Familien, Haushalt und Alltag
In Baden-Württemberg leben viele Frauen in unterschiedlichen Familienformen. Rund 286.000 Frauen erziehen ihre Kinder allein. Zum Vergleich gibt es etwa 63.000 alleinerziehende Männer. Außerdem leben etwa 1,23 Millionen Frauen allein, während es bei den Männern rund 1,19 Millionen sind.
Im Durchschnitt bekommt eine Frau im Südwesten 1,39 Kinder. Die Werte unterscheiden sich jedoch regional. Im Landkreis Tuttlingen liegt der Durchschnitt mit 1,72 Kindern je Frau am höchsten. Den niedrigsten Wert gibt es im Stadtkreis Heidelberg mit 0,99 Kindern je Frau.
Bildung und Studium
Frauen erreichen heute häufig hohe Schulabschlüsse. Beim Erwerb der Hochschulreife liegt ihr Anteil über der Hälfte. Insgesamt lag der Frauenanteil bei der Hochschulreife bei 54,6 Prozent.
Im Jahr 2024 erhielten an allgemeinbildenden Schulen 28.809 Schülerinnen und Schüler das Abitur. Darunter waren 15.960 Frauen, was einem Anteil von 55,4 Prozent entspricht. Auch an beruflichen Schulen lag der Frauenanteil über der Hälfte. Von 14.092 Absolventinnen und Absolventen waren 7.760 Frauen, also 55,1 Prozent.
Auch beim Studium zeigt sich diese Entwicklung. Im Wintersemester 2024/25 waren an den Hochschulen in Baden-Württemberg insgesamt 347.415 Studierende eingeschrieben. Darunter waren 173.540 Frauen, was genau der Hälfte entspricht. Unter den Studienanfängerinnen und -anfängern lag der Frauenanteil sogar leicht darüber. Mit 50,4 Prozent begannen etwas mehr Frauen als Männer ein Studium.
Frauen aus anderen Ländern im Südwesten
Ende 2024 lebten in Baden-Württemberg etwa 35.000 Menschen aus der Russischen Föderation und rund 177.700 Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit. In beiden Gruppen sind etwa zwei Drittel Frauen.
Viele von ihnen leben in größeren Städten und Ballungsräumen. Besonders viele Menschen aus Russland und der Ukraine wohnen im Stadtkreis Stuttgart. Ebenfalls viele leben im Stadtkreis Karlsruhe sowie im Rhein-Neckar-Kreis.
Frauen und Wahlen
Bei der Bundestagswahl 2025 beteiligten sich Frauen etwas seltener an der Wahl als Männer. Die Wahlbeteiligung lag bei den Frauen bei 82,8 Prozent, bei den Männern bei 84,0 Prozent.
Die Beteiligung war in den Altersgruppen zwischen 35 und 69 Jahren besonders hoch. Niedriger war sie bei jüngeren Menschen sowie bei Personen ab 70 Jahren. Bei jungen Wählerinnen bis 34 Jahren lag die Beteiligung allerdings höher als bei Männern derselben Altersgruppe. Besonders deutlich war der Unterschied bei den 18- bis 20-Jährigen. Hier gingen Frauen deutlich häufiger wählen.
Im Deutschen Bundestag lag der Frauenanteil nach der Wahl 2025 bei 32,4 Prozent. Von insgesamt 630 Abgeordneten waren 204 Frauen. In Baden-Württemberg kandidierten bei dieser Wahl 525 Personen für ein Bundestagsmandat. Darunter waren 159 Frauen. Gewählt wurden schließlich 26 Frauen aus dem Südwesten.
Frauen und Straftaten
Frauen werden deutlich seltener straffällig als Männer. Von den rund 97.000 verurteilten Personen im Jahr 2024 in Baden-Württemberg war etwa jede sechste eine Frau.
Auch in den Gefängnissen ist der Frauenanteil niedrig. Von etwa 5.100 Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten im Südwesten waren nur etwa fünf Prozent Frauen.
Frauen im hohen Alter
In Baden-Württemberg leben viele ältere Menschen. Ende 2024 waren rund 392.800 Personen mindestens 85 Jahre alt. Von ihnen waren etwa zwei Drittel Frauen, insgesamt rund 248.300. Männer machten mit rund 144.600 etwa ein Drittel aus.
Besonders auffällig ist dies bei den sehr alten Menschen. Insgesamt 2.250 Personen im Land waren bereits 100 Jahre oder älter. Davon waren 1.850 Frauen und 400 Männer.
Der Grund dafür ist vor allem die höhere Lebenserwartung von Frauen. Ein neugeborenes Mädchen kann heute in Baden-Württemberg im Durchschnitt mit gut 84 Lebensjahren rechnen. Bei Jungen liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei knapp 80 Jahren.
Mütter werden im Schnitt älter
Das Durchschnittsalter von Frauen bei der Geburt eines Kindes ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Im Jahr 1980 lag es in Baden-Württemberg noch bei etwa 27 Jahren. Im Jahr 2020 lag das Durchschnittsalter bereits bei 32 Jahren.
Auch der Anteil älterer Mütter ist gestiegen. Bei rund 28 Prozent aller Geburten im Jahr 2024 waren die Mütter mindestens 35 Jahre alt. Im Jahr 2000 lag dieser Anteil noch bei gut 17 Prozent.
Unbezahlte Arbeit im Alltag
Neben der bezahlten Arbeit leisten Frauen auch viel unbezahlte Arbeit. Dazu gehören zum Beispiel Hausarbeit, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder ehrenamtliches Engagement.
Frauen in Baden-Württemberg leisteten im Jahr 2022 durchschnittlich rund 29 Stunden unbezahlte Arbeit pro Woche. Männer kamen im Durchschnitt auf gut 19,5 Stunden. Frauen leisten damit etwa 9,5 Stunden mehr unbezahlte Arbeit pro Woche als Männer.
Der sogenannte Gender Care Gap lag damit bei 48,3 Prozent. Das bedeutet, dass Frauen fast die Hälfte mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit aufwenden als Männer.
Frauen in Landwirtschaft und Wirtschaft
Auch in der Landwirtschaft übernehmen Frauen Verantwortung. Von den rund 32.100 landwirtschaftlichen Familienbetrieben im Land werden etwa 3.300 von Frauen geleitet. Das entspricht etwa zehn Prozent der Betriebe. Allerdings führen viele dieser Betriebsleiterinnen ihren Hof nicht im Vollerwerb. Nur rund ein Viertel dieser Betriebe wird als Vollerwerbsbetrieb geführt.
Bei Unternehmensgründungen sind Frauen ebenfalls vertreten, allerdings seltener als Männer. Von den 94.006 Personen, die im Jahr 2025 ein Gewerbe gründeten, waren 31.667 Frauen. Das entspricht einem Anteil von 33,7 Prozent.
Am häufigsten gründeten Frauen Unternehmen im Bereich Handel sowie bei der Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen. Besonders hoch ist der Frauenanteil bei Gründungen im Veterinärwesen. Dort lag er bei 88,8 Prozent.














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