Die eigenen vier Wände sind für die meisten Menschen der Ort, an dem sie auch ihren Lebensabend verbringen möchten. Doch eine neue, alarmierende Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) zeigt: Für die Mehrheit der Seniorinnen und Senioren im Rhein-Neckar-Kreis wird dieser Wunsch an der Realität scheitern. Von den knapp 276.600 Wohnungen in der Region erfüllen aktuell gerade einmal rund 18.500 die notwendigen Kriterien für ein barrierefreies Leben im Alter.
Die Baby-Boomer rollen auf den Rentenmarkt zu
Die Uhr tickt, und der demografische Wandel im Kreis verschärft sich in den kommenden Jahren massiv. Laut der Untersuchung werden in den nächsten zehn Jahren rund 90.000 Menschen im Rhein-Neckar-Kreis in den Ruhestand gehen – die Generation der sogenannten Baby-Boomer.
Katharina Metzger, Präsidentin des BDB, drängt zur Eile: „Der Bedarf an Senioren-Wohnungen, den der Rhein-Neckar-Kreis in den kommenden Jahrzehnten haben wird, ist enorm. Auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Pflegeheim.“ Neben dem volkswirtschaftlichen Nutzen stehe vor allem das Selbstbestimmungsrecht der alternden Bevölkerung im Vordergrund, so lange wie möglich in der vertrauten Umgebung zu bleiben.
Das Problem beginnt an der Haustür: Die Mängel im Detail
Das Pestel-Institut untersuchte die „Alterstauglichkeit“ des regionalen Wohnungsbestandes und stieß auf erhebliche bauliche Defizite, die das Leben mit Rollator oder Rollstuhl unmöglich machen. Oft scheitert die Mobilität bereits vor dem Betreten der eigentlichen Wohnräume.
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Enge Hausflure: Rund 30 Prozent aller Hausflure im Kreisgebiet (ca. 80.100 Wohnungen) sind schlichtweg zu schmal für einen Rollstuhl. Oft sind bereits die Hauseingangstüren die erste unüberwindbare Barriere.
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Zu kleine Küchen: In rund 88.000 Küchen (32 Prozent des Bestandes) fehlt der nötige Platz, um mit einem Rollstuhl oder Rollator problemlos zu wenden.
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Mini-Badezimmer: Ganze 46 Prozent der Badezimmer im Rhein-Neckar-Kreis – das entspricht 128.300 Bädern – sind schmal oder ungünstig geschnitten.
Das „A-und-O-Kriterium“ fehlt meistens
Als entscheidenden Gradmesser für eine altersgerechte Wohnung definieren die Wissenschaftler eine begehbare, bodengleiche Dusche. Dieses Kriterium erfüllen im gesamten Landkreis aktuell nur 26 Prozent der Haushalte (rund 71.200 Wohnungen). Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, rät Eigentümern daher dringend dazu, bei einer Sanierung zuerst das Badezimmer anzupacken.
Ein technisches Hindernis im Altbau gibt es allerdings: Gerade bei Gebäuden aus den 1950er-Jahren sind die Zwischendecken oft zu dünn, um den Abfluss einer barrierefreien Dusche ebenerdig im Boden zu versenken.
Kritik an der Politik: Forderung nach einer „Senioren-Umbau-Offensive“
Da der Neubau von barrierefreien Wohnungen den riesigen Bedarf der kommenden Jahre niemals allein decken kann, liegt die Lösung laut den Experten eindeutig in der Sanierung des bestehenden Wohnraums. Hierfür fordern das Institut und der BDB massiven Rückenwind aus der Bundespolitik.
Bisherige Förderungen scheitern laut BDB-Präsidentin Metzger an einem unübersichtlichen Bürokratie-Dschungel. Der bestehende Mix aus Töpfen der staatlichen KfW-Bank, den Krankenkassen und den Pflegeversicherungen blockiere den dringend notwendigen Sanierungsschub eher, als ihn zu fördern. Zudem sei die aktuelle staatliche Unterstützung von lediglich 10 Prozent bei einem Bad-Umbau aus Sicht des Pestel-Instituts ein reiner „Placebo-Zuschuss“.
„Wer kurz vor der Rente steht, scheut sich, für den altersgerechten Umbau noch einen Kredit aufzunehmen“, erklärt Institutsleiter Matthias Günther. Nötig seien echte, milliardenschwere „Boomer-Zuschüsse“ vom Bund, die einen Großteil der tatsächlichen Umbaukosten direkt auffangen, um eine effektive und flächendeckende Sanierungswelle anzustoßen.
Fakten zur Barrierefreiheit im Kreis
| Bauliches Kriterium | Zustand im Rhein-Neckar-Kreis | Betroffene Wohneinheiten |
| Gesamtbestand Wohnungen | 100 % | 276.600 Wohnungen |
| Idealer Senioren-Standard | Nur 7 % | 18.500 Wohnungen |
| Zu enge Hausflure | 30 % | 80.100 Wohnungen |
| Zu kleine Küchen | 32 % | 88.000 Wohnungen |
| Zu kleine Badezimmer | 46 % | 128.300 Badezimmer |
| Bodengleiche Dusche vorhanden | 26 % | 71.200 Wohnungen |













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