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Förster enthüllen: Warum Sie jetzt Brennholz kaufen

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Förster enthüllen: Warum Sie jetzt Brennholz kaufen
Blick in die Krone eines jungen „Zukunftsbaumes“. (Foto: Kreisforstamt)

Die unsichtbare Klima-Rettung?

Der Wald in Baden-Württemberg ist ein unersetzlicher Kohlenstoffspeicher und bedeckt 38 Prozent der Landesfläche, wobei er beeindruckende 243 Millionen Tonnen Kohlenstoff bindet. Doch die Zeit drängt: Der Klimawandel schreitet so schnell voran, dass die natürliche Anpassungsfähigkeit der Wälder überfordert ist. Dürre, Stürme und Schädlinge wie der Borkenkäfer setzen den Bäumen massiv zu. Der Waldzustand ist mancherorts besorgniserregend.

Doch statt die Natur ihrem Schicksal zu überlassen, kämpft das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises aktiv dagegen an. Seit Beginn der kalten Jahreszeit ist die Holzerntesaison in vollem Gange. Diese gezielten Maßnahmen sind nicht etwa wirtschaftlicher Kahlschlag, sondern eine aktive, naturnahe Waldbewirtschaftung – der Schlüssel, um den Wald langfristig als Klimasenke zu sichern und ihn widerstandsfähiger zu machen.


Die Strategie: Das Züchten von „Zukunftsbäumen“

Die wichtigste Waffe der Förster im Kampf gegen den Klimawandel ist die Auswahl und Förderung von sogenannten „Z-Bäumen“ (Zukunftsbäumen).

Das Prinzip ist einfach und effektiv:

  1. Auswahl: In jungen Jahren werden die vitalsten und vielversprechendsten Bäume ausgewählt.

  2. Klima-Resilienz: Dabei werden gezielt Baumarten wie Eichen, Spitzahorn und Hainbuche berücksichtigt, die laut Prognosen am besten mit der klimatischen Veränderung der nächsten Jahrzehnte zurechtkommen.

  3. Förderung: Durch die Entnahme von „Bedrängern“ (Nachbarbäumen, die stören) wird der Z-Baum aktiv gefördert.

Der Zuwachsmotor: Die Krone des Baumes

Der Eingriff hat einen klaren biologischen Zweck: Die Krone des Z-Baumes soll ausreichend Platz zur Entfaltung bekommen. Die Krone ist der Zuwachsmotor des Baumes. Eine große, gesunde Krone regt auch das Wurzelsystem zum Wachstum an, was es dem Baum ermöglicht, sich besser mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen und so Trockenheit und Hitze optimal standzuhalten.

Ein weiteres Ziel der Z-Baum-Auswahl ist die größtmögliche Baumartenmischung, da Mischung im Wald immer Risikostreuung bedeutet. Je älter die Bestände werden, desto seltener greifen die Förster ein, bis die Z-Bäume nach vielen Generationen schrittweise geerntet werden, um der nachfolgenden Generation einen gesunden und vielfältigen Wald zu hinterlassen.


Das doppelte Wunder: Holznutzung als Klimaschutz

Das entnommene Holz wird nicht nur weggeworfen – es wird vielfältig genutzt und trägt so gleich doppelt zum Klimaschutz bei.

1. Regionale Wertschöpfung

  • Brennholz für Bürger: Bei Durchforstungen in jungen Wäldern fällt vor allem Brennholz an, das der Bevölkerung des Rhein-Neckar-Kreises zugänglich gemacht wird.

  • Sägeindustrie: Bei späteren, älteren Beständen wird Schnittholz für die heimische Sägeindustrie bereitgestellt. Über 80 Prozent des geernteten Holzes wird direkt in Baden-Württemberg weiterverarbeitet, was regionale Arbeitsplätze stärkt und Transportwege minimiert.

2. Langfristige CO₂-Bindung

Ein entscheidender Vorteil: Die Nutzung von Holz als Werk- und Baustoff hilft, den gespeicherten Kohlenstoff langfristig auch außerhalb des Waldes zu binden. Holzprodukte, die nicht als Schnittholz geeignet sind, werden zu Holzwerkstoffen wie Spanplatten oder Dämmmaterialien verarbeitet und speichern das CO₂ dort über Jahrzehnte.

Förster Tom Karrer fasst die Motivation zusammen:

„Durch waldbauliche Entscheidungen an der Zukunftsfähigkeit unserer Wälder zu arbeiten und gleichzeitig ein nachhaltiges und regionales Produkt wie Holz zu produzieren, war eine der Hauptmotivationen, warum ich diesen Beruf gewählt habe.“

Das grundlegende Prinzip der deutschen Forstwirtschaft bleibt die Nachhaltigkeit: Es wird maximal so viel Holz eingeschlagen, wie im gleichen Zeitraum nachwächst. Tatsächlich haben die Holzvorräte der Wälder in Baden-Württemberg in den letzten Jahrzehnten sogar weiter zugenommen. Aktive Bewirtschaftung sichert somit die ökologische Stabilität und erhält einen gesunden, leistungsfähigen Wald für zukünftige Generationen.

Redaktion
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