Der individuelle Unterstützungsbedarf vieler Schüler hat in den letzten Jahren merklich zugenommen. Gleiches gilt auch für die nachlassende Fähigkeit von Einzelnen, sich in eine Gruppe oder Schulklasse integrieren zu können. Konflikte spielen sich mittlerweile nicht mehr ausschließlich vor Ort im schulischen Alltag ab, sie werden vermehrt auch über die sozialen Medien initiiert und ausgetragen.
Mehrtägige Fortbildung
Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass vermehrt Anfragen von Seiten der Schulen bei den sozialpädagogischen Fachkräften der Schulsozialarbeit eingingen, wie die Klassen bei dieser Thematik unterstützt werden könnten. Die Stadt Sinsheim als Trägerin der Schulsozialarbeit an insgesamt neun Sinsheimer Schulen hat sich daher entschieden, eine Inhouse-Schulung zu organisieren, an der sich alle Mitarbeiter des Teams Schulsozialarbeit sowie weitere Fachkräfte aus dem Landkreis den Ansatz des „Freiburger Sozialtrainings und systemischer Mobbingintervention“ aneignen konnten. Die Schulung fand an insgesamt acht Fortbildungstagen in Sinsheim statt und wurde vom Referenten Stefan Pohl (Institut Konflikt-KULTUR aus Freiburg) moderiert.
Positive Autorität
Das Sozialtraining ist ein demokratiepädagogischer Ansatz, der die alltäglichen Konflikte in Schulklassen nutzen möchte, um soziales Lernen anzuregen und persönliche und kommunikative Kompetenzen zu stärken. Dabei geht es auch um die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse zurückzustellen und besser mit Enttäuschungen und Frustrationen umgehen zu können. Das Sozialtraining hat positive Auswirkungen auf das soziale Klima in der Klasse und verhindert Mobbingprozesse. Der respektvolle Umgang miteinander, die gegenseitige Wertschätzung und der Zusammenhalt werden gestärkt. Die positiven Beziehungserfahrungen wirken sich auch auf die Lernmotivation aus und führen zu einer verbesserten Arbeits- und Lernatmosphäre. Um dies den Fortbildungsteilnehmern anschaulich zu vermitteln, fand an zwei Schulungstagen eine Methodendemonstration mit einer Schulklasse der Theodor-Heuss-Schule statt.
Sozialtraining
Gleichzeitig beinhaltet das Sozialtraining ein konkretes Handlungskonzept, falls in einer Klasse bereits Mobbing stattfindet. Das Freiburger Konzept gibt hier einen klaren Rahmen vor: Da Mobbing als gruppendynamisches Problem zu verstehen ist, das nicht nur „Täter“ und „Opfer“, sondern alle Schüler einer Schulklasse betrifft, muss auch die Bearbeitung auf der Klassenebene ansetzen und die gesamte Gruppe einbeziehen. Um nachhaltige Verhaltensänderungen in einer Klasse zu bewirken, ist nach einem zweitägigen Sozialtraining durch die Schulsozialarbeit ein konsequentes „Dranbleiben“ und Weiterarbeiten von Seiten der Lehrkräfte nötig, damit das Konzept mit seinen Regeln und Abläufen im schulischen Alltag der Kasse verankert wird.
Mobbingintervention
Die Fortbildungsreihe wurde durch einen finanziellen Zuschuss von Seiten des KVJS (Landesjugendamt Baden-Württemberg) unterstützt. Die Teilnehmer konnten die acht Schulungstage erfolgreich abschließen und sind nun dafür qualifiziert, den etablierten Ansatz des Sozialtrainings an ihrer jeweiligen Schule anzuwenden.










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