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Seltene Dünenbewohner mit Sprungbeinen: Heuschrecken im Schwetzinger Hardt

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Seltene Dünenbewohner mit Sprungbeinen: Heuschrecken im Schwetzinger Hardt
Blauflügelige Ödlandschrecke gut getarnt auf Sand (Foto: Peter Weiser)

ie weitläufigen Sanddünen und lichten Kiefernwälder der Schwetzinger Hardt beherbergen eine faszinierende Tier- und Pflanzenwelt, die vielen Waldbesuchern verborgen bleibt. Im vierten Teil der Serie „Waldtiere, die nur selten gesehen werden“ widmet sich das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises drei hochspezialisierten Bewohnern dieser trocken-warmen Sandlebensräume: der Westlichen Beißschrecke, der Blauflügeligen Ödlandschrecke und der Blauflügeligen Sandschrecke.

In Baden-Württemberg leben rund 70 verschiedene Heuschreckenarten, gegliedert in die beiden Unterordnungen der Lang- und Kurzfühlerschrecken. In den Binnendünengebieten zwischen Sandhausen, Walldorf und Oftersheim finden sie Bedingungen vor, die im dicht besiedelten Südwesten rar geworden sind: vegetationsarme, extrem sonnige und sandige Freiflächen.

Perfekt getarnte Jägerin: Die Westliche Beißschrecke

Als Vertreterin der Langfühlerschrecken zeichnet sich die Westliche Beißschrecke (Platycleis albopunctata) durch Fühler aus, die mindestens so lang wie ihr gesamter Körper sind – bei erwachsenen Tieren bis zu 22 Millimeter. Sie bevorzugt offene Trockenrasenflächen, wie sie insbesondere in den Naturschutzgebieten rund um Sandhausen vorkommen.

Die Art ist eine Meisterin der optischen Anpassung:

  • Farbvielfalt: Das Spektrum des Chitinpanzers reicht von hellem Grün mit dunklen Sprenkeln über Hellbraun bis hin zu Schwarzgrau.

  • Tarnung: Dank dieser variablen Färbung verschmilzt sie nahtlos mit Grashalmen, Flechten und Sandböden, um Fressfeinden wie Eidechsen und Vögeln zu entgehen.

  • Ernährung: Neben pflanzlicher Kost erbeutet die Beißschrecke aktiv andere kleine Insekten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Trockenrasen-Spezialisten gilt der Bestand der Westlichen Beißschrecke in Baden-Württemberg derzeit als stabil und nicht gefährdet.

Blauflügelige Ödlandschrecke: Das blaue Wunder beim Abheben

Wesentlich stärker auf karge Extremstandorte angewiesen sind die beiden Kurzfühlerschreckenarten des Gebiets. Die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) ist in den offenen, sonnendurchfluteten Bereichen der Schwetzinger Hardt regelmäßig anzutreffen.

Am Boden sitzend ist das Insekt praktisch unsichtbar: Der fein marmorierte, grau-braune Körper gleicht dem Sand- und Kiesuntergrund bis ins Detail. Ihren spektakulären Namen offenbart die Art erst in der Luft:

  • Signalfarbe im Flug: Unter den unscheinbaren Deckflügeln verbergen sich leuchtend himmelblaue Hinterflügel mit einer markanten schwarzen Querbinde.

  • Überraschungseffekt: „Man sieht sie wegen ihrer guten Tarnung kaum. Umso überraschender ist der Moment, wenn das Blau der Blauflügeligen Ödlandschrecke plötzlich vor einem wie ein kleiner blauer Funke aufblitzt“, erklärt Förster Tom Karrer.

Zwar weicht die Ödlandschrecke mancherorts auf Ersatzbiotope wie Schotterflächen, kiesige Parkplätze oder Bahndämme aus, dennoch steht ihre langfristige Bestandssituation unter Beobachtung, da naturnahe Ödlandflächen zunehmend zuwachsen.

Pionierin der Wanderdünen: Die Blauflügelige Sandschrecke

Noch engere Grenzen setzt sich die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans). Auch sie besitzt bläulich schimmernde Hinterflügel, allerdings fällt der Farbton etwas blasser aus und die dunkle Querbinde fehlt vollständig.

Die Art stellt extrem hohe Anforderungen an ihren Lebensraum:

  1. Minimale Vegetation: Sie meidet dichteren Bewuchs und benötigt nahezu nackte Sand- oder Kiesböden.

  2. Klassische Erstbesiedlerin: Die Sandschrecke taucht primär auf Flächen auf, die frisch freigelegt wurden – etwa nach gezielten Auflichtungen dichter Kiefernforste durch die Forstverwaltung.

  3. Flüchtiges Vorkommen: Sobald sich nach einigen Jahren Gräser, Kräuter oder Gehölzanflug auf den offenen Sandrasen durchsetzen, zieht sich die Art wieder zurück.

Das Vorkommen der Blauflügeligen Sandschrecke unterstreicht den hohen ökologischen Wert von Pflegemaßnahmen: Was für Spaziergänger auf den ersten Blick wie eine karge, leblose Sandwüste wirken mag, bildet für spezialisierte Pionierarten die unverzichtbare Lebensgrundlage.

Die drei Dünen-Heuschrecken im Artvergleich

Merkmal / Art Westliche Beißschrecke Blauflügelige Ödlandschrecke Blauflügelige Sandschrecke
Unterordnung Langfühlerschrecke Kurzfühlerschrecke Kurzfühlerschrecke
Wichtigstes Erkennungszeichen Körperlange Fühler (bis 22 mm) Kräftig blaue Flügel mit schwarzer Binde Blassblaue Flügel ohne schwarze Binde
Körperfärbung Grün, hellbraun bis schwarzgrau Grau- bis braun marmoriert Sandfarben bis graubraun
Lebensraum Trockenrasen, Sandrasen Trocken-warme Freiflächen, Schotter Extrem vegetationsarme Rohbodenflächen
Rolle im Ökosystem Allesfresser (auch Insekten) Pflanzenfresser / wärmeliebend Pionierart auf frischen Sandstellen
Bestandstrend Nicht gefährdet Unter Beobachtung (Schwund von Freiflächen) Stark spezialisiert & schutzbedürftig
Redaktion
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