Sinsheim (cs). Am vergangenen Sonntag öffnete das Missions- und Hilfswerk DMG seine Türen. Über 3.000 Gäste jeden Alters verbrachten den Tag auf dem Buchenauerhof. Es gab zahlreiche interkulturelle Angebote und Aktionen für Kinder – ein Fest für die ganze Familie.
Die DMG ist in über 60 Ländern tätig. Ihre Mitarbeiter engagieren sich in sozialen Projekten, teilen das Leben mit Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen und erzählen ihnen von Jesus. Diese weltweite Vielfalt erleben die Besucher heute beim Erlebnistag – für alle Sinne. An verschiedenen Ecken des weitläufigen Geländes ertönt Straßenmusik: Klänge aus Ecuador, Kenia und Kroatien. Die Gäste können sich durch mexikanische Köstlichkeiten oder asiatische Spezialitäten probieren. Oder sie greifen auf die altbekannte Wurst im Brötchen zurück. Am nordafrikanischen Stand können Gewürze anhand ihres Geruchs erraten werden. Leuchtende Farben von Flaggen aus aller Welt und traditionelle Stoffe aus Peru oder dem Nahen Osten erfreuen das Auge.
Unter den Besuchern sind einige bekannte Gesichter: Ehemalige oder Freunde, die die Arbeit der DMG unterstützen oder in befreundeten Organisationen tätig sind. Viele der Besucher sind jedoch zum ersten Mal auf dem Buchenauerhof. Einige sind aus größerer Entfernung angereist, viele kamen aus Sinsheim und den umliegenden Orten, neugierig zu sehen, was der Buchenauerhof zu bieten hat. Das DMG-Heimatzentrum wächst – durch neue Menschen und neue Gebäude. In seinem Grußwort erwähnt Ortsvorsteher Manfred Wiedl aus Sinsheim-Weiler anerkennend, dass der Buchenauerhof inzwischen zu einem „richtigen kleinen Ortsteil“ geworden sei.
Lebendige Geschichte
Ein „Ortsteil“ mit einer bewegten Geschichte. 200 Personen nehmen den Tag über an Führungen zur Geschichte des Buchenauerhofs teil. Im historischen Schloss können sie den Spuren von insgesamt 75 Jahren DMG folgen. Viele weitere erleben die Naturführung über die Tiere auf dem Hof und staunen über Details der Schöpfung, die man beim Spaziergang leicht übersieht.
„Mission soll nicht nur erzählt, sondern auch erlebt werden“, sagt Simon Bohn, Missionsleiter der DMG. „Viele Menschen sehnen sich nach Hoffnung, Liebe und Vergebung. Wir haben diese Hoffnung gefunden: im Gott der Bibel, den wir in Jesus Christus persönlich kennenlernen können. Weil er lebt, lebt auch die Geschichte der DMG. Mission bedeutet nicht, dass wir etwas besser wissen, sondern dass wir dazu einladen, Gott zu begegnen.“
„Wo ist denn der deutsche Gottesdienst?“
Drei verschiedene Gottesdienste finden im Rahmen des Erlebnistags jeweils zweimal statt. Ein klassisch deutscher ist nicht dabei. Aber nach kurzer Orientierung lassen sich die Gäste gerne auf die ungewohnten Formen ein.
Im lateinamerikanischen Gottesdienst in der Schlosskapelle spielt die Jugendband der Iglesia de Mannheim spanische Lobpreislieder. Der ehemalige DMG-Missionar und Pfarrer Bernhard Grupp berichtet von 25 Jahren Leben und Arbeit unter dem indigenen Volk der Canela in Brasilien. Er erzählt, wie Jesus für viele Menschen im Dorf die offene Tür zum Leben wurde. Sie kannten aus ihrer Kultur bereits den Brauch eines „Retterfreundes“, der für die Strafe eines anderen einspringen kann. Dass sie Jesus als Retterfreund kennengelernt haben, wollen sie nun mit anderen teilen.
Das gleiche Anliegen hat auch Dan, ein kenianischer Christ. Im afrikanischen Gottesdienst auf der Wiese sagt er: „Deutschland hat viele große Kirchen, aber es scheinen wenige Menschen darin zu sein. Vor vielen Jahren waren es Deutsche, die die Bibel in meinem Land übersetzt haben. Heute wünsche ich mir, dass sich die Menschen hier in Deutschland und Europa wieder neu mit dieser Botschaft beschäftigen.“ Die Predigt in diesem Gottesdienst betont, dass Jesus die „offene Tür“ für jeden ist und ein erfülltes Leben ermöglicht.
