Seit Anfang Juni das neue Landesnichtraucherschutzgesetz greift, herrscht in den Freibädern im Kraichgau sowie landesweit ein striktes Rauchverbot. Nur noch in speziell ausgewiesenen Bereichen ist das Qualmen erlaubt. Das Gesetz sorgte im Vorfeld für hitzige Debatten. Doch wie sieht die Realität aus? Ein Rundgang zeigt: Die Gemüter sind abgekühlt, und der große Krach ist bisher ausgeblieben.
Im Freibad Sinsheim ist die Sache klar geregelt. Wer einen Zug nehmen will, muss laufen. Die Stadtverwaltung hat zwei offizielle Raucherzonen eingerichtet: Eine auf der Wiese hinter dem DLRG-Vereinsheim und eine hinter den Rutschen. Das Verbot auf dem restlichen Areal ist lückenlos und schließt neben der klassischen Zigarette ausdrücklich auch E-Zigaretten und Vapes ein. Stadtsprecherin Melanie Wricke zieht eine durchweg positive Zwischenbilanz nach den ersten Wochen unter neuen Bedingungen. Die Badegäste würden direkt am Eingang per Plakat informiert und das Konzept gehe auf. Sollte sich doch mal ein Raucher auf die Liegewiese verirren, greift das Personal durch. Wichtig für die Freibad-Nomenklatur: Angesprochen werden die Sünder vom „Schwimmmeister“, nicht vom Bademeister, wie Wricke meldet. Die Erläuterungen der Schwimmmeister reichten bislang völlig aus. Bußgelder oder Platzverweise waren kein einziges Mal nötig.
Rückendeckung für die Raucher gibt es derweil am Kiosk. Betreiber Peter Erdelyvari, selbst Raucher, hat in seinem Bistro einen eigenen Raucherbereich, der nicht in den Zuständigkeitsbereich der Stadt fällt. Auf die Frage, ob man im Freibad überhaupt noch Ecken für Raucher braucht, meint er: „Ja, das sind schließlich auch Steuerzahler“. Gemeint sind die Einnahmen aus der Tabaksteuer.
Ein paar Kilometer weiter, im ehrenamtlich betriebenen Freibad in Neckarbischofsheim, blickt man ebenfalls entspannt auf die neue Ära. „Die ersten paar Tage mussten wir noch ein paar Leute ermahnen, aber mittlerweile läuft es“, berichtet Martina Wanke, die Vorsitzende des betreibenden Turnvereins. Dank der Berichte im Vorfeld seien den Verantwortlichen zähe Diskussionen erspart geblieben. Auch hier setzt man auf Kulanz: Hinter dem Hauptgebäude wurde eine neue Raucherecke mit Stühlen und einem Tisch eingerichtet. Es gibt einen fest montierten Standaschenbecher, den das Kiosk-Team von „Snack Jack“ spendiert hat.
Wanke hatte anfangs durchaus Bauchschmerzen, wie vor allem die langjährigen Stammgäste auf den plötzlichen Entzug reagieren würden. Doch die Sorge war unbegründet. Bestes Beispiel dafür ist Wolfgang Belz. Er war jahrelang selbst als Schwimmaufsicht im Bad angestellt und genießt dort inzwischen als Stammgast seinen Ruhestand. Für den passionierten Raucher ist die Umstellung überhaupt kein Ding. „Daheim gehe ich raus zum Rauchen, im Restaurant auch, an vielen Orten eben. Das ist für mich kein Problem“, meint Belz. Früher saß er gemütlich mit dem Aschenbecher auf der Sonnenterrasse des Freibades. Heute muss er hinter das Gebäude. Der angenehme Nebeneffekt des neuen Verbots: „Ich rauche hier im Freibad jetzt sogar ein bisschen weniger.“













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