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IHK-Umfrage: „Einige positive Signale zum Jahresbeginn“

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IHK-Umfrage: „Einige positive Signale zum Jahresbeginn“

Mannheim, 3. Februar 2026. „Zu Jahresbeginn zeigen sich in der Wirtschaft einige positive Signale. In der Industrie nimmt die Produktion wieder etwas an Fahrt auf, die Auftragseingänge haben deutlich zugelegt, Investitions- und Beschäftigungspläne fallen nicht mehr so negativ aus wie zuletzt. Während sich die Dienstleister, vor allem die unternehmensnahen IT-Dienstleister und die Finanzwirtschaft, stabilisierend auf die Wirtschaft der Region auswirken, kommt der Handel zu Beginn des Jahres weiterhin nicht in Schwung. Insgesamt deutet sich eine nur moderate Erholung der Konjunktur an“, kommentiert Dr. Axel Nitschke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage. An ihr haben sich vom 29. Dezember 2025 bis zum 20. Januar 2026 343 Unternehmen aus allen Wirtschaftszweigen beteiligt.

Im Gesamtdurchschnitt schätzen die Unternehmen ihre Lage und Erwartungen etwas besser ein als im Herbst. Der IHK-Konjunkturklimaindex, Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung, steigt von 100 auf 104 Punkte. Erst Werte oberhalb der wichtigen 100-Punkte-Marke zeigen tendenziell Wachstum an. „Die Konjunktur hellt sich damit zwar leicht auf, es ist jedoch noch viel Luft nach oben. Die Betriebe werden weiterhin von hohen Kosten, umfangreichen Berichtspflichten und den zahlreichen geoökonomischen Spannungen stark ausgebremst“, stellt Nitschke fest. Die Geschäftsaussichten im Einzelhandel weisen mit einem Saldowert von minus 36 Punkten den zweitschlechtesten Wert der vergangenen fünf Jahre auf. Hauptgründe hierfür sind vor allem die schlechte Konsumstimmung, die sich in Kaufzurückhaltung ausdrückt. Spiegelbildlich hat die Sparneigung den höchsten Wert seit 2008 erreicht. „Es entwickelt sich keine wirkliche Wachstumsdynamik; die strukturellen Herausforderungen bleiben für die Unternehmen dominierend“, sagt Nitschke.

Im Durchschnitt aller Branchen melden aktuell 13 Prozent der Unternehmen per saldo eine gute Geschäftslage, was im Vergleich zum Oktober einen Zuwachs von fünf Prozentpunkten bedeutet. Dabei bewerten aktuell die Dienstleister ihre Geschäftslage im Saldo am positivsten (+ 23 Punkte), gefolgt von der Industrie (+ 6). Im Handel überwiegen die negativen Stimmen deutlich (-11).

Die Geschäftsaussichten bleiben trotz leichter Aufhellung im Durchschnitt eingetrübt. Der Saldowert liegt aktuell mit vier Punkten im negativen Bereich, im Oktober lag der Wert bei minus sieben Punkten. Aktuell ist der Erwartungssaldo nur bei den Dienstleistern im positiven Bereich (+ 2 Punkte), während bei den Industriebetrieben (-3 Punkte) und besonders bei den Händlern (-25 Punkte) die Sorgen überwiegen.

Die schwache Inlandsnachfrage (57 %, -2 Prozentpunkte) stellt für die Unternehmen weiterhin das größte Risiko dar. Danach folgen die hohen Arbeitskosten, welche die wirtschaftliche Entwicklung von mehr als der Hälfte der Unternehmen einbremsen (53 %, +3 PP). Auf dem dritten Platz der größten Hemmnisse liegt der Fachkräftemangel (41 %, -4 PP), gefolgt von den hohen Energiekosten (39 %, -1 PP). Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sehen drei von zehn Unternehmen als Risikofaktor an (-5 PP). „Die Arbeitskosten sind das einzige Risiko, das im Vergleich zu vergangenem Herbst häufiger genannt wurde. Hier spiegeln sich die Erhöhung des Mindestlohns und steigende Sozialabgaben wider“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Der deutliche Abwärtstrend bei den Exporterwartungen, der noch im Herbst festzustellen war, setzt sich zu Jahresbeginn nicht weiter fort. Der Saldo war zuletzt mit elf Punkten im negativen Bereich, aktuell halten sich zu- und abnehmende Exporterwartungen bei den Industriebetrieben wieder die Waage. „Belastend wirkt das handelspolitische Umfeld, das von Unsicherheit, Protektionismus und dem Recht des Stärkeren geprägt ist. Gerade die international eng vernetzte Wirtschaft, wie bei uns in der Region, ist angewiesen auf offene Märkte, faire und transparente Regeln sowie deren Durchsetzung. Schon im Herbst blickten die Industriebetriebe der Region mit großen Sorgen auf die Entwicklungen im US-Markt. Seitdem sind die Exporte deutlich zurückgegangen. Bei einem Saldowert von -9 Punkten ist mit weiter sinkenden Ausfuhren in die USA zu rechnen“, sagt Nitschke. „Dagegen tun sich neue Märkte auf, die für unsere Unternehmen interessant sind. Hoffnungen richten sich auf das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien sowie auf das Mercosur-Abkommen“, betont Nitschke.

