Sinsheim

SNH-Kennzeichen vor dem Comeback: Kreistag entscheidet am Dienstag über Altkennzeichen

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SNH-Kennzeichen vor dem Comeback: Kreistag entscheidet am Dienstag über Altkennzeichen
Foto KI-generiert

Ein Heimspiel in der Dr.-Sieber-Halle – aber wohl nicht mehr unter dem Weihnachtsbaum

Am kommenden Dienstag könnte in der Sinsheimer Dr.-Sieber-Halle ein kleines Stück Verkehrsgeschichte geschrieben werden. Wenn der Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises zu seiner letzten Sitzung im Jahr 2025 zusammenkommt, steht ein Kürzel auf der Agenda, das vielen Kraichgauern das Herz höher schlagen lässt: „SNH“. Die Zeichen für eine Rückkehr des Altkennzeichens stehen gut – nur wer gehofft hatte, das nostalgische Blech in diesem Jahr an die Stoßstange schrauben zu können, muss sich in Geduld üben. Denn zwischen dem „Ja“ der Politik und der Prägemaschine steht der deutsche Amtsschimmel.

Ein Hauch von Nostalgie im Kreistag

Dass die Entscheidung ausgerechnet in Sinsheim fällt, entbehrt nicht einer gewissen Symbolik – ein klassisches Heimspiel für das Altkennzeichen. Angestoßen wurde die Debatte durch Anträge der AfD- und der SPD-Fraktion, die beide schon im Frühjahr forderten, was viele Bürger sich wünschen: Mehr Identität am Heck. Sinsheims Oberbürgermeister Marco Siesing zeigte sich im Vorfeld zuversichtlich und findet, dass ein Scheitern mittlerweile unwahrscheinlich sei. Sein Argument ist so simpel wie entwaffnend: Die Wiedereinführung kostet fast nichts, spült über Wunschkennzeichen-Gebühren sogar Geld in die Kasse und bereitet den Menschen „ein kleines bisschen Freude“.

Berlin sagt „Nein“ zum RNK-Traum

Bevor die Kreisräte am Dienstag jedoch die Hand heben dürfen, musste die Verwaltung erst eine bürokratische Weltreise unternehmen – zumindest auf dem Papier. Denn die SPD hatte in ihrem Antrag auch prüfen lassen wollen, ob man nicht gleich den ganz großen Wurf wagen und ein kreisweites „RNK“-Kennzeichen einführen könne. Die Antwort darauf liest sich wie ein Lehrstück in Sachen Föderalismus: Das Landratsamt fragte beim Regierungspräsidium Karlsruhe, das fragte beim Verkehrsministerium in Stuttgart, und weil man sich dort auch nicht sicher war, ging die Post bis ganz nach oben ins Bundesverkehrsministerium nach Berlin. Von dort kam die Abfuhr: Ein „schlichter Austausch“ des Unterscheidungszeichens sei nicht vorgesehen. Das würde bundesweit nur „Begehrlichkeiten“ wecken. Heißt im Klartext: „RNK“ ist vom Tisch, „SNH“ ist die einzige Option.

Der lange Marsch durch die Instanzen

Wer nun glaubt, am Mittwochmorgen mit dem Schraubenzieher zur Zulassungsstelle eilen zu können, wird enttäuscht. Was der Kreistag am 16. Dezember beschließt, ist im Amtsdeutsch nämlich keine direkte Einführung, sondern lediglich eine „Interessensbekundung“. Der Weg ist linear, aber – wie man in Verwaltungskreisen so schön sagt – nicht friktionsfrei. Da der Kreis selbst nicht antragsberechtigt ist, wandert der Beschluss nach Stuttgart ins Landesverkehrsministerium. Nur das Land kann den offiziellen Antrag beim Bundesministerium für Verkehr (BMV) stellen. In Berlin prüft man dann rein formal: Ist die Buchstabenkombination frei? Verstößt sie gegen die guten Sitten? Inhaltlich mischt sich der Bund nicht ein. Nach der Genehmigung folgt die Veröffentlichung im Bundesanzeiger und schließlich die technische Freischaltung in den bundesweiten IT-Systemen. Erst wenn hier das digitale grüne Licht leuchtet, können die Zulassungsstellen und Schilderpräger loslegen. Vom politischen Beschluss bis zur tatsächlichen Ausgabe vergehen typischerweise 6 bis 10 Wochen. Da in den Ministerien über die Feiertage die Arbeit ruht, ist ein Start vor Februar 2026 unrealistisch.

Erbe der Gebietsreform: Die Kreis-Nachbarn dürfen mitreden

Dass der Weg zum SNH-Kennzeichen nicht ganz ohne Tücken ist, liegt auch an einem Erbe der Gebietsreform. Als der alte Landkreis Sinsheim zum 1973 aufgelöst wurde, ging er nicht komplett im Rhein-Neckar-Kreis auf – Teile des Gebiets fielen an die Landkreise Heilbronn und Karlsruhe. Das bedeutet: Das Kürzel „SNH“ gehört den Nachbarn theoretisch genauso wie den Sinsheimern. Bevor Stuttgart den Antrag nach Berlin schickt, verlangt das Verkehrsministerium deshalb zwingend eine Runde „Nachbarschaftspflege“. Hinter dem sperrigen Begriff „Bewirtschaftungskonzept“ steckt eine ganz praktische Notwendigkeit. Es muss technisch ausgeschlossen werden, dass plötzlich zwei Autos mit exakt demselben „SNH“-Schild herumfahren – eines aus Sinsheim und eines aus Eppingen oder Sulzfeld. Die Landkreise müssen den „Nummern-Kuchen“ also sauber unter sich aufteilen. Selbst wenn Heilbronn oder Karlsruhe gar kein Interesse an dem Kennzeichen haben sollten, müssen sie schriftlich verzichten oder zustimmen, damit der Rhein-Neckar-Kreis über den vollen Buchstaben-Vorrat verfügen darf.

Lohnende Investition

Der Blick zum Nachbarn macht derweil Mut: Im Landkreis Karlsruhe löste die Rückkehr des „BR“-Kennzeichens für Bruchsal einen regelrechten Ansturm aus – rund 15.000 Reservierungen legten zeitweise die Server lahm. Finanziell ist die Sache für den Kreis übrigens ein „No-Brainer“: Den einmaligen Umstellungskosten von rund 1.500 Euro stehen Einnahmen von 12,80 Euro pro Wunschkennzeichen gegenüber. Ab dem 118. Schild schreibt der Kreis also schwarze Zahlen.

Redaktion
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