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Immer mehr ausländische Abschlüsse: Besonders oft geht es um Pflege

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Immer mehr ausländische Abschlüsse: Besonders oft geht es um Pflege

Noch nie wurden in Baden-Württemberg so viele Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse begonnen wie 2025. Fast jeder dritte Antrag betraf Pflegefachkräfte. Das ist nicht nur eine interessante Statistik über Zeugnisse aus Kosovo, Ukraine oder Philippinen. Sie zeigt auch ziemlich deutlich, wie abhängig das deutsche Pflegesystem inzwischen von Fachkräften aus dem Ausland ist.

Wer im Ausland einen Beruf gelernt hat und anschließend in Baden-Württemberg arbeiten möchte, braucht manchmal vor allem einen Arbeitgeber.

Und manchmal zusätzlich Zeugnisse, Übersetzungen, beglaubigte Kopien, Sprachnachweise, eine Gleichwertigkeitsprüfung, möglicherweise einen Anpassungslehrgang und am Ende noch eine deutsche Behörde, die bestätigt: Ja, das passt.

Immer mehr Menschen gehen diesen Weg.

14.698 Verfahren zur Anerkennung einer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation wurden 2025 in Baden-Württemberg eingeleitet. Das waren 1.687 oder 13 Prozent mehr als im Vorjahr – und so viele wie noch nie seit Beginn der Statistik im Jahr 2012.

Der mit Abstand auffälligste Bereich: Pflege.

Fast jeder dritte Antrag betrifft Pflegekräfte

4.732 Verfahren und damit 32,2 Prozent aller Anerkennungsverfahren entfielen auf Pflegefachkräfte.

Mehr als jeder dritte Antrag wäre das noch nicht ganz.

Aber viel fehlt nicht.

Unter dem Begriff werden in der Statistik auch die früher getrennten Berufe Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie Altenpflege zusammengefasst. Sie gingen mit der Reform der Pflegeausbildung ab 2020 im neuen Berufsbild Pflegefachfrau beziehungsweise Pflegefachmann auf.

Bei den Pflegeverfahren kamen die ausländischen Berufsabschlüsse besonders häufig aus dem Kosovo: 639 Anträge betrafen dort erworbene Qualifikationen.

Es folgten die Philippinen mit 583 und Tunesien mit 527 Verfahren.

Das sind keine völlig überraschenden Länder.

Deutschland versucht seit Jahren, Pflegepersonal auch außerhalb der Europäischen Union zu gewinnen. Die Bundesagentur für Arbeit und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit rekrutieren über das Programm „Triple Win“ unter anderem Fachkräfte aus den Philippinen und Tunesien. Auch aus den Westbalkan-Staaten kommen inzwischen deutlich mehr Beschäftigte in die deutsche Pflege.

Wenn also hunderte philippinische und tunesische Pflegeabschlüsse in der baden-württembergischen Anerkennungsstatistik auftauchen, passiert das nicht ganz zufällig.

Die meisten Abschlüsse stammen insgesamt aus der Ukraine

Bei allen Berufen zusammen sieht die Reihenfolge allerdings anders aus.

Die größte Gruppe bildeten 2025 Menschen mit in der Ukraine erworbenen Berufsqualifikationen. Auf sie entfielen 1.769 Verfahren und damit zwölf Prozent aller Anträge in Baden-Württemberg.

Wichtig dabei: Die Statistik erfasst den Staat, in dem die Berufsqualifikation erworben wurde. Das ist nicht zwingend dasselbe wie die Staatsangehörigkeit der Person.

Auch bundesweit ist die Zahl der Anerkennungsanträge für ukrainische Abschlüsse seit Beginn des russischen Angriffskrieges stark gestiegen. Schon 2024 hatte das Bundesinstitut für Berufsbildung bei den bundesrechtlich geregelten Berufen rund 3.500 Anträge mit ukrainischen Qualifikationen registriert – 143 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Überhaupt steigt die Zahl der Anerkennungsverfahren nicht nur im Südwesten.

Bundesweit wurden 2024 rund 71.000 neue Anträge gezählt, ebenfalls ein damaliger Rekord. Besonders häufig ging es auch dort um Pflegeberufe: Rund 22.400 Anträge entfielen auf Pflegefachpersonen beziehungsweise Gesundheits- und Krankenpfleger, weitere rund 10.900 auf Ärztinnen und Ärzte.

Der Trend ist also ziemlich eindeutig.

Deutschland erkennt nicht plötzlich aus statistischer Begeisterung besonders viele ausländische Pflegeabschlüsse an.

Deutschland braucht die Leute.

Ohne Anerkennung keine Pflegefachkraft

Bei vielen Berufen ist eine formale Anerkennung des ausländischen Abschlusses gar nicht zwingend erforderlich.

Bei Pflegefachkräften schon.

Der Beruf ist in Deutschland reglementiert. Wer beispielsweise in Tunesien oder auf den Philippinen eine Pflegeausbildung absolviert hat, darf deshalb nicht allein aufgrund dieses Abschlusses als voll anerkannte Pflegefachkraft arbeiten.

