Wind und Wetter stoppen Sinsheimer Weihnachts-Tradition nicht
Wenn draußen der Wind um die Häuser fegt und viele Wohnzimmer längst festlich besetzt sind, öffnet das Café SAM am Burgplatz in Sinsheim seine Türen für all jene, die Weihnachten lieber gemeinsam verbringen möchten. Am Heiligabend hieß es dort wieder „Weihnachten gemeinsam“ – ein Angebot, das es inzwischen seit fünf Jahren gibt und das bewusst auf Nähe statt auf große Inszenierung setzt.
Am frühen Abend sind knapp 20 Menschen zusammengekommen, darunter mehrere Kinder, viele Erwachsene, unterschiedliche Generationen und ebenso unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Genau diese Mischung gehört im SAM zum Alltag. Während an einem Tisch Senioren konzentriert Uno spielen, sitzen wenige Meter weiter zwei Erwachsene und zwei Kinder über einem Carrom-Brett. Das aus Südasien stammende Fingerbillard gilt in Ländern wie Indien, Pakistan, Sri Lanka oder Nepal als Volkssport – und passt damit bestens zu einem Ort, an dem internationale Begegnung kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis ist. Auch für die Kinder gibt es Spiele, es wird gelacht, erklärt, ausprobiert.
An Heiligabend musste niemand alleine sein
Eine ältere Sinsheimerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, erzählt, warum sie gekommen ist: An Heiligabend wäre sie sonst alleine, ihr Mann lebt nicht mehr. Mit den Kindern habe sie vormittags noch gebruncht, jetzt seien alle bei ihren eigenen Feiern. „Ich habe es nicht weit hierher. Das ist eine gute Einrichtung“, sagt sie und blickt zufrieden in den Raum. Auch Esmail Quraishi (25) aus Sinsheim ist da, zusammen mit seinem Bruder und dessen drei Kindern. Für sie ist es kein spontaner Besuch, sondern Tradition. „Wir kommen jedes Jahr hierher und haben uns schon gefreut“, sagt er. Zuhause wären sie zwar nicht allein gewesen, „aber hier kommen wir unter andere Leute. Das ist schön“. Ein Satz, der an diesem Abend öfter mitschwingt.















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