Beim arabischsprachigen Gottesdienst mit Übersetzung wird anhand von biblischen Gleichnissen deutlich, was Mission bedeutet. Baker aus dem Nahen Osten fasst in seiner Predigt zusammen: „Einerseits sind wir auf der ganzen Welt aktiv – das ist unser Auftrag. Aber wir wenden uns auch an die Menschen in unserem Haus, in unserer Gemeinschaft, in unserem direkten Umfeld und geben Gottes Botschaft und seine Liebe weiter.“
Hin zu den Menschen
In einer riesigen Ausstellung haben Missionare Erlebnis-Stände vorbereitet. An diesen können Interessierte internationale Spezialitäten kosten, Schriftzeichen schreiben, Sportarten entdecken oder exotische Früchte probieren. Wie kalt ist der Yukon-Fluss in Alaska? Mutige testen bei der „Hand im Eiswasser“-Challenge ihre Grenzen.
Die Missionare präsentieren ihre praktischen Tätigkeiten: Taekwondo, Pizza backen, Fahrräder reparieren und Unterricht geben. Ist das Mission? Ja, denn es sind Wege, die Beziehungen knüpfen, Brücken bauen und Türen öffnen „hin zu den Menschen“. Beeindruckend: Ein Mitarbeiter aus Nordafrika fragt die Besucher aktiv um Hilfe: „Wer von euch kennt sich mit Landwirtschaft, Böden und Bewässerung aus?“ Er arbeitet vor Ort mit Einheimischen zusammen, um neue Wege zu finden, damit auch auf Wüstenboden und bei salzhaltigem Wasser Pflanzen gedeihen. In weiteren Gesprächen wird deutlich: In welchem Land sie auch immer leben und arbeiten, verstehen sich DMG-Mitarbeiter als Lernende. Mission ist immer durch Gottes Hoffnungsbotschaft bewegt, kommt aber nie mit vorgefertigten oder schnellen Lösungen. Missionare nehmen sich Zeit, lernen Sprachen und Kultur, denn auch Gott hat Zeit. Zeit, auf Wachstum in der Wüste zu warten. Oder – wie zwei Missionarinnen berichten – Zeit, um Einzelnen aktiv zuzuhören oder Menschen bei der Verarbeitung von Traumata zu helfen.
Auf Entdeckungsreise
Das Angebot ist besonders für Kinder groß: Die LEGO® Stadt und ein Escape-Room von kids-team, mehrere Hüpfburgen, Bubble-Soccer und das Baumklettern mit dem LZA (Adelshofen) laden zum Bewegen und Nachdenken ein. Was ist nötig, damit ich mich trotz schwindelerregender Höhe sicher fühle? Wo finde ich Sicherheit im Leben? Eine „offene Tür“ persönlich zu erleben oder Offenheit für andere Kulturen und Menschen zu zeigen, ist kein Vorrecht für Erwachsene. Beim Erlebnistag bekommen die Kinder ein eigenes Entdecker-Heft, mit dem sie auf dem Missions-Erlebnis-Pfad spannende Rätsel und Aufgaben lösen können. Als Wegweiser im Heft und an den Ständen dient die eigens entworfene Libelle Lilli.
„Unterwegs mit Gott, hin zu den Menschen“, singt der Kinderchor „Königskinder“ auf der Bühne hinter dem Schloss. Sie spielen Musical-Episoden aus dem Leben des Paulus nach, durch den der christliche Glaube nach Europa kam. Ihr Lied fasst zusammen: „Die Nachricht vom Leben weiterzugeben, das ist Mission.“
Dass am folgenden Morgen bei der DMG zwölf neue Missionare aus ihrer Vorbereitungszeit verabschiedet werden, um in ihre Dienste auszureisen, ist folgerichtig. Sie machen sich auf den Weg, um „offene Türen“ zu nutzen und das Leben mit Menschen zu teilen. Insgesamt ist die DMG mit rund 430 Mitarbeitern weltweit aktiv.
Zum Vormerken
Die DMG lädt im Lauf des Jahres zu weiteren Missionsfesten ein: Das JuMi25 für Jugendliche (www.jumi.online) findet am 25./26. Juli statt, das Herbstmissionsfest folgt am 27. September.













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