Noch ist es still auf dem Gelände am Schwimmbadweg. Die Becken sind leer, der Wind trägt den Geruch von feuchter Erde über die Liegewiesen, und die Technik im Untergrund ruht. Doch in der Verwaltung der Stadtwerke wird bereits für die übernächste Saison gerechnet. Wenn am kommenden Dienstag um 19 Uhr der Hauptausschuss im Sitzungssaal des Rathauses zusammenkommt, steht ein Thema auf der Tagesordnung, das die sommerliche Routine vieler Sinsheimer verändern könnte: Die Anpassung der Eintrittspreise für das Freibad ab dem Jahr 2026.
Die Bilanz eines Sommertags
Ein Freibadbesuch ist für die Stadt Sinsheim ein Rechenexempel mit deutlichem Minusvorzeichen. Trotz durchschnittlich 114.000 Gästen pro Saison und einem erheblichen Betriebskostenzuschuss durch die Thermen & Badewelt Sinsheim verbleibt jährlich ein Defizit von rund 1,0 Millionen Euro. Statistisch gesehen wird damit jeder einzelne Eintritt mit etwa 9,00 Euro aus städtischen Mitteln bezuschusst.
Nach Jahren ohne Preisanpassung – die letzte Erhöhung fand 2022 statt – sieht die Verwaltung nun Handlungsbedarf. Die Gründe liegen in der allgemeinen Kostenentwicklung:
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Betrieb und Instandhaltung: Die laufenden Kosten sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
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Investitionsstau: Notwendige Erneuerungen an der Wasseraufbereitung und der Bau eines neuen Spülwasserbehälters stehen an.
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Haushaltslage: Die angespannte finanzielle Situation der Stadt erfordert eine Reduzierung des Zuschussbedarfs.
Das neue Tarifgefüge im Detail
Die Vorlage der Stadtwerke sieht vor, den Basiswert – die Einzelkarte für Erwachsene – von 4,50 Euro auf 5,50 Euro anzuheben. Kinder und Ermäßigte müssten künftig 4,00 Euro statt bisher 3,00 Euro bezahlen. Auch bei den Saisonkarten sind deutliche Sprünge geplant: Für Erwachsene soll der Preis von 90,00 Euro auf 110,00 Euro steigen, für Familien mit zwei Elternteilen von 130,00 Euro auf 165,00 Euro.
Interessant ist dabei die Nutzung der Saisonkarten. Ein Inhaber einer Erwachsenen-Saisonkarte besucht das Bad im Schnitt 39 Mal pro Jahr. Bei einem neuen Preis von 110,00 Euro entspräche dies etwa 2,82 Euro pro Besuch – ein Betrag, mit dem laut Verwaltung gerade so die variablen Kosten gedeckt werden.
Vergleichbare Kosten im Kraichgau
Sinsheim bewegt sich mit diesen Plänen in einem regionalen Trend. Ein Blick auf die umliegenden Kommunen zeigt, dass viele Bäder ihre Preise bereits für 2025 oder 2026 angepasst haben:
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Bad Rappenau: Einzelkarte 6,00 Euro.
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Walldorf: Einzelkarte 5,50 Euro.
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Heidelberg (Tiergartenbad): Einzelkarte 5,50 Euro.
In der Vorlage wird betont, dass die Sinsheimer Saison mit fünf Monaten (Mai bis September) in der Regel einen Monat länger dauert als in den Nachbargemeinden. Dennoch bleibt das Ziel, die soziale Verträglichkeit zu wahren. So bleibt der Faktor für ermäßigte Saisonkarten beim 14-fachen des Einzeleintritts. Erwachsene zahlen das 20-fache.
Die Stadt erhofft sich durch die Erhöhung jährliche Mehreinnahmen von netto etwa 65.000 Euro. Es ist ein kleiner Beitrag zur Deckung des Millionenlochs, den der Eigenbetrieb Stadtwerke unter der Leitung von Andreas Uhler als „geboten“ bezeichnet, um den Betrieb für die Zukunft zu sichern.
Am Dienstagabend wird der Hauptausschuss über die Vorlage beraten, bevor der Gemeinderat am 24. März die endgültige Entscheidung trifft. Für die kommende Saison 2025 bleibt zunächst alles beim Alten. Erst wenn im Mai 2026 die Drehkreuze wieder öffnen, werden die Badegäste erfahren, wie viel ihnen der Sprung ins kühle Nass wert sein muss.














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