Die zuständige Behörde muss zunächst prüfen, ob die Ausbildung mit der deutschen Qualifikation vergleichbar ist. In Baden-Württemberg ist für Pflegefachpersonen die Landesanerkennungsstelle für Gesundheitsberufe beim Regierungspräsidium Stuttgart zuständig.

Geprüft werden nicht nur Ausbildungsinhalte und Berufserfahrung. Hinzu kommen unter anderem gesundheitliche und persönliche Eignung sowie Deutschkenntnisse. Für Pflegefachkräfte wird grundsätzlich das Sprachniveau B2 verlangt; außerdem kann eine Fachsprachenprüfung erforderlich sein.

Aus dem im Ausland erworbenen Berufsabschluss wird also nicht durch Übersetzung des Zeugnisses automatisch ein deutscher.

Ein bisschen mehr Verwaltung gehört schon dazu.

Nur 43,5 Prozent sofort vollständig gleichwertig

Das zeigt sich auch in den Ergebnissen der Verfahren.

Bei 6.390 der 2025 begonnenen Fälle stellte die Behörde eine volle Gleichwertigkeit fest. Das entspricht 43,5 Prozent aller Verfahren.

Weitere 5.402 Verfahren – 36,8 Prozent – endeten zunächst mit der Auflage einer Ausgleichsmaßnahme. Bei 1.846 Verfahren erfolgte keine oder nur eine teilweise Anerkennung. 1.060 Fälle waren am Jahresende noch nicht entschieden oder wurden ohne Bescheid beendet.

Die Zahl von 36,8 Prozent mit Ausgleichsmaßnahme klingt zunächst ein bisschen nach: Abschluss nicht anerkannt.

So endgültig ist sie aber nicht.

Stellt die Behörde wesentliche Unterschiede zur deutschen Ausbildung fest, können diese häufig nachgeholt beziehungsweise ausgeglichen werden. Bei Pflegefachkräften kommen dafür insbesondere ein Anpassungslehrgang oder eine Kenntnisprüfung infrage. Werden die Anforderungen erfüllt und stimmen auch die übrigen Voraussetzungen, kann anschließend die volle Anerkennung erteilt werden.

„Ausgleichsmaßnahme erforderlich“ bedeutet deshalb eher: noch nicht fertig.

Nicht: zurück auf Anfang.

Die Pflege wächst – aber vor allem durch Menschen aus dem Ausland

Warum gerade die Pflege einen derart großen Teil der Anerkennungsstatistik ausmacht, zeigt ein Blick auf den deutschen Arbeitsmarkt.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren zuletzt rund 1,72 Millionen Menschen in Pflegeberufen beschäftigt. Innerhalb von zehn Jahren stieg ihre Zahl um 22 Prozent.

Bemerkenswert ist allerdings, woher dieses Wachstum inzwischen kommt.

Seit drei Jahren werde der Beschäftigungszuwachs in der Pflege ausschließlich von ausländischen Beschäftigten getragen, teilte die Bundesagentur 2025 mit. Mittlerweile hätten 18 Prozent der Beschäftigten in Pflegeberufen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Allein zwischen Juni 2023 und Juni 2024 kamen 27.000 ausländische Pflegekräfte hinzu.

Die Bundesagentur formulierte die Lage ungewöhnlich deutlich: Der Pflegebereich leide unter einem „gravierenden Fachkräftemangel“, der sich durch die demografische Entwicklung weiter verschärfe. Fast jede vierte Pflegekraft im Altenheim habe mittlerweile eine ausländische Staatsangehörigkeit.

Das ist inzwischen also weniger Ergänzung als Personalstrategie.

Auch die Herkunftsländer verändern sich. Aus dem Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz kommen laut Bundesagentur vergleichsweise wenige zusätzliche Pflegekräfte. Arbeitgeber suchen deshalb zunehmend außerhalb der EU. 2024 wuchs allein die Zahl der Pflegebeschäftigten, die über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz nach Deutschland kamen, um rund 13.000.

Ein Rekord mit zwei Lesarten

Der neue Höchststand von 14.698 Anerkennungsverfahren lässt sich deshalb auf verschiedene Weise lesen.

Er zeigt zunächst, dass immer mehr Menschen ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen in Baden-Württemberg einsetzen wollen – und dass ein großer Teil dieser Abschlüsse grundsätzlich anschlussfähig an den deutschen Arbeitsmarkt ist. Bei mehr als 80 Prozent der 2025 begonnenen Verfahren stand entweder bereits die volle Gleichwertigkeit fest oder es wurde eine Ausgleichsmaßnahme vor einer möglichen vollständigen Anerkennung verlangt.

Er zeigt aber auch, wo Baden-Württemberg besonders dringend Personal sucht.

Fast ein Drittel aller Anerkennungsverfahren betrifft einen einzigen Berufskomplex: Pflege.

Dass Fachkräfte aus Kosovo, Philippinen, Tunesien und anderen Staaten ihre Abschlüsse hier anerkennen lassen, ist deshalb nicht bloß ein erfreulicher Nebeneffekt internationaler Mobilität.

Das deutsche Gesundheits- und Pflegesystem rechnet längst mit ihnen.

Und die Anerkennungsstatistik zählt inzwischen ziemlich genau mit.

Redaktion
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