Ein Rück- und Ausblick
16.565 Stunden. Das ist eine Zahl, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. Es ist die Zeit, die ein Mensch in fast acht Jahren Vollzeitjob verbringt. In Eppingen leisten diese Zeit die 358 Feuerwehrleute ehrenamtlich, einfach so, neben dem eigentlichen Beruf und dem Familienleben. Bei der 54. Hauptversammlung am Samstag wurde im Rückblick auf das Jahr 2025 klar: Die Wehr hat gut zu tun blickt aber gleichzeitig entspannt in die Zukunft.
Rekord-Stundenzahl
366 Mal heulten die Sirenen oder piepsten die Melder im vergangenen Jahr. Damit liegt die Schlagzahl deutlich über dem Fünfjahresschnitt von 321 Einsätzen. Doch Stadtkommandant Thomas Blösch bleibt gelassen, wenn er über diese Zahlen spricht. „Wir haben viel Glück mit den Brandmeldeanlagen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Das „Glück“ ist allerdings hausgemacht: Wenn eine Firma zu viele Fehlalarme produziert, rückt Blösch persönlich an, schaut sich die Anlage an und bittet zur Nachbesserung. Das spart nicht nur Nerven, sondern verhindert auch, dass die ehrenamtlichen Retter umsonst von ihrem Arbeitsplatz wegrennen. Die Einsatzzahlen in Adelshofen, Elsenz und Rohrbach wirken gegenüber der Kernstadt beneidenswert idyllisch. Mit zwei Händen lassen sich die Einsätze pro Ort zählen.
In der Kernstadt-Wache steht seit dem letzten Jahr ein Fahrzeug, das weniger mit dem Löschen als mit der Gesundheit der Retter zu tun hat: Der GW-Hygiene. Ein sperriger Name für ein lebenswichtiges Konzept. Wenn ein Trupp aus einem brennenden Haus kommt, schwarz von Ruß und kontaminiert mit Schadstoffen, geht es direkt in den Wagen. Entkleiden, frische Wäsche an, die verschmutzte Montur in luftdichte Säcke. Das Stichwort lautet „Feuerkrebs“. Die Zeiten, in denen man als Feuerwehrmann stolz darauf war, nach Rauch zu stinken, sind vorbei – heute weiß man, dass der Gestank krank macht.
Dass es gefährlich werden kann, zeigte der 8. April 2025 in Adelshofen. Was als kleiner Heckenbrand um 15.55 Uhr begann, entwickelte sich binnen Minuten zum Albtraum. Die Thujahecke in der Heckenbuschstraße wirkte wie ein Brandbeschleuniger; die Flammen fraßen sich in eine Gartenhütte, zwei Garagen und schließlich in den Dachstock eines Wohnhauses. 60 Einsatzkräfte kämpften fünfeinhalb Stunden gegen das Feuer. Der Einsatz zeigte wieder: Eine schlagkräftige Truppe in jedem Ort zu haben ist wichtig. Deshalb wird auch in vermeintlich ruhigen Ortsteilen wie Mühlbach weiter investiert: Dort steht seit November ein neues Löschfahrzeug (LF10), das im April offiziell in Dienst gestellt wird.
Eine Personalquote, die andere Neidisch macht
Während andere Organisationen händeringend nach Mitgliedern suchen, herrscht in Eppingen personelle Hochstimmung. 358 Aktive zählt die Wehr heute – 2017 waren es noch 247. „Da stehen wir sehr gut da“, bilanziert Blösch stolz. Die Struktur ist gesund, was vor allem an der massiven Jugendarbeit liegt. 104 Jugendliche und 33 Kinder bilden die Reserve von morgen. Hinzu kommen Quereinsteiger und Neubürger, die in Eppingen nicht nur ein Haus, sondern auch eine neue Aufgabe finden. Die Tagesverfügbarkeit? „Alles in Butter“, so die Führung. Die Angst, dass tagsüber kein Auto ausrückt, weil alle auswärts arbeiten, kennt man hier nicht.
Innovatives Blackout-Konzept
Besonderes Aufsehen erregte im vergangenen Jahr eine Bevölkerungsschutzübung, die landkreisweit als absolutes Leuchtturmprojekt gilt. Ganze 680 Beteiligte probten das Undenkbare: Einen totalen Blackout. Dafür wurden 69 Einsatzpläne erarbeitet, die so simpel sind, dass sie auch von Laien verstanden werden. Der Clou dabei: Die Helfer sind keine Profis vom Roten Kreuz, Feuerwehr oder THW – „die werden im Ernstfall an der Front gebraucht“ so Blösch. Engagierte Bürger aus den örtlichen Vereinen. Ein Turner vom TV Eppingen wüsste dank der Pläne genau, wo er das aufblasbare Zelt aufstellen müsste und Notrufe annimmt, damit die Rettungssanitäter den Rücken für medizinische Notfälle frei haben. Dass dieses System nicht nur auf dem Papier glänzt, zeigte sich bereits im Realbetrieb: Bei lokalen Stromausfällen wurden die Notfalltreffpunkte in Kleingartach, Adelshofen und der Kernstadt bereits aktiviert. Während anderswo bei einem Netzausfall wertvolle Löschfahrzeuge als Infopunkte an Straßenecken gebunden wären, klappten in Eppingen einfach die Zelte auf. Ein Konzept, das in dieser Größenordnung im Landkreis Heilbronn seinesgleichen sucht.
Auch an der Gebäudenfront tut sich was: In Elsenz wurden die Umkleiden und Tore sowie Elektrik ertüchtigt, in Richen ist der Umbau der Wache fast fertig. Dort zog ein Teil der Wehr in ein ehemaliges Bankgebäude um, wo nun geschult statt Geld gezählt wird. Für das Feuerwehrhaus in der Kernstadt steht die Planung indes noch in den Sternen, aber auch hier soll sich bald etwas regen.
Am Ende des Abends blieb ein Satz aus der Präsentation von Stadtkommandant Blösch hängen, der den Kern des Eppinger Engagements trifft: Eine Feuerwehr, so hieß es dort, laufe am Ende nicht mit Benzin oder Diesel. Sie läuft mit Herzblut. Und davon scheint in Eppingen und seinen Abteilungen derzeit mehr als genug vorhanden zu sein.














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