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Deutschland richtet „profitable“ Frauen-EM 2029 aus

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Deutschland richtet „profitable“ Frauen-EM 2029 aus
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Die UEFA hat eine Entscheidung getroffen: Die Frauen Europameisterschaft 2029 soll in Deutschland stattfinden. Diese Entscheidung bringt hohe Erwartungen mit sich – für den Frauensport, die Wirtschaft und Fans. Jahrelang wurde intensiv in den Frauenfußball investiert, nun stellt sich die Frage, wie nachhaltig diese Investitionen sind.

Die Entscheidung über den Ort der Ausrichtung fiel am 3. Dezember 2025 in der ersten Entscheidungsrunde mit 15 Stimmen für Deutschland und zwei für Dänemark und Schweden. Seitdem steigen die Verkaufszahlen in Ticket- und Wettbüros. Die Hoffnung auf ausverkaufte Studienplätze und breite Medienpräsenz steigt, die dem Frauenfußball langfristige Einnahmen versprechen sollen. Zusätzlich wird die Industrie von wettbegeisterten Fans unterstützt. Diese verfolgen nicht nur die Spiele mit großer Leidenschaft, sondern platzieren auch Sportwetten, während sie ihre Teams anfeuern, und nutzen dabei, ihr Portal für Sportwetten und Glücksspiel.

Der DFB-Antrag nennt acht Gastgeberstädte: Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Köln, Leipzig, Wolfsburg und München, mit der Allianz Arena als größtem Austragungsort. Obwohl diese Orte durch ihre Bekanntheit hohe Zuschauerzahlen versprechen, hängt der Profit der Saison am Ende des Tages von den verkauften Tickets – über eine Million müssen verkauft werden – der Unterstützung deutscher Unternehmen und der finanziellen Zusicherung der Austragungsstädte ab.

Die Ausrichtung der Frauen-EM 2029 könnte für den deutschen Fußball Großes bedeuten: die Chance, neben Profit ein Vermögen zu hinterlassen, das darauf hinweist, dass Frauensport eine Investition wert ist: „The symbolism of a ‚profitable‘ women’s Euro is powerful, but it’s not a guarantee of long-term health. Profit in 2029 must be judged by what it leaves behind for girls and women in Germany, not just by a closing balance sheet”, sagte Popi Sotiriadou, Expertin im Geschäft für Frauensport und Professorin im Fachbereich Tourismus und Marketing an der Griffith University in Australien, gegenüber der DW. Sie ist überzeugt, dass einem Profit nichts im Wege steht, wenn mindestens eine Million Tickets verkauft werden. Darüber hinaus müssten ihr zufolge Medienrechte und mehrjähriges Sponsoring steigen.

Während Sotiriadous’ Optimismus waltet, zeichnen auch frühere Turniere ein ähnliches Bild. Auch in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Turniere große positive Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft der Gastgeberländer und -städte haben können. So zeigt die Nielsen-Sport-Studie von 2024, dass die UEFA EURO 2024 wirtschaftliche Auswirkungen in Höhe von über 7,4 Milliarden Euro für Deutschland hatte. „[…] the tournament had a significant economic and social impact on the host country. This proves that major sporting events are not just a triumph for the football community but for society as a whole,” sagte UEFA Präsident Aleksander Čeferin.

Die Studie ergab, dass die größten Einnahmen durch Unterkünfte, An- und Abreise zu und innerhalb der Austragungsorte erzielt wurden. Darüber hinaus trugen Speisen und Getränke, die sowohl innerhalb als auch außerhalb der Stadien konsumiert wurden, maßgeblich zum Profit bei. Die Studie ergab außerdem, dass beinahe zwei Drittel der Ticketinhaber öffentliche Verkehrsmittel nutzten, um sich innerhalb der Austragungsorte fortzubewegen. Auf ähnliche Ausgaben werden auch für 2029 gehofft.

Dennoch warnen Experten davor, große Sportereignisse als Konjunkturrettung zu überschätzen. Während sich kurzfristige Umsätze in Tourismus und Handel realisieren lassen, sind langfristige positive Auswirkungen nur schwer zu erreichen – sie erfordern gezielte Medienarbeit, Sponsoring und Investitionen. Allerdings hat die UEFA in der Vergangenheit bereits Zuschüsse für kleinere Austragungen genehmigt und Experten weisen darauf hin, dass ein steigendes Zuschauerinteresse und Marketingerlöse den Gastgeberländern und -städten dabei helfen können, schwarze Zahlen zu schreiben.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußert sich optimistisch gegenüber dem Guardian und sagt, er wäre absolut überzeugt, dass das Turnier mehr als eine Million Fans anziehen und die UEFA somit das erste Mal einen finanziellen Gewinn mit einer Frauen-EM erzielen wird. Die Frauen-EM ausrichten zu dürfen, wäre nicht nur eine Ehre, sondern auch ein großartiges Fest, um den Frauenfußball zu feiern.

Gleichzeitig weist Sotiriadou darauf hin, dass eine profitable Frauen-Euro entweder für Schlagzeilen sorgen kann, oder eine Wendung in der Geschichte hervorruft. Der Unterschied liegt Sotiriadou zufolge darin, ob die Gewinne schlussendlich für Frauen und Mädchen eingesetzt werden, oder wortlos unter den Teppich gekehrt werden und in bestehende Strukturen fließen.

Wenn Städte und Vereine jedoch die Infrastruktur für Training und Breitensport nachhaltig ausbauen, werden künftig auch Nachwuchstalente davon profitieren. Abseits vom wirtschaftlichen Mehrwert steht nämlich vor allem der soziale Aspekt im Mittelpunkt: durch Medienarbeit soll mehr Sichtbarkeit erlangt werden, und mehr Sichtbarkeit schafft starke Vorbilder für die Jugend. So wird gehofft, dass mehr Mädchen dazu inspiriert werden, Vereinen beizutreten.

Kapitänin Giulia Gwinn äußerte sich laut DW vor Kurzem in einem Podcast zu Sexismus im Sport. Sexismus ist nicht nur eines der größten Probleme, das sie in ihrer eigenen Karriere erleben muss, sondern auch eines für viele Frauen im deutschen Profisport. Es geht also nicht nur um Profit, aber gleichzeitig um eine bessere Zukunft für Frauen im Sport.

Redaktion
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