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Sinsheim: Kosten für Krötentunnel klettern auf eine Million Euro

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Sinsheim: Kosten für Krötentunnel klettern auf eine Million Euro
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Entscheidung über unerwarteten Mehrkosten steht an

Sinsheim-Adersbach/Steinsfurt. Kaum ist die Straße wieder offen, beschäftigt die Krötentunnel-Baustelle zwischen Adersbach und Steinsfurt die Politik. Der Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Wirtschaft des Rhein-Neckar-Kreises berät am nächsten Dienstag über die Schlussabrechnung des Projekts. Denn fest steht: Die Amphibienschutzanlage ist deutlich teurer geworden als geplant. Ursprünglich waren für den Bau der Tunnel und Leitwände entlang der K 4283 rund 790.000 Euro im Kreishaushalt eingestellt. Nach jetzigem Stand belaufen sich die Gesamtkosten jedoch auf 1 Million Euro. Die Verwaltung beantragt daher, 210.000 Euro zusätzlich bereitzustellen – überplanmäßig.

Schadstoffe im Boden treiben Kröten-Tunnel auf 1 Million Euro

Hintergrund sind unvorhergesehene Probleme im Untergrund. Beim Aushub stieß die Baufirma auf eine alte Teerstraße voller Schadstoffe, die in früheren Zeiten wohl einfach im Erdreich „entsorgt“ wurde. Das historische „Erbe“ musste als Sondermüll entsorgt werden – teuer und zeitaufwendig. Gleichzeitig hatten sich statische Vorgaben für die Fertigfundamente der Tunnelsegmente nach der Ausschreibung geändert.

Unerwartete Kostenexplosion nach Ausschreibung

Größere und stärker armierte Betonfundamente waren notwendig, um die Gewährleistung nicht zu gefährden. Dass die Baustelle im Sommer und der Verlängerung im Herbst vielen Adersbachern und Steinsfurtern Geduld abverlangt hat, ist noch gut in Erinnerung: Der Weg zur Arbeit führte zeitweise über Ehrstädt, Radfahrer mussten Schotterpisten ausbalancieren, und als die Straße nach der ersten Freigabe nur halb fertig war, rollte der Verkehr im Zick-Zack mit Tempo 10 am offenen Baubereich vorbei. Erst Ende Oktober wurde die Straße nach einer letzten Vollsperrung in den Herbstferien vollständig asphaltiert und endgültig freigegeben. In sozialen Medien wird seitdem über die Unebenheiten auf den frisch gebauten Abschnitten diskutiert. Die Straße gleiche jetzt einem Flickenteppich mit Rüttelstreifen, sind sich mehrere Nutzer einig.
Trotz aller Umstände steht für Ortsvorsteher und Ehrenamtliche außer Frage, dass die Anlage notwendig war. Seit den 1990er-Jahren hatten Freiwillige jedes Frühjahr bis zu 4.000 Kröten und Amphibien im Dunkeln über die Straße getragen – bei Regen, Stirnlampe und reichlich Nerven. Viele der Helfer sind inzwischen über 60. „Wir waren am Limit“, hatte Adersbachs Ortsvorsteher Matthias Höver bereits im Sommer betont. „Die Tunnel sind jetzt die dauerhafte Lösung, die wir gebraucht haben.“ Der Kreistag prüft derzeit, ob ein Teil der Mehrkosten über eine Nachbewilligung des Landes zurückgeholt werden kann. Denn ein Förderanteil von bis zu 377.000 Euro ist grundsätzlich vorgesehen. Wie viel am Ende tatsächlich ausgeglichen wird, lässt sich nach Angaben der Verwaltung aber erst 2026 abschätzen. Für Autofahrer zählt aber erst einmal das Ergebnis: Die Straße ist wieder frei – und die Kröten haben jetzt Vorfahrt von unten.
Redaktion
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