Neckarbischofsheim

Mit Palmen und Tischkicker: Ehrenamtliche machen Freibad Neckarbischofsheim fit für den Sommer

0
Mit Palmen und Tischkicker: Ehrenamtliche machen Freibad Neckarbischofsheim fit für den Sommer

Perfektes Eröffnungswetter

Noch stehen die jungen Heckenpflanzen am Rand der Liegewiese eher niedrig. Der neue Metallzaun ist montiert, die alte, morsche Einfassung verschwunden. Am Beckenrand stehen frisch gesetzte Palmen, im hinteren Spielbereich wartet ein neuer Outdoor-Tischkicker auf die ersten Partien.

Wenn am Samstag um 10 Uhr das Freibad Neckarbischofsheim in die Saison 2026 startet, kratzt das Thermometer bereits an der 30-Grad-Marke. Ein ganzes Wochenende Dauersonne steht bevor. Für das Freibad, dessen Wasser ausschließlich von den Sonnenstrahlen auf Temperatur gebracht wird, ist das ein echter Traumstart. „So tolle Prognosen hatten wir zum Saisonauftakt schon lange nicht mehr“, freut sich Martina Wanke vom Turnverein Neckarbischofsheim.

Per Unterwasser Roboter wird der Boden des Schwimmbeckens gereinigt

Per Unterwasser-Roboter wird der Boden des Schwimmbeckens gereinigt

Der Turnverein betreibt das Bad seit dessen Eröffnung vor bald einhundert Jahren – eine Konstellation, die in der regionalen Vereinslandschaft Seltenheitswert besitzt. Dass ein Freibad wirtschaftlich betrachtet ein permanentes Minusgeschäft ist, gehört auch hier zur Realität. Die Stadt Neckarbischofsheim fängt das jährliche Defizit am Ende auf.

Beim Turnverein beziffert man diesen Betrag meist auf eine Größenordnung von 20.000 bis 30.000 Euro. Im kommunalen Vergleich, wo städtische Bäder nicht selten jährliche Verluste im sechsstelligen oder gar siebenstelligen Bereich einfahren, nimmt sich diese Summe bescheiden aus.

Zuletzt hatten Wanke und ihre Co-Vorsitzende Karin Bender noch gehadert. Sollen wir schon an Christi Himmelfahrt aufmachen? „Das Wetter war einfach zu schlecht“, sagt Wanke. Eine verregnete Woche ohne Badegäste verschlingt im Nu Unmengen an Geld für Personal und Betrieb – dieses finanzielle Risiko wollten die Vereinschefinnen nicht eingehen.

Der Vorverkauf der Saisonkarten lief laut Wanke ein Stück besser an als im Vorjahr. Für Vereinsmitglieder bleiben die Dauerkarten traditionell rabattiert. Auch die Eintrittspreise sind stabil geblieben.

Hinter dem Eröffnungstermin standen zahlreiche Arbeitsstunden, die im Ehrenamt geleistet wurden. Bender betont, dass sich neben den aktiven Vereinsmitgliedern auch viele Stammgäste an den Arbeitseinsätzen beteiligten. Menschen, die im Sommer selbst mit der Dauerkarte auf der Wiese liegen, reinigten vorab das abgelassene Becken mit Dampfstrahlern, jäteten Unkraut, reinigten Tische und Stühle oder erledigten kleinere kosmetische Reparaturen.

Der im vergangenen Spätjahr von einer Firma gesetzte Zaun erhielt seine Begrünung ebenfalls durch ehrenamtliche Hilfe. Noch schützt die Hecke nicht vor Blicken. „Das dauert, aber sie kommt“, sagt Wanke.

Rauchverbot ist neu

Seit diesem Jahr gilt per Gesetz ein Rauchverbot im kompletten Freibad

Seit diesem Jahr gilt per Gesetz ein Rauchverbot im kompletten Freibad

Eine rechtliche Änderung gilt ab dieser Saison für Raucher: Durch die Verschärfung des Landesnichtraucherschutzgesetzes, die in Baden-Württemberg zum 1. Juni greift, ist das Rauchen auf dem Freibadgelände untersagt. Der Verein reagierte: Hinter dem Hauptgebäude wurde eine feste Raucherecke eingerichtet, markiert durch einen Standaschenbecher.

Die Pflege der Anlage lastet indes nicht allein auf den Schultern des Vereins. Der städtische Bauhof übernimmt den regelmäßigen Heckenschnitt und das Mähen der Liegewiese. Auch bei der Überwachung der Wasserqualität teilen sich Kommune und Ehrenamt die Aufgaben: Unter der Woche kontrolliert die Stadt das Wasser, an den Wochenenden übernehmen ausgebildete Vereinsmitglieder die Messungen.

Personal für Wasseraufsicht ständig gesucht

Die größte personelle Herausforderung bleibt die Besetzung der Beckenaufsicht. Zwar konnte der Verein für die anstehende Saison auf bewährte Kräfte der Vorjahre zurückgreifen, der Bedarf an Personal bleibt jedoch chronisch. Gesucht werden keine Meister für Bäderbetriebe, sondern Kräfte für die reine Wasseraufsicht.

„Trotzdem ist es schwierig, hier Personal zu finden“, so Bender. Viele Schichten ließen sich nur realisieren, weil ehrenamtliche Rettungsschwimmer einspringen. Der Verein bietet an, bei den notwendigen Rettungsschwimm- und Sanitätskursen zu unterstützen.

Die beiden Vorstandsfrauen vom Turnverein Neckarbischofsheim vl Karin Bender und Martina Wanke 1

von links: Karin Bender und Martina Wanke vom Turnverein Neckarbischofsheim

Neben dem regulären Badebetrieb erfüllt die Anlage auch eine soziale Funktion. Schulklassen und Kindergärten erhalten traditionell freien Eintritt. Nach eigenen Zählungen nutzten im vergangenen Jahr rund 2.000 Kinder dieses kostenfreie Angebot.

Vieles durch Spenden finanziert

Die kleinen Neuerungen der Saison finanzieren sich abseits des regulären Budgets. Die Palmen am Beckenrand stammen aus privaten Spenden. Der neue Tischkicker wurde aus Erlösen finanziert, die der Verein durch Stände bei Stadtfesten, Fastnacht und dem Nikolausmarkt erwirtschaftet hat.

Dazu kommt das Angebot der eigenen Schwimmkurse, auf das Bender und Wanke sehr stolz sind. „Das würde man bei einem Turnverein im ersten Moment nicht vermuten“, sagt Wanke. Die Nachfrage im Einzugsgebiet sei ungebrochen hoch, die Plätze regelmäßig nach kurzer Zeit vergeben.

Redaktion
Senden Sie uns Ihren Beitrag oder Veranstaltungshinweis mit Klick auf den Button gerne zu.

Rückmeldung an den Autor?

Fehler entdeckt? Feedback? Jederzeit gerne per Mail oder telefonisch.

Das könnte Sie auch interessieren