Nummern-Pokerei bremst Comeback aus
Eigentlich sollte es ein Weihnachtsgeschenk werden. Dann hofften die ersten Optimisten auf ein „Last-Minute-Ostergeschenk“ im hohen Gras. Doch wer in diesen Tagen sein Auto in Sinsheim oder den umliegenden Gemeinden auf das ersehnte „SNH“-Schild umrüsten will, braucht vor allem eines: Geduld. Das Comeback des Altkennzeichens hängt derzeit in einer komplizierten Dreiecksbeziehung zwischen den Landratsämtern in Heidelberg, Karlsruhe und Heilbronn fest. Und während in Sinsheim die Vorfreude regiert, wird anderswo noch mit spitzen Bleistiften gerechnet.
Das Problem ist ein Erbe der 70er Jahre. Als der Landkreis Sinsheim bei der Kreisreform zerschlagen wurde, wanderten die Gemeinden nicht nur in den Rhein-Neckar-Kreis, sondern teilweise auch nach Karlsruhe und Heilbronn. Das bedeutet heute: Wenn „SNH“ zurückkommt, könnten alle ein Stück vom „Nummernkuchen“ abhaben. Und genau hier beginnt das zähe Ringen um Buchstaben und Zahlen.
Im Karlsruher Landratsamt gibt man sich derzeit betont spröde. Zwar hat der dortige Kreistag die Wiedereinführung des „BR“-Kennzeichens für Bruchsal bejubelt, doch bei „SNH“ herrscht vornehme Zurückhaltung. „Eine Wiedereinführung war bislang kein Thema im Kreistag“, erklärt Kreissprecherin Nicole Schwarz. Man nehme zwar am „Bewirtschaftungskonzept“ teil, wolle aber erst einmal keine Schilder ausgeben. Die Entscheidung dafür fiel erst vor wenigen Tagen.
Karlsruhe hortet 30.000 Schilder
Das Ergebnis: Karlsruhe lässt sich rund 30.000 Kennzeichenkombinationen reservieren, legt sie aber quasi auf Halde. Zum Vergleich: Die sechs Gemeinden im Landkreis Karlsruhe, die historisch zum alten Kreis Sinsheim gehörten, zählen zusammengerechnet gerade einmal 12.000 Einwohner. Man bunkert also mehr als doppelt so viele Schilder, wie es potenzielle Traditionsfahrer in der Kernzone geben könnte. Ein „Jein“ mit Folgen für die Sinsheimer, denn diese Kombinationen fehlen im Rhein-Neckar-Kreis auf der Auswahlliste. Kurios dabei: Sollte sich in Karlsruhe doch noch eine politische Mehrheit finden, würde das Kennzeichen kreisweit zur Auswahl stehen. Dann dürfte theoretisch auch im 80 Kilometer entfernten Marxzell im Nordschwarzwald mit „SNH“ herumgefahren werden. Ein Sinsheimer Nummernschild im Schwarzwald? In der Theorie möglich, in der Praxis eher unwahrscheinlich.
Heilbronn hadert
Noch komplizierter ist die Lage im Landkreis Heilbronn. Dort ist man noch in der Phase des „Haderns“. Kreissprecher Andreas Zwingmann formuliert es diplomatisch: Man schätze derzeit den „praktischen Nutzen im Vergleich zum Verwaltungsaufwand“ ab. Übersetzt heißt das: Lohnt sich der ganze Papierkram für ein paar Nostalgiker am westlichen Kreisrand? Solange Heilbronn nicht Farbe bekennt, herrscht Stillstand. Silke Hartmann vom Rhein-Neckar-Kreis bestätigt, dass man händeringend auf die Rückmeldung aus dem Unterland wartet. Erst wenn alle drei Kreise am Tisch sitzen und das „Bewirtschaftungskonzept“ unterschrieben ist, kann der Antrag nach Stuttgart und weiter nach Berlin wandern. Erst wenn dort die endgültige Freigabe erfolgt, wandert das Kürzel „SNH“ in die Software der Zulassungsstellen.
Warum ist die Sache so kompliziert?
Warum ist das Ganze so kompliziert? Anders als beim Bruchsaler „BR“, das ausschließlich auf Karlsruher Gebiet liegt, ist „SNH“ eine grenzüberschreitende Angelegenheit. Jeder Landkreis muss genau wissen, welche Buchstaben-Zahlen-Kombinationen er vergeben darf, damit es nicht zu Dubletten kommt. „Die weitaus meisten Kombinationen könnten im Landkreis Karlsruhe nicht angeboten werden, weil sie im Kontingent nicht enthalten sind“, gibt man in Karlsruhe zu bedenken. Es ist ein Puzzlespiel, bei dem jeder Angst hat, die schlechteren Teile abzubekommen.
SNH-Aktivisten sind voller Vorfreude
Dass dieses Konzept zur Geduldsprobe gerät, spürt kaum jemand so direkt wie Jens-Jochen Roth. Er setzt sich seit vielen Jahren beharrlich für die Rückkehr des Altkennzeichens ein. „Ich bin fest von Ostern als Starttermin ausgegangen“, sagt Roth mit Blick auf den Kalender. Die Erwartungshaltung in der Bevölkerung sei greifbar, die bürokratische Verzögerung schwer vermittelbar: „Ich bekomme wöchentlich mehrere Anfragen von Leuten, die endlich das Kennzeichen wollen.“
Im Sinsheimer Rathaus verfolgt man den Prozess mit Wohlwollen. „Mit der Wiedereinführung des SNH-Kennzeichens geht für viele ein langgehegter Traum in Erfüllung“, lässt Oberbürgermeister Marco Siesing ausrichten. Er persönlich freue sich ebenfalls sehr über das Comeback. Die Stadtverwaltung übt sich derweil in Vertrauen gegenüber den Landratsämtern: Man sei davon überzeugt, dass dort alle Beteiligten ihre Aufgaben „sorgfältig und zuverlässig“ wahrnehmen und der Prozess im „üblichen Zeitrahmen“ verlaufe.
Wann kommt das SNH-Kennzeichen?
Wann also dürfen die Sinsheimer endlich schrauben? Ein konkreter Zeitrahmen? „Kann derzeit nicht benannt werden“, heißt es unisono aus den Ämtern. Der Osterhase wird dieses Jahr wohl ohne Nummernschild kommen müssen – oder eben weiterhin mit dem gewohnten „HD“.
















Rückmeldung an den Autor?