Navis leiteten schon Stunden vor der Sperrung um
Am Mittag stehen die Maschinen schon bereit. In einer Parkbucht auf halber Strecke zwischen Hoffenheim und Zuzenhausen warten Teermaschinen und Arbeitsfahrzeuge auf ihren Einsatz. Daneben Baucontainer, Warnbaken und Schilder. Auf den Umleitungstafeln fällt ein Symbol besonders auf: Ein durchgestrichenes „Navigation“. Die Botschaft ist eindeutig. Wer hier unterwegs ist, soll nicht dem Navi folgen, sondern der ausgeschilderten Strecke. Nur: Zu diesem Zeitpunkt rollt der Verkehr auf der B45 noch ganz normal.
Eigentlich hätte die Vollsperrung bis Montagmittag eingerichtet sein sollen. Die Beschilderung sollte dann vollständig stehen. Doch der Beginn der Maßnahme verzögerte sich. Erst am späten Nachmittag konnte die Straße tatsächlich gesperrt werden. Für viele Autofahrer begann die Umleitung trotzdem schon früher – allerdings nur digital. Bereits am frühen Montagmorgen war die Sperrung bei Google Maps eingetragen. Navigationsgeräte leiteten Fahrzeuge damit schon um, obwohl die Bundesstraße noch frei befahrbar war. Auch die Arbeiter vor Ort bemerkten das. „Plötzlich war hier viel weniger Verkehr“, sagte ein Bauarbeiter, der schon in den vergangenen Tagen Büro- und Aufenthaltscontainer entlang der Strecke aufstellte.
Mit der Sperrung beginnt nun für knapp zwei Monate eine Umleitungsphase, die im Raum Sinsheim spürbare Folgen haben dürfte. Der gesamte Verkehr soll bereits kurz nach Meckesheim von der B45 weggeführt werden: Über die L549 von Eschelbronn nach Waibstadt und von dort über die B292 weiter nach Sinsheim. Für eine direkte Fahrt von Zuzenhausen nach Hoffenheim bedeutet das einen erheblichen Umweg. Statt rund drei Kilometern über die Bundesstraße sind es über die offizielle Strecke etwa 22 Kilometer.
Viele fahren kürzere Wege
Dass viele Autofahrer nach kürzeren Wegen suchen werden, gilt als absehbar. Zahlreiche Navis schlagen schon jetzt eine legale Alternative über die Neufeldsiedlung vor. So schrumpft die Strecke auf rund sechs Kilometer. Für den Schwerverkehr sei diese Route aber nicht gedacht, sagt Florian Zangl, Leiter des Sinsheimer Ordnungsamts. „Der Weg ist nicht geeignet für Lastwagen. Das Regierungspräsidium hat genau deshalb eine breite und belastbare Route ausgeschildert.“ Eine enge Kurve im Wald macht den Begegnungsverkehr für größere Fahrzeuge schwierig.
Feldwege werden kontrolliert
Auch andere Ausweichbewegungen sollen unterbunden werden. Feldwege zwischen den beiden Orten kommen als Schleichrouten immer wieder in den Blick, seit die Sperrung angekündigt wurde. Zangl kündigt Kontrollen an. „Wir als Ordnungsamt und auch die Polizei werden hier durchgreifen“, sagt er. Ein mobiler Blitzeranhänger werde dafür allerdings nicht dauerhaft eingesetzt.
Die Sorge verlagert sich damit zum Teil auf die offizielle Umleitungsroute. Denn auch dort bieten Navis Abkürzungen an, die zwar möglich, aber problematisch sind. Wer der Beschilderung zunächst in Richtung Waibstadt folgt, bekommt teils einen Schlenker über Daisbach vorgeschlagen. Dort gibt es kein Lkw-Durchfahrtsverbot. Auch spezielle Lastwagen-Navis berücksichtigen die Strecke. Ortsvorsteher Daniel Grasmick sieht die Entwicklung mit Sorge. „Das könnte ein großes Problem werden. Ich selbst wohne auf der Durchgangsstraße und sehe ständig, wie schwere Lkw in der Ortsmitte rangieren müssen. Dort stehen auch geparkte Fahrzeuge in der 30er-Zone.“ Am Montag bleibt das alles zunächst noch eine Frage der nächsten Tage.
Deshalb wird die B45 saniert
Hintergrund der Bauarbeiten ist der Zustand der Straße. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Karlsruhe weist die B45 auf rund 2,5 Kilometern Verdrückungen und Ausbrüche im Fahrbahnbelag auf. In einzelnen Abschnitten sei zudem das Querprofil der Fahrbahn zu gering. Die Straße entspreche damit in Teilen nicht mehr den aktuellen Anforderungen an Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. Erneuert werden in beiden Richtungen die Asphaltdeck- und Binderschicht, in Teilbereichen auch die darunterliegende Tragschicht. Hinzu kommen punktuelle Anpassungen des Querprofils, um Entwässerung und Verkehrssicherheit zu verbessern.
Im Sinsheimer Raum sind Straßensanierungen und ihre Nebenwirkungen zuletzt nicht immer auf Verständnis gestoßen. In der Region blieb bei vielen der Eindruck zurück, dass Maßnahmen unnötig nacheinander abgearbeitet wurden, obwohl sie räumlich eng beieinanderlagen – etwa bei Bauarbeiten zwischen Steinsfurt und Adersbach oder entlang der L549 bei Neckarbischofsheim, wo nacheinander Radweg, Straße und nun eine Brücke erneuert werden. Umso auffälliger ist, dass es diesmal anders läuft.
Auch andere Arbeiten laufen zeitgleich
Denn während die B45 voll gesperrt ist, nutzt auch das Landratsamt das geringe Verkehrsaufkommen für eine weitere Maßnahme: Ab Mittwoch, 22. April, werden in Hoffenheim die Fußgängerquerungen mit Ampel im Bereich der Einmündung Eschelbacher Straße vollständig erneuert und modernisiert. Nach Angaben des Amts für Straßen- und Radwegebau werden die Anlagen barrierefrei umgebaut und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Vorgesehen sind unter anderem LED-Signale und eine verbesserte Verkehrserfassung. In der Bauzeit sollen provisorische, ampelgeregelte Übergänge die Querung für Fußgänger sichern. Die Arbeiten dauern voraussichtlich rund drei Wochen. Die Kosten für die neue Ampelanlage trägt der Bund. Zusätzlich lässt die Stadt Sinsheim den Gehweg barrierefrei ausbauen.















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