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Qualität in Kitas: Baden-Württemberg unter Bundesschnitt

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Qualität in Kitas: Baden-Württemberg unter Bundesschnitt
Bild von Esi Grünhagen auf Pixabay

Eine heute veröffentlichte Kita-Studie der Bertelsmann-Stiftung beleuchtet die Qualität in Kindertagesstätten. Die Ergebnisse zeigen, dass Baden-Württemberg bei einem wichtigen Indikator – der Fachkraftquote pro Einrichtung – mit 70,2 Prozent nur im unteren Drittel der Bundesländer liegt, deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Im Vergleich: Spitzenreiter ist Thüringen mit 94,3 Prozent.

Die Gewerkschaft ver.di Baden-Württemberg befürchtet durch den sogenannten Erprobungsparagrafen sogar einen weiteren Absturz der Quote. Laut Hanna Binder, stellvertretende ver.di Landesbezirksleiterin, sei inzwischen immer häufiger auch das Kindeswohl gefährdet. Die Zahl der Strafanzeigen wegen Verletzung der Aufsichtspflicht steige bereits. Bei einer drohenden Fachkraftquote von unter 50 Prozent in vielen Einrichtungen würde die Überlastung der Beschäftigten flächendeckend chronisch, was die Attraktivität der Berufe weiter mindere und die Fachkräftelücke dauerhaft nicht schließe.

Die Studie belegt zudem große Unterschiede innerhalb Baden-Württembergs. Ver.di Spezialistin Nancy Hehl warnt vor immer größeren regionalen Qualitätsunterschieden, die nicht vom Wohnort der Eltern abhängen dürften. Die Gewerkschaft kritisiert auch, dass Baden-Württemberg bei der Fachkraft-Kind-Relation schlechter dastehe, als bundesweite Zahlen vermuten ließen, da diese nicht den tatsächlichen Personaleinsatz über die gesamten Öffnungszeiten widerspiegelten.

Die bundesweite Pressemeldung von ver.di, die am 30. September 2025 in Berlin veröffentlicht wurde, kritisiert die Politik scharf und warnt vor einer Deprofessionalisierung in Kitas, also dem Einsatz von immer mehr nicht ausreichend qualifiziertem Personal. Dies habe dramatische Folgen für die pädagogische Arbeit. Die regionalen Unterschiede im Einsatz qualifizierter Fachkräfte hängen laut ver.di Vize Christine Behle stark von der Kassenlage der Kommunen ab. Die Gewerkschaft fordert eine auskömmliche und nachhaltige Finanzierung durch Bund und Länder, eine Ausbildungsoffensive sowie einen Fonds zum Ausbau von Kinder- und Jugendeinrichtungen und einen sofortigen Stopp der Deprofessionalisierung. Die multiplen Krisenlagen und zunehmende Herausforderungen im kindlichen Verhalten erforderten gerade jetzt ein hohes Maß an Qualifikation.

Redaktion
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