Jugendfeuerwehr feiert zeitgleich 40-jähriges Bestehen
Die Abteilung Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Sinsheim feiert am kommenden Wochenende ihr großes Jubiläum. Zeitgleich stößt die eigene Jugendabteilung auf ihr 40-jähriges Bestehen an. Zwischen Blaulichtparty, Kettcar-Parcours und Rundfahrten im Feuerwehrauto machen Kommandant Malte Ghezali und seine Mannschaft die Lindenbaumhalle zur Festmeile. Doch bevor gefeiert wird, lohnt der Blick ins Archiv: Die Chronik der Wehr erzählt von bitterer Not und verhinderten Katastrophen, von kuriosen Tierrettungen und dem weiten Weg hin zum modernen Katastrophenschutz.
Blick zurück auf dramatische Einsätze und Meilensteine
Zwar halfen Reihener Spritzenmeister historisch verbürgt schon 1859 bei einem verheerenden Großbrand in Neckarbischofsheim mit, doch der offizielle Startschuss fiel im August 1926. Nach einem Wink des Bezirksamtes rief Bürgermeister Georg Rupp alle Männer zwischen 18 und 45 Jahren auf – und 52 Freiwillige fanden sich schnell. Am 22. Oktober 1926 wählte die junge Wehr Ratsschreiber Heinrich Barth zu ihrem ersten Kommandanten, teilte sich in fünf Züge auf und bekam mit dem Beitritt der örtlichen Musikkapelle gleich noch einen eigenen Musikzug spendiert.
Feuerwehr war mal pleite
Geld war damals absolute Mangelware: Als 1930 das Feuerwehrfest im nahen Gemmingen stieg, mussten die Reihener wegen leerer Kassen daheimbleiben. Dennoch saß der Ausbildungsdrill. In der Nacht zu Silvester 1930 und nur sechs Tage später am Dreikönigstag 1931 bewährte sich die Truppe gleich bei zwei verheerenden Bränden, rettete mehrere Wohnhäuser und Scheunen und machte eine aus Sinsheim herbeigeeilte Motorspritze überflüssig. Der Zweite Weltkrieg riss tiefe Lücken in die Mannschaft; 1945 rückte beim Brand in Ittlingen nur noch ein Notaufgebot aus halben Kindern und Greisen aus, bevor die Wehr unter der Militärregierung fast in der Versenkung verschwand. Erst 1949 erweckte Bürgermeister Georg Bräunling den Teamgeist zu neuem Leben: 61 Aktive traten an, kauften Schläuche, Uniformen und ihre erste motorisierte Tragkraftspritze „TS 8“. Der historische, handgezogene Schlauchwagen aus dem Gründungsjahr 1926 blieb den Reihenern dennoch treu – und tat seinen Dienst sage und schreibe bis 1992, ehe er in den wohlverdienten Ruhestand rollte.
Die Elsenz floss mal durch Reihen
Die Liste der Einsätze, die sich ins Gedächtnis des Dorfes brannten, ist lang. Als im Februar 1970 die Elsenz über die Ufer trat, kämpfte die Wehr zwei Tage lang pausenlos gegen die Fluten in Kellern und Stuben. Im selben Jahrzehnt machten die Reihener im gesamten Altkreis Sinsheim von sich reden: 1972 holten gleich zwei Gruppen als allererste im ganzen Bezirk das begehrte Feuerwehr-Leistungsabzeichen in Gold.
Mit dem Umzug 1976 aus dem engen Rathaus in das Gerätehaus an der Mehrzweckhalle und der Indienststellung des ersten motorisierten Löschfahrzeugs (LF 8) im Jahr 1979 brach die moderne Ära an. Dass Feuerwehrdienst dabei manchmal buchstäblich eine Riesensauerei sein kann, zeigte sich im September 1997: In der Ernst-Wengenroth-Straße kippte ein Viehtransporter mit 300 Schweinen um. Die Wehrleute mussten Schwerstarbeit leisten, um verendete Tiere zu bergen und die verängstigten Überlebenden einzufangen. Noch dramatischer wurde es beim Großbrand einer Chemiefabrik im Gewerbegebiet „Zur Mauer“, wo Reihen gemeinsam mit Wehren aus Sinsheim, Leimen und dem Rauenberger Umweltzug eine Umweltkatastrophe im Kraichgau verhinderte.
100 Jahre Einsatz fürs Dorf
Um die Zukunft des Ehrenamts zu sichern, gründeten die Feuerwehr-Urgesteine Peter Geiser und Oskar Brenneisen 1986 die Jugendfeuerwehr. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Horst Sieber lobte den Schritt damals als „Garant für das Fortbestehen“ – und er behielt recht. Heute zählt der Nachwuchs unter den insgesamt 34 Aktiven und fünf Alterskameraden auch zehn Jugendliche, die am Samstagnachmittag beim Jubiläumslauf des Bereichs 6 zeigen, was in ihnen steckt.
Auch taktisch hat sich die Truppe gemausert: Gemeinsam mit den Nachbarn aus Steinsfurt bildet Reihen den Ausrückebereich „Sinsheim Ost“, übernimmt Sicherheitswachen bei Bundesliga-Spielen in der Arena und ist seit 2022 wichtiger Sicherheitsanker: Ausgestattet mit moderner Notstromeinspeisung und einer Netzersatzanlage dient das Gerätehaus heute als sogenannter behördlicher „Leuchtturm“, der bei einem großflächigen Stromausfall für die Bevölkerung autark Licht und Hilfe spendet.
Hundert Jahre, nachdem die ersten 52 Mann noch ohne einen Pfennig in der Kasse antraten, darf nun ausgiebig angestoßen werden. Die genauen Highlights und Programmpunkte des Doppel-Jubiläums stellen wir in den kommenden Tagen noch ausführlich vor.

















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