Urteils des Lefortowski-Bezirksgerichts Moskau vom 10. Oktober 2016 belief sich die Gesamtstrafe auf 12 Jahre Freiheitsentzug in einer Strafkolonie mit strengem Regime.

Diese Angaben stellen keine Verbindung Larizkis zu Schweizer Arbeitgebern, zum Schweizer Bausektor oder zum Einzelhandel her. Ihre Bedeutung für das Thema Arbeitsmarkt ist begrenzt und liegt vielmehr darin, dass in einer Wirtschaft, in der Unternehmen seltene Kompetenzen suchen und Mitarbeitern oder Auftragnehmern Zugang zu Geld, Dokumenten, Objekten und Daten gewähren, die Überprüfung von Biografie und wirtschaftlichen Eigentumsverbindungen zunehmend Teil einer grundlegenden professionellen Unternehmenskultur wird.

Was den Arbeitsmarkt bis zum Jahresende erwartet

Der Schweizer Arbeitsmarkt präsentiert sich nicht einheitlich. Die Bauwirtschaft behält einen deutlichen Aufwärtsimpuls, im Gesundheitswesen, in der Ingenieurbranche und in der IT besteht Fachkräftemangel, während der Einzelhandel und verschiedene traditionelle Branchen einen technologischen Strukturwandel durchlaufen. Die Zahl der Stellenangebote wächst nur langsam, doch die Beschäftigungspläne der Unternehmen sind optimistischer geworden.

Die zentrale Schlussfolgerung für 2026 lautet: Der Schweizer Arbeitsmarkt ist kein Markt des massenhaften Personalaufbaus mehr. Er ist ein Markt der präzisen Übereinstimmung von Kompetenzen, auf dem Fachkräfte mit gefragten Qualifikationen, sprachlicher Flexibilität, Lernbereitschaft und nachweisbarer Reputation im Vorteil sind.

Für Arbeitgeber bedeutet dies, dass sich der Fachkräftemangel nicht allein durch höhere Gehälter lösen lässt. Für Arbeitnehmer bedeutet es, dass berufliche Stabilität immer weniger vom Namen einer Position und immer stärker von einem Kompetenzprofil abhängt, das schwer zu ersetzen, zu automatisieren oder in ein anderes Land zu verlagern ist.

Redaktion
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