An Emotionen mangelte es am Dienstagabend im Gemeinderat nicht. Die Stadtverwaltung stellte ihre umfassende Analyse zur Zukunft der Sinsheimer Spielplätze vor – und die sieht einschneidende Veränderungen vor: Elf Anlagen sollen verschwinden und in Blühwiesen umgewandelt werden. Eine Maßnahme, die der Stadtkasse jährlich rund 50.000 Euro ersparen soll, aber gleichzeitig politischen Zündstoff mitbrachte.
Der drastische Sparkurs: weniger Spielplätze, mehr Blühwiese
Die Analyse, die die Verwaltung Ende 2024 intern erstellt hat, zeigt ein deutliches Problem: 76 Spielplätze gibt es aktuell in Sinsheim und den Ortsteilen – zu viele, wie die Verwaltung konstatiert. Gerät, Pflege, Kontrolle, Mähgänge: Die Ressourcen seien begrenzt, das Personal knapp. Und so liegt nun der Vorschlag auf dem Tisch, elf Plätze stillzulegen und deren Flächen in extensive Blühwiesen umzuwandeln.
Die Begründung: Schon heute frisst allein die Unterhaltung dieser elf Plätze rund 56.363 Euro jährlich, im Schnitt 5.835 Euro pro Spielplatz. Blühwiesen hingegen wären mit nur zwei Mähvorgängen, weniger Kontrollen und weniger Personalstunden deutlich günstiger. Investitionen für Maschinenanbauten – rund 20.000 Euro – könnten zudem über ein KfW-Programm zu 80 Prozent gefördert werden.
Welche Plätze betroffen sind
Stillgelegt werden sollen unter anderem Anlagen in der Albert-Lortzing-Straße, der Bürgermeister-Schumacher-Straße, der Dr.-Michael-Fischer-Straße, der Stauferstraße sowie Flächen in Hilsbach, Hoffenheim, Reihen, Steinsfurt und Weiler.
Viele dieser Plätze seien laut Verwaltung kaum noch genutzt, teilweise veraltet, wenig attraktiv oder müssten teuer saniert werden. Ein Beispiel: Der marode Rutschenturm an der Bürgermeister-Schumacher-Straße hätte 2024 für 35.000 Euro ersetzt werden müssen.
Der Grundgedanke ist simpel: Weniger, dafür bessere Spielflächen – und konzentriert auf Standorte, die attraktiv genutzt werden.
Wie sollen die Flächen künftig aussehen?
Favorisiert wird die Umwandlung in Blühwiesen. Die Verwaltung verweist auf deutliche Einsparpotenziale und geringere Eingriffe ins Personal.
Die Alternative, die sogenannte PikoPark-Variante, soll nur in Ausnahmefällen genutzt werden – etwa in der kleinen Georg-Zink-Straße, die sich für Staudenflächen und einen Mini-Park anbietet. Dort würden Kosten von etwa 27.000 Euro entstehen.
Klar ist: Spielplätze können nicht „einfach so“ verschwinden. Bebauungspläne schreiben meist eine Nutzung als Grünfläche vor. Verkauf oder Parkplätze sind ausgeschlossen.
Die politische Lage: unklare Entscheidungswege
Der Abend im Gemeinderat wurde zunehmend unübersichtlich, weil plötzlich eine alte Frage wieder hochkam: Wer darf überhaupt entscheiden?
Laut Hauptsatzung sind Ortschaftsräte bei solchen Themen lediglich beratend tätig. Dennoch wurde in der Sitzung darauf verwiesen, dass es wohl einen früheren Beschluss geben soll, der ihnen für dieses Thema eine Beschlussbefugnis überträgt.
Und so bleibt nach der Abstimmung nun erst einmal zu klären, welches Gremium formal zuständig ist.
So wurde entschieden – zumindest fürs Erste
Für die Kernstadt ist der Beschluss bereits gefallen:
Die dortigen Plätze sollen wie vorgeschlagen abgebaut bzw. umgewandelt werden.
In den Ortsteilen jedoch ist die Lage ungewiss. Dort muss zunächst geprüft werden, ob die Ortschaftsräte tatsächlich entscheidungsbefugt sind oder nicht. Sollte das nicht der Fall sein, müsste der Gemeinderat ein zweites Mal, dann ordnungsgemäß, darüber abstimmen.
Eines ist sicher: Die endgültige Entscheidung fällt erst 2026.
Was bedeutet das für Familien?
Laut Analyse bleiben die Wege zum nächsten Spielplatz weiterhin zumutbar: weniger als 600 Meter, maximal acht Minuten für Erwachsene.
Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren würden laut Verwaltung auch größere Distanzen bewältigen, und attraktive „Event-Spielplätze“ wie die Alla-Hopp-Anlage, der Dickwaldspielplatz oder die Anlage an der Burg Steinsberg bleiben erhalten.
Doch auch klar:
Elf Spielplätze weniger sind ein spürbarer Einschnitt – besonders in dicht bebauten Wohngebieten.
Wie geht es weiter?
Jetzt heißt es prüfen, sortieren, abwägen. Erst wenn die Frage der Zuständigkeit abschließend geklärt ist, kann über die Spielplätze in den Ortsteilen entschieden werden.
Parallel bereitet die Verwaltung bereits mögliche Förderanträge für Blühwiesen und PikoParks vor – für den Fall, dass sich der Gemeinderat endgültig in diese Richtung bewegt.
Liste der betroffenen Spielplätze
Sinsheim (Kernstadt):
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Albert-Lortzing-Straße (SNH02): Wird zurückgebaut und in eine Blühwiese umgewandelt.
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Bürgermeister-Schumacher-Straße (SNH04): Soll einer Blühwiese weichen. Die Anlage galt als ungebraucht und der Rutschen-Turm ist morsch.
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Dr. Michael-Fischer-Straße (SNH06): Geplant ist die Umwandlung in eine Blühwiese.
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Georg-Zink-Straße (SNH08): Aufgrund der geringen Größe wird hier die Nutzung als PikoPark (Kleinparkanlage mit Stauden) in Betracht gezogen.
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Longuestraße (SNH15): Auch dieser Standort soll zu einer Blühwiese werden.
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Stauferstraße (SNH18): Geplant ist die Umwandlung in eine Blühwiese.
Ortsteile:
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Hilsbach (Apfelweg, HI06): Zur Stilllegung vorgeschlagen, da der Platz wenig genutzt wird und nah an Spielplatz HI05 liegt.
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Hoffenheim (Rindweg, HO05): Zur Stilllegung vorgeschlagen.
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Reihen (August-Karolus-Straße, RE01): Zur Stilllegung vorgeschlagen.
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Steinsfurt (Philosophenstraße, ST06): Zur Stilllegung vorgeschlagen.
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Weiler (Sportplatz, WE03): Zur Stilllegung vorgeschlagen.













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