Sinsheim

Sanierung der Ortsdurchfahrt in Steinsfurt: Bauarbeiter werden beschimpft

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Sanierung der Ortsdurchfahrt in Steinsfurt: Bauarbeiter werden beschimpft

Frust auf beiden Seiten

Die Wut in Sinsheim-Steinsfurt kocht hoch – und sie trifft die Falschen: Seit einer Woche wird die Ortsdurchfahrt aufgerissen, Bauzaun an Bauzaun, Baggerarme schwenken über die Gräben. Die Sanierung, die bis Ende 2026 dauern wird und sich in sechs Bauabschnitte gliedert, ist ein großer Kraftakt – für Anwohner, Pendler und nicht zuletzt für die Bauarbeiter selbst. Doch während die Strecke nun täglich voller Rohre, Maschinen und Absperrgitter steckt, ist auf der menschlichen Seite ebenfalls „Baustelle“. Und zwar eine, die niemand eingeplant hatte.

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Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren

Auf der Straße prallt momentan einiges aufeinander: Frust, Ungeduld, Umleitungschaos – und Menschen, die einfach ihren Job machen wollen. Mehrere Arbeiter berichten der Redaktion, sie würden angeschrien, beschimpft, mit spitzen Bemerkungen bedacht. Sie sprechen sogar von gezielten Anfeindungen und Hetzkampagnen in sozialen Netzwerken. „Als würden die das hier aus Jux und Tollerei machen“, schimpft ein Anwohner darauf angesprochen. Ein anderer meint trocken: „Die Jungs können am wenigsten dafür.“ Und doch sind es genau diese, bei denen sich der Ärger entlädt.

Viel Kritik auch in sozialen Netzwerken

Dabei läuft die Großbaustelle streng nach Plan, versichert die ausführende Waibstadter Baufirma Hauck. Firmenchef Marc Ebert erklärt, warum der Bagger bei vielen Anwohnern gleich mehrfach auftaucht – ein Detail, das besonders für Unmut sorgt: „Vier Gewerke laufen hier parallel. Wir ersetzen den kompletten Kanal, und der ist währenddessen weiterhin in Betrieb. Zuerst müssen alle Hausanschlüsse an den neuen Kanal angebunden werden. Danach folgen andere Arbeiten, für die wieder anderes Gerät und andere Teams gebraucht werden.“ Deshalb fährt die gleiche Maschine mehrfach an derselben Stelle vorbei – ohne dass sich für den Laien sofort sichtbar etwas verändert. „Optisch sieht’s aus, als wäre nichts passiert. Aber das täuscht“, sagt Ebert.
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Auf der Anlieger-Umleitung kontrolliert ein Blitzer das Tempo

Seine Rechnung: Ein Trupp schafft rund 100.000 Euro Bausumme pro Monat. Mit zwei Mannschaften liege man trotz Ferien und Feiertagen voll im Zeitplan: „Wir arbeiten durchgehend mit zwei Trupps, damit wir pünktlich fertig werden.“ Ambitionen, schneller zu werden, gebe es ebenfalls. Nur Wunder könne niemand erwarten.
Die Stimmung im Team? Laut Ebert besser als es manche Berichte vermitteln. „Die direkt betroffenen Anwohner sind sehr freundlich. Da gibt’s Kaffee, Kuchen, kalte Getränke. Die Probleme kommen eher von Durchreisenden, die über die Umleitung schimpfen.“ Ein estnischer Lkw sei zuletzt an die Absperrung gefahren – obwohl ab Ortseinfahrt ein klares Lkw-Verbot gelte. „Wer da vorne steht, hat die Regeln schon gebrochen“, so Ebert.
Vor Ort zeigt sich dennoch ein anderes Bild: Einige Arbeiter erzählten, der Ton sei rau geworden, der Frust laufe bei ihnen durchaus auf. „Da kommt schon was an“, sagt einer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Es seien Einzelfälle – aber sie machen etwas mit den Menschen, die den ganzen Tag in der Baugrube stehen.

Baufirma: „In drei Wochen legt sich das“

Viele Anwohner sehen die Arbeiten gelassen. Sie wissen: Die Straße wird nach Jahrzehnten erneuert, das Rohrnetz modernisiert, schnelles Internet verlegt und Steinsfurt fit gemacht für die kommenden Jahre. Andere reagieren emotional, weil Wege länger werden, Parkplätze wegfallen, der Alltag stockt. In etwa drei Wochen werde sich die Lage beruhigen, sagt Ebert. Erfahrungsgemäß brauche eine Baustelle diese Zeit, bis sich alles einspiele. Danach laufe es „rund“. Bis dahin bleibt Steinsfurt ein Ort, an dem nicht nur die Kanalrohre freigelegt werden – sondern auch die Nerven.
Redaktion
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