Sinsheim

Neue Tempo 30-Bereiche in Reihen, Eschelbach und Waldangelloch

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Neue Tempo 30-Bereiche in Reihen, Eschelbach und Waldangelloch
Durch die Sanierung in Steinsfurt rollt gerade viel Verkehr durch Reihen

Weitere Tempo 30-Pläne nehmen Fahrt auf

In Weiler hängen die Schilder schon, nun bereitet man im Rathaus den nächsten großen Wurf in den Ortsteilen vor. Reihen, Eschelbach und Waldangelloch stehen auf der Liste für neue Tempo-30-Strecken. Wo der Lärmschutz bisher an bürokratischen Hürden scheiterte, ziehen die Verkehrsplaner nun ein neues Ass aus dem Ärmel: Das Umfeld von Spielplätzen und Zebrastreifen.

Lange Zeit bissen sich Anwohner und Ortsvorsteher an den Paragrafen des Lärmaktionsplans die Zähne aus. Wer nicht mindestens 8.200 Autos am Tag vor der Haustür zählen konnte und wessen Schlafzimmer nicht amtlich beglaubigt im Lärm versank, hatte schlicht Pech. „Keine Handhabe“, lautete das Urteil der Behörden. Doch eine Novelle der Straßenverkehrsordnung hat den Streckenplanen eine Tür geöffnet: Die sogenannten „sensiblen Bereiche“.

Stadt will auch in anderen Ortsteilen 30 statt 50

Was in Weiler bereits „über Nacht“ – wie es die überraschten Anwohner nannten – für neue Schilder sorgte, soll nun Schule machen. Dort war es das Pflegeheim, das als juristischer Hebel diente, um die 30er-Zone um 600 Meter zu verlängern. „Die Verkehrsbehörde trifft ihre Entscheidung aus Gründen der Verkehrssicherheit innerhalb des rechtlichen Rahmens“, betont der Chef des Sinsheimer Ordnungsamtes, Florian Zangl, mit der für sein Amt typischen Präzision. Dass die Schlagzeile über das plötzliche Tempo-Limit in Weiler für „gemischte Gefühle“ sorgte, verhehlt er nicht. Aus Sicht der Verwaltung ist es ein geplanter Prozess. Aus Sicht derer, die morgens die Rollläden hochziehen, eine positive Überraschung.

Fahrgaeste und viele Spaziergaenger nutzen den Fussgaengerueberweg in Reihen nahe der alten Sparkasse

Fahrgäste und viele Spaziergänger nutzen den Fußgängerüberweg in Reihen nahe der alten Sparkasse

In Reihen könnte die Temporeduzierung vor allem zwei Fußgängerüberwege betreffen. Ortsvorsteher Patrick Bräunling geht davon aus, dass es um den Bereich an der Kreuzung Lindenstraße/Kirchenstraße nahe der ehemaligen Sparkasse sowie um den Zebrastreifen in der Ortsmitte beim „nah und gut“-Markt geht. Zwischen beiden Punkten liegen rund 250 Meter der Hans-Doll-Straße beziehungsweise Weilerer Straße. Geplant ist wohl ein logischer Lückenschluss vom Bahnhof bis zur Kirchenstraße. Ein Segen für die Anwohner, zumal die scharfe S-Kurve in diesem Abschnitt ohnehin kaum Höchstgeschwindigkeiten zulässt. Ein Teil der Ortsdurchfahrt ist bereits seit 2024 als Tempo-30-Bereich ausgewiesen. Wo genau neue Schilder stehen könnten, ist nach Angaben der Stadt noch Gegenstand der Detailplanung.

Umsetzung schon in wenigen Wochen geplant

Auch in Eschelbach laufen entsprechende Überlegungen. Dort betrifft die Diskussion die Bierbachstraße, die im weiteren Verlauf zur Hoffenheimer Straße wird. In der Nähe liegen ein Kinderspielplatz und die örtliche Feuerwache. Der Gemeinderat habe sich bereits im vergangenen Jahr für eine Temporeduzierung ausgesprochen, berichtet Ortsvorsteher Peter Trost. „Ich habe mehrere Anfragen von Anwohnern dazu bekommen wegen des Lärms.“ In den Unterlagen der Stadt wird vor allem der Spielplatz als sensibler Bereich genannt. Wie weit eine mögliche Tempo-30-Strecke reichen würde, ist noch offen. Vom Ortseingang bis zum Spielplatz sind es rund 550 Meter. Trost betrachtet die Diskussion differenziert. „In meiner Brust schlagen zwei Herzen“, sagt er. Eigentlich halte er Tempo 40 auf Ortsdurchfahrten für sinnvoll und Tempo 30 vor allem in Wohnstraßen. Gleichzeitig könne er die Sorgen vieler Anwohner nachvollziehen. „Bevor dort etwas passiert, lieber 30.“

Dritter im Bunde ist Waldangelloch. Auch hier soll ein Fußgängerüberweg auf der Ortsdurchfahrt, der Michelfelder Straße, die Planung ermöglichen. „Ich weiß noch nichts davon“, gibt Ortsvorsteher Timo Müller am Telefon offen zu. Zwar sei das Thema in der Vergangenheit „schonmal kurz angesprochen“ worden, doch die Ankündigung aus dem Rathaus lässt noch auf sich warten. 30 Stundenkilometer gelten bislang nur in einem kleinen Teil der Ortsdurchfahrt. Rund um Schule und Kirche wird bereits gebremst, ebenso im weiteren Verlauf der Brückenstraße Richtung Buchenauerhof. Dass nun auch der Zebrastreifen in der Ortsmitte zur Tempo-30-Zone geändert werden soll, hält Müller für vernünftig. Einen weiteren Bedarf für die gesamte Ortsdurchfahrt sieht er indes nicht – zumal Waldangelloch für den klassischen Lärmaktionsplan ohnehin zu leise ist.

Die jeweiligen Ortsverwaltungen seien in die Überlegungen einbezogen worden. „Es finden gerade letzte Rücksprachen statt. Ich gehe von einer Umsetzung in den kommenden Wochen aus“, so Zangl. Ganz abgeschlossen sind die Verfahren allerdings noch nicht. Eine finale Abstimmung mit dem Polizeipräsidium steht in mehreren Fällen noch aus. „Stand jetzt gehe ich von Anordnung und Umsetzung der Maßnahme aus“, sagt Zangl. Eine endgültige Aussage für alle drei Standorte könne er derzeit dennoch nicht treffen.

Redaktion
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