Drei Cousinen bringen Trödel-Idee ins Dorf
Was andernorts längst fest im Kalender steht, feierte am Samstag im 2450-Seelen-Stadtteil Premiere: Hilsbach lud zum allerersten Dorfflohmarkt. Zwischen bunten Luftballons an Hoftoren, vollgepackten Tapeziertischen und eifrigen Schnäppchenjägern verwandelte sich der Ort zwischen 10 und 15 Uhr in eine riesige Freiluft-Fundgrube. Die Bilanz der Premiere kann sich sehen lassen, auch wenn die Meinung an den Gartenzäunen durchmischt war.
Hinter der Premiere steckt Vera Ernstberger. Sie hat den Trödel-Tag gemeinsam mit ihren beiden Cousinen aus der Taufe gehoben. „Wir drei gehen selbst unheimlich gern über Dorfflohmärkte. In Hilsbach gab es so etwas bisher nicht“, erzählt sie. Mit der Resonanz übertraf der Ort alle Erwartungen: 60 gemeldete Stände verteilt über´s Dorf, hinter denen mehr als 85 Personen standen – weil in manchen Höfen gleich mehrere Nachbarn gemeinsam ihre Schätze ausbreiteten. „Für das erste Mal haben wir mit deutlich weniger gerechnet, es war richtig viel los“, so Ernstberger, die in der Hungerbergstraße selbst einen gut sortierten Stand betrieb.
Gelungene Trödel-Premiere in Hilsbach
Das Revier war weitläufig abgesteckt: Von der Grundschule bis hinunter zum Sportplatz zog sich die Trödelmeile. Orientieren konnte man sich vorab über eine interaktive Karte. Die Hotspots bildete die Breite Straße samt Querstraßen. Und dort gab es echte Raritäten zu bestaunen: Neben Bergen von Kindersachen, Haushaltswaren und Lesestoff stach ein prall gefüllter Sammelordner mit Diddl-Maus-Blättern für stolze 300 Euro ins Auge. Die 90er-Jahre-Sammelblöcke erleben zurzeit ein starkes Retro-Comeback. Ein paar Meter weiter trug ein Traktor im Hof ein „Zu verkaufen“-Schild.
Wer glaubte, Trödler schlafen am Samstag aus, wurde früh eines Besseren belehrt. Ein Standbetreiber berichtet: Bereits um 8:30 Uhr, anderthalb Stunden vor der offiziellen Eröffnung, schlich ein „Silberjäger“ aus Nürnberg durch die Gassen. Die Frau am Steuer, der Gatte mit Adleraugen auf dem Beifahrersitz, stets auf der Suche nach Tafelsilber und Goldrand. Bis zum Nachmittag rollten immer wieder ortsfremde Kennzeichen im Schritttempo an den Hofeinfahrten vorbei.
Am Ende hing das Verkaufsglück vom Angebot ab. Manche saßen eine Stunde vor Schluss noch auf gut gefüllten Auslagen und hätten sich etwas mehr Laufkundschaft gewünscht. Andere sahen den Erfolg der Premiere entspannter. „Unser Ziel war es, genau eine Sache loszuwerden. Bei uns lief es also fantastisch“, witzelte eine Verkäuferin. Bei bestem Flohmarkt-Wetter um die 25 Grad nutzten ohnehin viele Standbetreiber die Gunst der Stunde, um einfach selbst bei den Nachbarn zu stöbern und ein Schwätzchen zu halten.
Auch kulinarisch lief der Tag rund. Drei Verpflegungsstationen versorgten die Flaneure. Das Restaurant „Hirsch“ öffnete die Toiletten und im Hof von Vera Ernstberger brutzelte das Waffeleisen für den guten Zweck. Dort verkaufte der Tierschutzverein „Für alle Felle Eppingen & Umgebung e.V.“ Snacks und Getränke. Fünf Liter Waffelteig wurden bis zum Nachmittag verbacken. Im Hilsbacher „Unnerstädtl“ herrschte am Mittag richtig Leben. Einige Keller sind nun zumindest etwas leerer geworden. Und bei der zweiten Auflage, da waren sich am Ende viele einig, werden die Schnäppchenjäger von außerhalb sicher nicht weniger.














Rückmeldung an den Autor?