Sinsheim

Kurskorrektur in der Stadtbibliothek Sinsheim

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Kurskorrektur in der Stadtbibliothek Sinsheim
Die Stadtbibliothek in der Dr.-Sieber-Halle Sinsheim ©STADT

Zwischen Leselust und Haushaltszwang

Es ist ein Ort, der vom Zuspruch lebt: Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Stadtbibliothek Sinsheim über 54.000 Besuche und rund 245.000 Entleihungen – ein Plus von über vier Prozent zum Vorjahr. Doch hinter den Kulissen der kulturellen Vorzeigeeinrichtung wird derzeit mit spitzen Bleistiften gerechnet. Im Rathaus befasst sich der Hauptausschuss am Dienstagabend mit einer neuen Gebühren- und Benutzungsordnung, die zum 1. Juli 2026 in Kraft treten soll.

Die Ökonomie des Buches

Die Vorlage der Verwaltung macht deutlich, dass der Bildungsauftrag der Stadt ein kostspieliges Unterfangen bleibt. Trotz der hohen Nutzungszahlen decken die Einnahmen aus Gebühren und Säumniszuschlägen nur einen Bruchteil der Kosten. Um den Betrieb der Bibliothek mit all seinen Personal- und Sachkosten – insgesamt rund 1,15 Millionen Euro – vollständig zu finanzieren, müsste eine Jahreskarte theoretisch 286,30 Euro kosten. Tatsächlich liegt der Kostendeckungsgrad bei der aktuellen Jahresgebühr von 18,00 Euro bei gerade einmal 8,38 Prozent.

Nach sechs Jahren stabiler Preise – die letzte Anpassung erfolgte Anfang 2020 – sieht Oberbürgermeister Marco Siesing die Zeit für eine „moderate Erhöhung“ gekommen. Ziel ist es, die Einnahmen den gestiegenen Kosten anzugleichen und das Defizit zumindest geringfügig zu senken.

Das neue Gebührenmodell ab Juli 2026

Die geplanten Änderungen betreffen fast alle Nutzergruppen, wobei die Verwaltung darauf achtet, die soziale Balance zu wahren. Die Kernpunkte der neuen Satzung:

Leistung Gebühr aktuell Gebühr ab 01.07.2026
Jahreskarte Erwachsene 18,00 € 24,00 €
Ermäßigte Karte (Schüler ab 18, Studenten, Rentner etc.) 9,00 € 12,00 €
Metropol-Card 24,00 € 28,00 €
Ersatzausweis bei Verlust 3,00 € 5,00 €
Bearbeitungspauschale (bei > 5 Wochen Verzug) 10,00 € 15,00 €

Eine wesentliche strukturelle Änderung ist der Wegfall der bisherigen Partnerkarte (27,00 Euro). Diese wird laut Verwaltung künftig durch Einzelkarten ersetzt, was die administrative Abwicklung vereinfachen soll. Auch das Angebot der Einzeleinausleihe für 3,00 Euro entfällt. Kostenlos bleibt hingegen weiterhin der Leseausweis für Lehrer und Erzieher, sofern dieser für medienpädagogische Zwecke genutzt wird.

Regionaler Vergleich

Mit der Anhebung auf 24,00 Euro für die Jahreskarte rückt Sinsheim in das preisliche Mittelfeld der Region. Ein Blick auf andere Städte zeigt eine ähnliche Tendenz: In Mannheim werden bereits 24,00 Euro fällig, in Heidelberg 20,00 Euro und in Bruchsal ebenfalls 24,00 Euro. Städte wie Schwetzingen (15,00 Euro) liegen noch darunter, während die Metropol-Card, die den Zugriff auf über 67.000 elektronische Medien ermöglicht, verbundweit einheitlich angepasst wird.

Für die Stadt bedeutet die Umstellung eine erwartete Mehreinnahme von etwa 22.200 Euro pro Jahr. Es ist eine Summe, die den laufenden Betrieb nicht revolutionieren wird, aber als notwendige Anpassung an die allgemeine Teuerung verstanden wird.

Die Wirkung auf die Nutzer bleibt abzuwarten. Trotz der Erhöhung kostet ein entliehenes Medium die Stadt rechnerisch weiterhin 4,45 Euro an Zuschuss. Der Betrieb geht unterdessen ungeachtet der Debatten weiter: Für das laufende Jahr sind bereits 174 Veranstaltungen geplant, von Autorenlesungen bis hin zu den beliebten Spieleabenden. Der Gemeinderat wird am 24. März die endgültige Entscheidung über die neue Satzung treffen.

Redaktion
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