Türkei wieder Spitzenreiter
Historischer Rekord im Landratsamt: Die Einbürgerungsbehörde des Rhein-Neckar-Kreises blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Noch nie in diesem Jahrtausend haben so viele Menschen im Kreisgebiet die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten wie im vergangenen Jahr. Insgesamt reichten die Beamten 2.253 Personen die Einbürgerungsurkunde.
Im Vergleich zum Vorjahr mit 1.571 Einbürgerungen bedeutet dies eine massive Steigerung um rund 43 Prozent (plus 682 Personen). „Das zeigt, dass viele Menschen, die schon lange hier leben, nun den letzten Schritt zur vollständigen gesellschaftlichen und politischen Teilhabe gehen möchten“, erklärt Jürgen Gruber, Leiter der Einbürgerungsbehörde des Kreises.
Das neue Gesetz zeigt Wirkung: Über 90 Prozent behalten alten Pass
Der Haupttreiber für den aktuellen Boom liegt in der Bundespolitik. Zum 27. Juni 2024 trat das Gesetz zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts in Kraft. Die Neuregelung brachte zwei entscheidende Erleichterungen:
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Mehrstaatigkeit als Standard: Die doppelte Staatsangehörigkeit ist seither grundsätzlich erlaubt.
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Verkürzte Wartezeit: Die Mindestaufenthaltsdauer für eine reguläre Einbürgerung sank von acht auf fünf Jahre.
Die Statistik des Rhein-Neckar-Kreises belegt eindrucksvoll, wie gut diese Änderungen angenommen werden: 2.090 der 2.253 Eingebürgerten – also weit mehr als 90 Prozent – durften ihre bisherige Staatsangehörigkeit behalten.
Unter den neuen deutschen Staatsbürgern im Kreis hielten sich die Geschlechter fast die Waage: 1.162 Frauen und 1.091 Männer erhielten den deutschen Pass. Darunter befanden sich auch 417 Minderjährige.
Herkunftsländer im Wandel: Türkei schießt an die Spitze
Die neuen Staatsbürger stammen aus mehr als 80 verschiedenen Nationen weltweit. Dabei zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung bei den Herkunftsländern:
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Türkei: Nach einer mehrjährigen Pause liegt die Türkei wieder unangefochten auf Platz eins. 440 Menschen mit türkischem Pass wurden 2025 eingebürgert – im Vorjahr waren es lediglich 164.
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Syrien: Mit 283 Einbürgerungen belegt das Bürgerkriegsland den zweiten Rang (Vorjahr: 333).
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Russische Föderation: Russland verzeichnet einen steilen Aufstieg auf Platz drei mit 183 Personen. Vor wenigen Jahren tauchte das Land noch nicht einmal in den Top Ten der Statistik auf.
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Indien: 90 Einbürgerungen sichern dem asiatischen Staat den vierten Platz.
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Kosovo: Mit 82 Fällen schafft das Land nach sechs Jahren Abwesenheit wieder den Sprung unter die fünf häufigsten Herkunftsstaaten.
EU-Bürger zeigen immer weniger Interesse am deutschen Pass
Spiegelbildlich zum Anstieg aus Drittstaaten sinkt das Interesse von Menschen aus der Europäischen Union kontinuierlich. Der relative Anteil von EU-Einbürgerungen im Rhein-Neckar-Kreis stürzte von stolzen 43,6 Prozent im Jahr 2017 auf einen neuen Tiefpunkt von nur noch 11,2 Prozent ab.
Die vorderen Plätze innerhalb der EU belegen Rumänien (39), Ungarn (38), Italien (29), Polen (27) und Griechenland (26). Behördenleiter Gruber liefert die logische Erklärung für diesen Trend: „Viele Bürgerinnen und Bürger aus EU-Staaten genießen bereits ohne deutsche Staatsangehörigkeit weitreichende Rechte und Freizügigkeiten. Entsprechend geringer ist häufig der Anreiz für eine Einbürgerung“.
Keine Entspannung in Sicht: 5.500 Verfahren in der Warteschleife
Trotz des Rekords ist der Druck auf die Behörde im Landratsamt enorm hoch. Die Zahl der Neuanträge ging nach dem Extremjahr 2024 zwar leicht zurück, verbleibt mit 3.126 neuen Anträgen aber auf einem extrem hohen Niveau (Vorjahr: 3.682).
Aktuell stapeln sich noch rund 5.500 laufende Verfahren auf den Schreibtischen der Sachbearbeiter. Krankheitsbedingte Ausfälle, Personalfluktuation und ein spürbarer Mangel bei der Neubesetzung offener Stellen erschweren die Situation zusätzlich. Von einer Entspannung könne laut Gruber im Moment absolut keine Rede sein. Das Interesse am deutschen Pass wird die Behörde auch in den kommenden Jahren personell stark fordern.
Service-Box: So funktioniert die Einbürgerung
Wer im Rhein-Neckar-Kreis den deutschen Pass beantragen möchte, muss gesetzliche Hürden nehmen. Dazu zählen unter anderem der Nachweis ausreichender Deutschkenntnisse sowie das Bestehen eines Einbürgerungstests, der das Wissen über die Rechts- und Gesellschaftsordnung abfragt.
Für individuelle Rückfragen steht die Einbürgerungsbehörde des Ordnungsamtes telefonisch unter 06221/522-1219 oder per E-Mail via einbuergerung@rhein-neckar-kreis.de zur Verfügung.













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