Bisphenol A im Trinkwasser – das sind die Folgen
Pünktlich zum Weltwassertag am 22. März rückt das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises ein unsichtbares, aber ernstzunehmendes Problem in den Fokus: Die Belastung von Trinkwasser durch den chemischen Stoff Bisphenol A (BPA). Was viele Hausbesitzer nicht wissen: Eine vermeintlich günstige Rohrsanierung aus der Vergangenheit könnte heute zur kostspieligen Gesundheitsfalle werden.
Der neue Grenzwert: Warum Bisphenol A im Fokus steht
Mit der Novellierung der Trinkwasserverordnung im Jahr 2023 hat der Gesetzgeber streng auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse reagiert. Erstmals wurde für Bisphenol A ein Grenzwert von 2,5 Mikrogramm pro Liter (µg/L) festgelegt.
Bisphenol A gilt als endokrin wirksame Verbindung. Das bedeutet, der Stoff kann wie ein Hormon in den menschlichen Körper eingreifen und wird mit verschiedenen toxikologischen Wirkungen in Verbindung gebracht. Das Gesundheitsamt überwacht diesen Parameter nun streng, um die langfristige Gesundheit der Bürger in Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis sicherzustellen.
Die Ursache: Billige Rohrinnensanierungen als Altlast
Doch wie gelangt die Industriechemikalie überhaupt in unser Lebensmittel Nummer eins? Die Antwort liegt oft in der Gebäudesanierung zwischen 2005 und 2015. Statt alte Leitungen komplett auszutauschen, entschieden sich viele Eigentümer für eine Innenbeschichtung mit Epoxidharz.
„Inzwischen ist bekannt, dass dieses Epoxidharz regelmäßig erhebliche Mengen an Bisphenol A in das Trinkwasser abgeben kann“, erklärt Stefan Kramer, Referatsleiter für Technischen Gesundheitsschutz. Die Bilanz des Gesundheitsamtes ist deutlich: In fast 50 Gebäuden im Zuständigkeitsbereich musste bereits der komplette Austausch der beschichteten Rohrleitungen angeordnet werden – eine Maßnahme, die für Eigentümer weitaus teurer ist als ein von vornherein fachgerechter Austausch.
Doppeltes Risiko: Chemie und Legionellen
Trotz der bekannten Probleme drängen aktuell wieder vermehrt Firmen auf den Markt, die Rohrinnenbeschichtungen als „schnelle Lösung“ anpreisen. Das Gesundheitsamt warnt hier eindringlich zur Vorsicht. Das Verfahren ist für die komplexen und verzweigten Trinkwassersysteme in Wohnhäusern technisch oft ungeeignet.
Die Risiken im Überblick:
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Chemische Belastung: Erneute Abgabe von Schadstoffen aus frischen Beschichtungen.
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Mikrobiologisches Wachstum: Die unebenen Oberflächen im Inneren der Rohre fördern die Bildung von Biofilmen. Dies bietet einen idealen Nährboden für Legionellen und erschwert deren Beseitigung massiv.
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Untersuchungspflicht: Wer eine solche Sanierung durchführt, muss mit regelmäßigen, kostenpflichtigen Trinkwasseruntersuchungen auf verschiedene chemische Parameter rechnen.
Beratung vor der Sanierung: Kontakt zum Gesundheitsamt
Für Verbraucher ist es oft unmöglich, die technischen Zertifikate und Werbeversprechen der Sanierungsfirmen fachlich zu prüfen. Bevor Aufträge für eine Rohrinnensanierung unterschrieben werden, raten die Experten daher dringend zur neutralen Beratung.
„Gerne beraten die Fachleute des Gesundheitsamtes mit Blick auf eine gesunde, sichere und nachhaltige Lösung für die jeweilige Trinkwasserinstallation“, so Stefan Kramer.
Kontakt für Bürger:
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Telefon: 06221 / 522-1815
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Hintergrund-Infos: Das Umweltbundesamt (UBA) bietet detaillierte Fragen und Antworten zur Rohrinnensanierung online an.
Zusammenfassung: Sicherer Trinkgenuss
| Problem | Folge | Lösung |
| Bisphenol A (BPA) | Hormonelle Wirkung | Grenzwert 2,5 µg/L einhalten |
| Epoxidharz-Beschichtung | BPA-Abgabe ins Wasser | Rohraustausch statt Beschichtung |
| Legionellengefahr | Lungenentzündungsrisiko | Fachgerechte Installation & Wartung |














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