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Equal Pay Day: Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer

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Equal Pay Day: Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer
Symbolfoto ©jubu

Symbol für die Lohnlücke

Am 27. Februar ist Equal Pay Day. Dieser Aktionstag macht auf die Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Der Tag steht symbolisch für die Lohnlücke, den sogenannten Gender Pay Gap. Er zeigt rechnerisch, wie lange Frauen im neuen Jahr arbeiten müssten, um auf das durchschnittliche Vorjahreseinkommen von Männern zu kommen.

Bundesweit entspricht der aktuelle Abstand 58 Tagen. Das bedeutet: Frauen arbeiten rechnerisch vom 1. Januar bis zum 27. Februar unbezahlt, während Männer ab dem ersten Tag des Jahres verdienen. In Baden-Württemberg fällt dieser Zeitraum noch länger aus. Hier entspricht die Lohnlücke rechnerisch 73 Tagen.

20 Prozent weniger Stundenlohn im Südwesten

Nach Angaben des Statistisches Landesamt Baden-Württemberg lag der unbereinigte Gender Pay Gap im Jahr 2025 bei 20 Prozent. Frauen erhielten im Durchschnitt 23,20 Euro brutto pro Stunde (ohne Sonderzahlungen), Männer 28,88 Euro. Die Differenz beträgt 5,68 Euro pro Stunde.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Abstand geringfügig an. 2024 lag der Unterschied bei 19 Prozent beziehungsweise 5,40 Euro. Im Bundesdurchschnitt betrug die Lohnlücke 2025 dagegen 16 Prozent. Baden-Württemberg liegt damit weiterhin über dem Bundeswert.

Langfristig betrachtet hat sich der Abstand jedoch verkleinert. Im Jahr 2015 lag der unbereinigte Gender Pay Gap im Land noch bei 26 Prozent. Innerhalb von zehn Jahren ist er damit um sechs Prozentpunkte gesunken.

Was hinter dem Unterschied steckt

Ein großer Teil des Verdienstunterschieds lässt sich durch strukturelle Faktoren erklären. Rund 69 Prozent der Differenz, also 3,92 Euro von 5,68 Euro, können statistisch begründet werden. Frauen arbeiten häufiger in Branchen und Berufen mit geringerer Bezahlung. Sie unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit öfter, etwa wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen. Außerdem arbeiten sie deutlich häufiger in Teilzeit, was im Durchschnitt mit geringeren Stundenverdiensten verbunden ist.

Etwa 31 Prozent der Lohnlücke bleiben jedoch unerklärt. Dieser sogenannte bereinigte Gender Pay Gap lag 2025 bei 6 Prozent und entspricht 1,76 Euro pro Stunde. Er stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht an (2024: 5 Prozent) und entspricht nun dem Bundesdurchschnitt. Da wichtige Einflussfaktoren wie längere Erwerbsunterbrechungen nicht vollständig in die Berechnungen einfließen können, dürfte der tatsächliche bereinigte Unterschied etwas geringer sein.

Mehr als nur der Stundenlohn

Neben dem reinen Stundenverdienst betrachtet der Indikator „Gender Gap Arbeitsmarkt“ auch zwei weitere Aspekte: die Zahl der bezahlten Arbeitsstunden im Monat und die Erwerbsbeteiligung.

Im Jahr 2025 arbeiteten Frauen in Baden-Württemberg durchschnittlich 117 Stunden pro Monat, Männer 147 Stunden. Der sogenannte Gender Hours Gap lag damit bei 20 Prozent (2024: 21 Prozent). Bundesweit betrug er 18 Prozent. Ab etwa dem Alter, in dem Frauen ihr erstes Kind bekommen (durchschnittlich 30,7 Jahre), steigt der Unterschied meist deutlich an. Viele Frauen reduzieren nach der Geburt ihre Arbeitszeit, während Männer ihre Stunden oft gleich halten oder sogar erhöhen.

Auch bei der Erwerbstätigenquote gibt es Unterschiede. Nach Daten des Mikrozensus 2024 waren 76,1 Prozent der Frauen zwischen 15 und 64 Jahren erwerbstätig, bei den Männern waren es 83,0 Prozent. Daraus ergibt sich ein Gender Employment Gap von 8 Prozent (2024: 9 Prozent). Bundesweit lag dieser Wert ebenfalls bei 8 Prozent.

Gesamtbild des Arbeitsmarktes

Werden alle drei Faktoren zusammen betrachtet – Stundenlohn, Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung –, ergibt sich für Baden-Württemberg 2025 ein Gender Gap Arbeitsmarkt von 41 Prozent. Das ist etwas weniger als im Vorjahr (42 Prozent), liegt aber weiterhin über dem Bundesdurchschnitt von 37 Prozent.

Methodische Hinweise

Der Gender Pay Gap wird auf Basis der monatlichen Verdiensterhebung berechnet. Als Referenzmonat gilt jeweils der April. Beim unbereinigten Wert werden die tatsächlichen durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Männern und Frauen direkt miteinander verglichen. Beim bereinigten Wert werden Unterschiede in Ausbildung, Beruf, Branche oder Arbeitszeit herausgerechnet, um vergleichbare Situationen gegenüberzustellen.

Seit 2022 wird die neue monatliche Verdiensterhebung verwendet, die eine breitere Datengrundlage bietet als frühere Erhebungen. Dadurch ist die Vergleichbarkeit mit Jahren vor 2022 eingeschränkt.

Redaktion
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