Sinsheim

So startet der Glasfaser-Ausbau in Hilsbach, Weiler und Reihen

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So startet der Glasfaser-Ausbau in Hilsbach, Weiler und Reihen
Bevor Gras über die Sache wächst. Im April solls mit Glasfaser in drei Sinsheimer Ortsteilen losgehen

Glasfaser-Ausbau soll in wenigen Wochen starten

Es gab eine Zeit, da kündigten kleine, bunte Plastikfähnchen in den Vorgärten von Reihen, Weiler und Hilsbach eine digitale Zeitenwende an. „Wir bekommen Glasfaser“, stand auf den Schildern, die Vertreter im Herbst 2023 zahlreich in den Boden rammten um ihre Reviere abzustecken. Die Resonanz war damals so groß wie die Erwartungshaltung. Ein Vertreter von damals erinnert sich heute: „Andernorts musste mühsam um Kunden geworben werden oder es wurde nix aus dem Vorhaben.“ Das Interesse habe sich „wahnsinnig schnell“ entwickelt, sagt er. Die Bewohner der drei Sinsheimer Ortsteile unterschrieben fast ausnahmslos sofort. Doch auf den schnellen Aufbruch folgte eine lange Stille. Die Fähnchen sind längst verblichen oder verschwunden, die Baumaschinen ließen auf sich warten.

Die Breitband-Bagger rollen an

Nun, im März 2026, kommt Bewegung in die verwaiste Planung. Auf der Fortschrittsseite der NetCom BW ist die Kommune mittlerweile in den vierten Schritt, die „Finalisierung der Ausbauplanung“, aufgerückt. Damit liegt erstmals ein konkreter Zeitplan vor: Im April soll die Baustelle eingerichtet werden, im Mai folgt der Tiefbau.

Die technische Ausgangslage in den drei Dörfern ist heterogen. In einigen Straßenzügen ist das Internet über bestehende Kabel- oder Kupferleitungen mittels Vectoring bereits vergleichsweise schnell, erreicht teilweise bis zu 1.000 Mbit. Doch diese Technik gilt als Übergangslösung, nicht als Infrastruktur für die kommenden Jahrzehnte.

Die entscheidende Frage für das Tempo des anstehenden Ausbaus liegt im Boden. Der Zweckverband High-Speed-Netz Rhein-Neckar (fibernet.rn) war in der Vergangenheit bereits aktiv und hat im Rahmen des öffentlich geförderten Ausbaus längere Trassen verlegt – vornehmlich um Schulen und Gewerbegebiete anzubinden. Marco Stumpf, technischer Leiter des Zweckverbands, bestätigt auf Anfrage, dass diese bestehende Infrastruktur grundsätzlich vom eigenwirtschaftlichen Ausbau der NetCom BW mitgenutzt werden kann.

„Entlang der geförderten Trassen in Weiler und Hilsbach wurde das Mitverlegungspotenzial von der NetCom voll genutzt“, erklärt Stumpf. Dort hat die NetCom nämlich bereits Leerrohrverbände mitverlegen lassen, als der Zweckverband ohnehin die Gräben offen hatte. In Reihen hingegen hat man diese Chance schlicht „verpasst“. Dort muss für den Ausbau wohl deutlich öfter der Asphalt neu aufgerissen werden. Auch der sogenannte Backbone – die Hauptschlagader des Netzes, die von Sinsheim kommt – stehe zur Verfügung. Der Übergabepunkt befindet sich in einem Schacht am Ortseingang von Weiler. Hier zapft die NetCom künftig das Internet an, um es über die Glasfasern zu den Häusern zu verteilen.

Trotz dieser Vorarbeiten dämpft der Experte die Hoffnung auf eine „schnelle Nummer“. Ein Selbstläufer wird der Ausbau nicht. „Es ist trotzdem noch einiges in den Ortsteilen zu bauen“, so Stumpf.

Erstmal geht´s in Weiler los

Hannes Müller, Pressesprecher der NetCom BW, skizziert das weitere Vorgehen: Der Fokus liegt zunächst auf Weiler. Dort sollen bereits Ende März die ersten Grundstücksbegehungen stattfinden, um den Verlauf der Leitungen festzulegen. Als Generalunternehmer fungiert die Netze BW Sparte Dienstleistungen, die für die Arbeiten das Unternehmen Johann Schuler & Sohn aus Mosbach beauftragt hat.

Ein wunder Punkt in der Chronologie des Ausbaus sind die bereits vorhandenen Leerrohre auf Privatgrundstücken. Vor Jahren, als die Netze BW die Dachständer der Stromleitungen entfernte, zahlten viele Anwohner rund 500 Euro, um sich präventiv ein Leerrohr ins Haus legen zu lassen. Damals warben Stadtverwaltung und Ortsvorsteher für diese Investition. Ob diese Rohre nun tatsächlich genutzt werden können, entscheidet sich erst bei der Begehung. „Wir versuchen, so viel Bestandsinfrastruktur wie möglich zu nutzen“, verspricht Müller. Es sei „Quatsch, zweimal aufzureißen“, sofern die Rohre zu den aktuellen technischen Vorgaben passen.

Der Ausbau soll in „kleineren Clustern“ erfolgen. Das bedeutet: Sobald ein Abschnitt fertiggestellt ist, sollen die Kunden dort zeitnah aktiviert werden, anstatt auf den Abschluss des gesamten Projekts zu warten. Die Glasfaser wird dabei direkt bis in die Gebäude geführt (FTTB).

Ein Restrisiko für den Zeitplan bleibt jedoch die Dokumentation. Laut NetCom BW wird derzeit noch geprüft, wie vollständig die Unterlagen über die bereits im Boden liegenden Leitungen sind. Oft fehlen bei älteren Rohren präzise Daten, was im Austausch mit dem Zweckverband geklärt werden muss. Wenn der Plan hält, sollen die Arbeiten bis Mitte 2028 abgeschlossen sein. Dann würde für die Haushalte in Reihen, Weiler und Hilsbach das eintreten, was die kleinen Fähnchen vor zweieinhalb Jahren versprachen.

Auch heute wirbt die NetCom noch mit „kostenlosen“ Anschlüssen. Der Gratis-Anschluss ist an einen 24-Monats-Vertrag und eine Bandbreite von mindestens 300 Mbit gekoppelt. Wer sich nicht binden will, für den wird es teuer. Der Gratis-Gebäudeanschluss umfasst 15 Meter Anbindung von der Grundstücksgrenze bis zur straßenseitigen Gebäudefront.

Redaktion
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