Zweimal im Jahr steht für die meisten Autofahrer der lästige, aber wichtige Räderwechsel an. Da die Kosten in Werkstätten dafür in den letzten Jahren stark gestiegen sind und oft über 100 Euro liegen, erledigen viele die Arbeit mittlerweile selbst. Der ADAC weist jedoch darauf hin, dass die Eigenleistung nur dann sicher ist, wenn einige wichtige Regeln und das richtige Werkzeug beachtet werden.
Das richtige Werkzeug für Ihre Sicherheit
Für einen sicheren und fachgerechten Räderwechsel ist eine spezielle Ausrüstung unerlässlich. Der ADAC rät dringend davon ab, den dem Ersatzrad beiliegenden Wagenheber zu verwenden – dieser ist lediglich für Notfälle und nicht für den saisonalen Einsatz gedacht.
Zum Standard-Werkzeug gehören:
- Hochwertiger Wagenheber: Er muss über eine ausreichende Traglast für Ihr Fahrzeug verfügen.
- Unterstellbock: Ein Muss zur Sicherung des angehobenen Fahrzeugs – verlassen Sie sich nie allein auf den Wagenheber!
- Radkreuz oder Teleskopschlüssel: Zum Lösen und Anziehen der Radschrauben oder -muttern.
- Drehmomentschlüssel: Absolut notwendig, um die Schrauben mit dem vom Hersteller vorgeschriebenen Anzugsmoment festzuziehen und somit eine Überlastung oder zu lockere Befestigung zu vermeiden.
- Drahtbürste: Zum sorgfältigen Reinigen der Radaufnahme und der Zentrierfläche, bevor das neue Rad montiert wird.
Die richtige Montage: Laufrichtung, Luftdruck und Sichtkontrolle
Vor der Montage sollten Sie die Reifen einer Sichtkontrolle unterziehen. Achten Sie auf Beschädigungen, Verformungen oder ungleichmäßige Abnutzung.
- Reinigen: Entfernen Sie Schmutz und Rost von der Radnabe mit der Drahtbürste.
- Laufrichtung beachten: Manche Reifen haben eine vorgegebene Laufrichtung (mit einem Pfeil an der Flanke gekennzeichnet). Diese muss unbedingt beachtet werden, da sonst die Fahrsicherheit, insbesondere bei Nässe, leidet.
- Anzugsmoment einhalten: Ziehen Sie alle Radschrauben oder -muttern über Kreuz zunächst leicht und anschließend mit dem Drehmomentschlüssel mit dem vorgeschriebenen Drehmoment fest.
- Luftdruck prüfen: Nach der Montage muss der Luftdruck gemäß den Herstellervorgaben (meist in der Tankklappe oder im Türrahmen zu finden) eingestellt werden.
Das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) richtig anlernen
Nahezu alle modernen Fahrzeuge verfügen über ein Reifendruckkontrollsystem (RDKS). Nach dem Räderwechsel ist hier besondere Vorsicht geboten, da das System sonst eine Fehlermeldung anzeigen kann. Es gibt zwei Varianten:
- Passives RDKS (über Raddrehzahlsensoren): Dieses System überwacht den Druck indirekt über die Raddrehzahlsensoren. Ein Druckverlust wird durch die höhere Drehzahl des betroffenen Rades erkannt. Dieses System muss nach der Einstellung des Fülldrucks neu angelernt (kalibriert) werden. Dies erfolgt in der Regel einfach über eine separate Taste oder das Bordmenü des Fahrzeugs.
- Aktives RDKS (über Sensoren in der Felge): Dieses System misst den Reifendruck direkt über einen Sensor, der in der Felge verbaut ist. Dieses System benötigt nach dem Räderwechsel oft eine neue Kalibrierung. Diese kann entweder automatisch erfolgen oder muss manuell mit einem speziellen, im Ersatzteilhandel oder Internet erhältlichen Gerät durchgeführt werden. Ob das System aktiv misst, erkennen Sie daran, dass im Bordmenü für jeden Reifen ein konkreter Luftdruckwert angezeigt wird.
Nachkontrolle: Die ersten 50 Kilometer sind entscheidend
Unabhängig davon, ob Sie den Wechsel selbst durchführen oder die Werkstatt beauftragen: Die Nachkontrolle ist essenziell.
- Nach 50 Kilometern Fahrt sollten Sie unbedingt alle Radschrauben oder Radmuttern mit dem Drehmomentschlüssel auf das vorgeschriebene Anzugsmoment kontrollieren und gegebenenfalls nachziehen. Durch die thermische Belastung kann sich die Vorspannung der Schrauben leicht verändern.
- Achten Sie auf Vibrationen: Treten Geräusche oder Vibrationen (z. B. im Lenkrad bei Vorderachsreifen) auf, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass die montierten Reifen nachgewuchtet werden müssen. Suchen Sie in diesem Fall eine Fachwerkstatt auf.
ADAC-Empfehlung: Der Räderwechsel sollte nur von Personen durchgeführt werden, die sich die Arbeit technisch zutrauen. Bei Unsicherheit lohnt sich immer der Gang zur Werkstatt. Um hohe Kosten zu vermeiden, empfiehlt der ADAC, auch Angebote von kleineren, regionalen Werkstätten einzuholen, da diese oft günstiger sind als Hersteller-Fachwerkstätten.














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