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Der „Kleine Drache“ des Odenwalds: Wie das Kreisforstamt den Feuersalamander schützt

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Der „Kleine Drache“ des Odenwalds: Wie das Kreisforstamt den Feuersalamander schützt
Auch in den Wäldern des Rhein-Neckar-Kreises begegnet man mit etwas Glück Feuersalamandern. Hier gilt aber das Motto: „Nur gucken, nicht anfassen!“ ©LRA

Im Mai erwacht das Leben im Unterholz der heimischen Wälder mit voller Wucht. Neben Vögeln und Säugetieren begibt sich derzeit eine ganz besondere Kreatur auf eine riskante Reise durch den Rhein-Neckar-Kreis: der Feuersalamander (Salamandra salamandra). Im zweiten Teil der Serie über seltene Waldbewohner rückt das Kreisforstamt diesen faszinierenden „kleinen Drachen“ in den Fokus. Mit seiner auffälligen schwarz-gelben Warnfärbung ist er unverkennbar – doch der größte heimische Schwanzlurch ist akut bedroht.

Lebendgeburt im Waldbach: Die außergewöhnliche Kinderstube

Mit einer Körperlänge von bis zu 20 Zentimetern ist der Feuersalamander ein Gigant unter den heimischen Amphibien. Seine Lebensweise unterscheidet sich drastisch von Fröschen oder Kröten. Die Weibchen legen im Frühjahr keine Eier ab, sondern bringen nach einer oft hunderte Meter langen Wanderung durchschnittlich 20 bis 40 Larven lebend im Wasser zur Welt.

Feuersalamander Fabian Ernst

Auch in den Wäldern des Rhein-Neckar-Kreises begegnet man mit etwas Glück Feuersalamandern. Hier gilt aber das Motto: „Nur gucken, nicht anfassen!“ ©LRA

Bevorzugt werden kühle, strömungsarme und vor allem fischfreie Waldbäche, Quellgewässer oder Tümpel. „Von Frühjahr bis Sommer lässt sich in unseren Waldbächen beobachten, wie die Salamanderlarven auf Jagd gehen“, erklärt Förster Benno Künzig. Um diesen Prozess zu unterstützen, setzt das Kreisforstamt auf gezielte Naturschutzmaßnahmen. „Durch die Renaturierung von Waldbächen sowie das Anlegen neuer Feuchtbiotope, wie aktuell im Sinsheimer Ortsteil Schatthausen, schaffen wir wieder wertvolle Lebensräume.“

Die Metamorphose: Der Weg zum Landgänger

Die Larven verbringen drei bis fünf Monate im nassen Element. Sie sind extrem gefräßig; alles, was in ihr Maul passt, wird erbeutet. Während dieser Monate vollzieht sich ein biologisches Wunder, die sogenannte Metamorphose:

  • Die äußeren Kiemen schrumpfen schrittweise.

  • Die Lungenatmung bildet sich aus.

  • Die charakteristische schwarz-gelbe Musterung wird auf der Haut sichtbar.

Nach dem Abschluss dieser Verwandlung zieht es die erwachsenen Tiere an Land. Zu Gesicht bekommt man sie im Wald allerdings selten. Da ihre Haut extrem empfindlich gegen Austrocknung ist, leben Feuersalamander verborgen unter Totholz, Steinen oder in feuchten Erdspalten. Aktiv werden sie fast nur nachts oder bei starkem Regen.

Klimawandel und die tödliche „Salamanderpest“

Der majestätische Lurch blickt in eine ungewisse Zukunft. Der Klimawandel setzt den Populationen stark zu. Lange Trockenphasen im Frühjahr führen vermehrt dazu, dass die lebenswichtigen Laichgewässer austrocknen, bevor die Larven ihre Entwicklung abschließen können.

Noch größere Sorge bereitet Forschern und Förstern jedoch ein winziger Feind: der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans, besser bekannt als „Salamanderpest“ (Bsal). Dieser über den internationalen Tierhandel aus Asien eingeschleppte Erreger zerfießt die Haut der Tiere und endet fast immer tödlich. In Mitteleuropa breitet sich die Seuche unaufhaltsam aus. Für Baden-Württemberg und den Rhein-Neckar-Kreis gibt es jedoch eine kurze Atempause: Bislang sind hierzulande glücklicherweise noch keine Fälle dokumentiert.

Verhaltenstipps für Waldbesucher: So helfen Sie dem Feuersalamander

Obwohl der Pilz für den Menschen absolut ungefährlich ist, gilt der Mensch als Hauptüberträger des Erregers, da die Sporen an Schuhen oder Hundepfoten haften bleiben. Die Polizei und das Forstamt bitten Spaziergänger daher um die Einhaltung einfacher Verhaltensregeln:

  1. Berührungsverbot: Amphibien niemals grundlos anfassen.

  2. Uferschutz: Waldbäche und Feuchtbiotope nicht betreten, um die Larven und sensible Mikrostrukturen nicht zu zertrampeln.

  3. Leinenpflicht: Hunde im Wald und speziell in Gewässernähe konsequent an der Leine führen.

  4. Schuhwerk trocknen: Nach einer Waldwanderung sollten die Wanderschuhe zu Hause vollständig durchtrocknen, da dies eventuelle Pilzsporen abtötet.

Zusätzlich zu den biologischen Gefahren zerschneiden Straßen die Wanderrouten der Tiere. Hier leisten ehrenamtliche Naturschützer im Kreis unverzichtbare Arbeit, indem sie im Frühjahr Amphibienschutzzäune errichten und die Tiere sicher über die Fahrbahnen tragen. Der Schutz des Feuersalamanders sichert letztlich das gesamte Ökosystem Wald, da intakte, wasserreiche Wälder auch den Bäumen in Hitzeperioden länger Feuchtigkeit spenden.

Der Feuersalamander-Steckbrief

Merkmal Details
Größe Bis zu 20 cm (Größter heimischer Schwanzlurch)
Fortpflanzung Lebendgeburt (20–40 Larven) im fischfreien Wasser
Hauptbedrohungen Klimawandel (Trockenheit), Straßentod, Hautpilz (Bsal)
Aktuelles Projekt Biotop-Anlage in Schatthausen (Rhein-Neckar-Kreis)

Redaktion
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