Mit Strom für Frösche und Molche
Es klingt nach einer brutalen Methode: Mitte Juni wurde in den Teichen des Hochwasserrückhaltebeckens am Herrenbach in Sinsheim-Eschelbach elektrischer Strom ins Wasser geleitet. Doch anders als in manchen Filmen sollte damit nicht der gesamte Fischbestand getötet werden. Die sogenannte Elektrobefischung dient dazu, Fische gezielt, lebend und möglichst schonend aus einem Gewässer zu holen.
Von einem Boot aus erzeugen Fachleute für kurze Zeit ein kontrolliertes elektrisches Feld. Die Fische richten sich dabei nach den Feldlinien aus und bewegen sich zur positiven Elektrode, die sich an einem speziellen Kescher befindet. Dort können sie eingesammelt werden. Nach dem Abschalten erholen sich die Tiere in der Regel schnell. Ganz ungefährlich ist die Methode allerdings nicht: Eine falsche Stromstärke oder eine unsachgemäße Anwendung können Fische verletzen. Deshalb darf die Elektrobefischung nur von ausgebildeten Fachleuten und mit behördlicher Genehmigung durchgeführt werden.
In Eschelbach geht es tatsächlich um Artenschutz. Die Teiche wurden in den 1980er-Jahren von der Stadt Sinsheim auf Initiative des damaligen Bundes für Vogelschutz Kraichgau angelegt. In dem Gebiet befand sich damals eines der bedeutendsten Grasfroschvorkommen im Raum Sinsheim. Auch seltene Vogelarten wie der Kiebitz fanden dort geeignete Lebensbedingungen.
Im Laufe der Jahre haben sich jedoch zahlreiche Fische angesiedelt. Große Karpfen und Zander, vor allem aber Sonnenbarsche, fressen Laich und Larven von Fröschen, Kröten und Molchen. Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Sonnenbarsch gilt als invasive Art und kann bei hohen Bestandsdichten heimische Tierarten und das ökologische Gleichgewicht eines kleinen Gewässers beeinträchtigen.
Die gefangenen Karpfen, Zander und anderen geeigneten Fische wurden deshalb in ein Angelgewässer des ASV Steinsfurt umgesetzt. Für Sonnenbarsche gilt dagegen eine Entnahmepflicht: Sie dürfen nicht einfach in einem anderen Gewässer ausgesetzt werden. Heimische Kleinfische wie die auf der Roten Liste stehende Rotfeder blieben in den Teichen, da von ihnen keine vergleichbare Gefahr für die Amphibien ausgeht.
Das kühle und regnerische Wetter kam den Fachleuten bei der Aktion entgegen. Bei sommerlicher Hitze könnten die gefangenen Fische während des Zwischenlagerns und des Transports Schaden nehmen. Noch zweimal soll die Elektrobefischung in diesem Jahr wiederholt werden, um verbliebene Tiere und später geschlüpfte Jungfische zu erfassen.
Eine einmalige Aktion reicht dafür nicht aus. Auch in den kommenden Jahren sollen die Teiche regelmäßig kontrolliert und voraussichtlich jährlich befischt werden. Die Voraussetzungen für eine Rückkehr von Fröschen, Kröten und Molchen sind nach Einschätzung der Fachleute gut: Das Wasser ist sauber, und die Umgebung bietet weiterhin geeignete Lebensräume. Der Strom soll die Fische also nicht töten, sondern dabei helfen, die Amphibienteiche wieder zu dem zu machen, wofür sie einst angelegt wurden.













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