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Vernetzung unter dem Messeturm: Ein Rückblick auf die Light + Building 2026

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In den Abendstunden, wenn die Sonne hinter den Hallendächern der Frankfurter Messe versinkt, übernimmt das künstliche Licht das Regiment auf dem Gelände. Es ist kein bloßes Leuchten mehr; es ist ein feingliedriges Zusammenspiel aus Sensoren, Datenströmen und LED-Panels. In Halle 3.1, wo die Sonderschau „The Living Light“ den Alltag in Zonen von „Home“ bis „Workplace“ unterteilt hat, ließ sich in der vergangenen Woche beobachten, wie sehr sich die Branche gewandelt hat. Wo früher der bloße Schalterdruck genügte, regeln heute Algorithmen die Farbtemperatur, um die Produktivität zu steigern oder Entspannung zu simulieren.

Die Light + Building 2026, die vom 8. bis 13. März ihre Tore öffnete, war mehr als eine Produktschau. Mit rund 2.000 Ausstellern – drei Viertel davon aus dem Ausland – fungierte sie als Bestandsaufnahme einer Industrie, die sich zwischen technologischer Euphorie und wirtschaftlicher Realität bewegt. Während draußen auf der Agora ein Heißluftballon des Elektrohandwerks als weithin sichtbares Symbol für den Aufbruch stand, wurde in den Hallen nüchtern über Schnittstellen und Wirkungsgrade debattiert.

Integration statt Insellösungen

Das Augenmerk der diesjährigen Leitmesse lag auf der „Sustainable Transformation“. Es geht um die Elektrifizierung des Gebäudebestands, ein Unterfangen, das weit über den Austausch von Leuchtmitteln hinausgeht. Etwa 40 Prozent der Aussteller widmeten sich der vernetzten Gebäudetechnik. Hier fließen Energie, Sicherheit und Digitalisierung zusammen. Die Zeit der isolierten Gewerke scheint vorbei; heute wird das Haus als Gesamtsystem begriffen, in dem die Wärmepumpe mit der Photovoltaikanlage und der Ladesäule in der Garage kommuniziert.

„Die Light + Building 2026 ist ein realistisches Spiegelbild des Marktes mit all seinen Herausforderungen und seiner technologischen Stärke“, konstatierte Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt. In einer Phase tiefgreifender Veränderungen, so Marzin, liefere die Messe vor allem eines: belastbare Entscheidungsgrundlagen.

Zwischen Handwerk und Hochtechnologie

Besonders deutlich wurde der Veränderungsdruck im „E-Haus“ des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Das begehbare Modell demonstrierte die Integration von Künstlicher Intelligenz in den Wohnalltag. Doch hinter der technologischen Fassade stehen handfeste wirtschaftliche Fragen. Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des ZVEH, betonte die notwendige Geschwindigkeit: „Die Branche muss Tempo aufnehmen. Das gilt für die Sanierung der Infrastruktur ebenso wie für die Modernisierung unserer Prozesse.“

Auch von Seiten der Industrie wurden klare Forderungen laut. Wolfgang Weber vom ZVEI verwies auf das Effizienzpotenzial der Megatrends Elektrifizierung und Automatisierung. Die Technologien seien vorhanden, doch für den breiten Einsatz bedürfe es verlässlicher Rahmenbedingungen: „Damit diese in der Breite zum Einsatz kommen, brauchen Unternehmen wie Eigentümer Planungs- und Investitionssicherheit und einen möglichst attraktiven Strompreis.“

Design als Antwort auf komplexe Technik

Dass Innovation nicht nur eine Frage der Programmierung, sondern auch der Gestaltung ist, zeigte die Verleihung des Designplus Awards. Eine Fachjury wählte aus 91 Einreichungen 13 Preisträger aus, die Nachhaltigkeit mit funktionaler Qualität verbinden. Ob es die „Smart & Connected Solutions“ von Unternehmen wie ABB und Basalte sind oder die nachhaltige Standgestaltung von Zumtobel – das Design dient hier oft als Brücke, um die zunehmende Komplexität der Technik für den Nutzer greifbar zu machen.

Gleichzeitig suchte die Messe den Schulterschluss mit der Stadt. Als Frankfurt RheinMain zur „World Design Capital 2026“ wurde, spiegelte sich dies auch auf dem Gelände wider. Formate wie „Young Design“ boten Nachwuchsgestaltern eine Bühne, um Einzelstücke zu präsentieren, die abseits der industriellen Massenfertigung neue ästhetische Impulse setzten.

Am Ende der sechs Messetage bleibt das Bild einer Branche, die ihre Aufgaben präzise benannt hat. Die Lösungen für die Energie- und Gebäudewende sind technisch ausgereift und in den Frankfurter Messehallen zur Schau gestellt worden. Doch die Umsetzung in den Städten und Gemeinden hängt von Faktoren ab, die jenseits der Messeprotokolle liegen: von politischen Weichenstellungen, der Verfügbarkeit von Fachkräften und der Investitionsbereitschaft privater Bauherren. Der Heißluftballon auf der Agora ist mittlerweile wieder abgebaut, die Lichtinszenierungen in Halle 3.1 sind gelöscht. Zurück bleibt die Erkenntnis, dass die Vernetzung der Gebäude erst am Anfang ihrer praktischen Bewährungsprobe steht.

Redaktion
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