Die Investitionsabsichten der Unternehmen legen im Vergleich zum Herbst in nahezu allen Wirtschaftsbereichen zu. Der Investitionssaldo liegt per saldo mit einem Punkt im positiven Bereich, was einem Zuwachs von sechs Prozentpunkten seit Oktober entspricht.

Die Industrie zeigte sich im Herbst noch sehr zurückhaltend, der Saldo lag mit -10 Punkten im negativen Bereich. Zu Jahresbeginn zeigt sich ein Anstieg um 13 Punkte auf aktuell +3 Punkte. Bei den Dienstleistern steigt der Investitionssaldo um sechs Punkte auf aktuell +6 Punkte. Bei den Händlern gehen die Investitionsplanungen hingegen weiter zurück. Der Wert liegt aktuell bei -18 Punkten (-3 PP). Wenn investiert wird, dann bleibt der Ersatzbedarf mit 63 Prozent das vorherrschende Investitionsmotiv (Mehrfachnennungen möglich). Knapp die Hälfte der Betriebe plant Investitionen in Digitalisierungsprozesse und rund jedes dritte investierende Unternehmen möchte seine Innovationsprojekte ankurbeln. Nur mehr 19 Prozent der Unternehmen planen zu expandieren und ihre Kapazitäten zu erweitern.

Die Beschäftigungspläne der Unternehmen im Bezirk der IHK Rhein-Neckar sind zwar nicht mehr so schwach wie im Herbst, insgesamt sind sie aber weiterhin tendenziell rückläufig. So liegt der Beschäftigungssaldo aktuell bei -5 Punkten; im Oktober lag der Wert bei -12. Der Saldowert in der Industrie liegt aktuell bei -17 Punkten, und damit 14 Punkte oberhalb des langfristigen Tiefstwertes im Oktober (-31 Punkte). Im Handel geht per saldo jeder fünfte Betrieb von weniger Beschäftigten in den nächsten zwölf Monaten aus. Im Dienstleistungsgewerbe sind die Beschäftigungspläne mit einem Saldowert von +1 hingegen leicht im positiven Bereich. „Insgesamt ist wohl eher von einer tendenziell rückläufigen Beschäftigtenzahl in der Region auszugehen“, so Nitschke.

Blick in die Sektoren:

Mit Blick in die einzelnen Wirtschaftssektoren fällt auf, dass sich die kritische Lage im verarbeitenden Gewerbe verbessert hat. Hielten sich positive und negative Rückmeldungen im vergangenen Herbst und zu Beginn des Vorjahres noch knapp die Waage (jeweils -1 Punkt), so liegt der Lagesaldo aktuell mit sechs Punkten im positiven Bereich. Sowohl die Auslastung der Industriebetriebe, die Umsätze sowie die Auftragseingänge zeigen gegenüber den Tiefstwerten im Herbst eine aufsteigende Tendenz. Diese Entwicklungen wirken sich auf die Geschäftserwartungen der Branche aus. Diese sind zwar immer noch per saldo negativ, jedoch zeigt sich eine leichte Aufhellung. Lag der Wert im Herbst mit -13 Punkten im negativen Bereich, so liegt der Erwartungssaldo aktuell bei -3 Punkten.

Die Einzelhändler schätzen ihre Lage weiterhin als schlecht ein, wenngleich sich die Situation im Vergleich zum Oktober etwas verbessert hat. Der Lagesaldo liegt aktuell bei -9 Punkten, im Herbst lag der Wert bei -18. Bei den Erwartungen für die kommenden zwölf Monate zeigt sich seit Oktober hingegen eine deutliche Eintrübung. Im Herbst hatten die Einzelhändler das Weihnachtsgeschäft vor Augen, zu Beginn des Jahres 2026 blickt jedoch mehr als ein Drittel der Betriebe mit Sorge in die Zukunft. Der Saldo sinkt von -14 auf -36 Punkte.

Die Großhändler und Handelsvermittler schätzen ihre Geschäftslage aktuell wieder etwas besser ein als noch im Herbst. Der Lagesaldo liegt bei -13 Punkten, im Oktober waren es -21 Punkte. Die Umsatzerwartungen sind per saldo weiterhin negativ, die Geschäftserwartungen bleiben dementsprechend eingetrübt. Der Wert verbessert sich seit der Vorumfrage zwar um zwei Prozentpunkte, der Erwartungs-Saldo liegt mit -14 Punkten jedoch weiterhin klar im negativen Bereich.

Im Vergleich mit den anderen Sektoren beurteilen die Dienstleister ihre Lage weiterhin mit Abstand am günstigsten. Aktuell liegt der Lagesaldo mit +23 Punkten im positiven Bereich, im Oktober und zu Beginn des Vorjahres lag der Wert bei +19 Punkten. Auch die Geschäftserwartungen legen leicht zu. Hielten sich positive und negative Erwartungen im Herbst die Waage, so liegt der Erwartungssaldo aktuell mit zwei Punkten im positiven Bereich. Bei den unternehmensnahen Dienstleistern und im Finanzgewerbe weisen Lage und Erwartungen die positivsten Zahlen auf, im Gastgewerbe und im Verkehrsbereich bleibt die Situation hingegen angespannt.

Der aktuelle IHK-Konjunkturbericht ist abrufbar unter www.ihk.de/rhein-neckar/konjunktur

Redaktion
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