Sinsheim

Weitere Tempo 30-Pläne für Weiler bleiben vorerst auf der Strecke

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Weitere Tempo 30-Pläne für Weiler bleiben vorerst auf der Strecke

Warum zwei Ex-Polizisten und der Ortsvorsteher nicht lockerlassen

Dieter Hildenbrand und Jürgen Konetzki stehen an der Kaiserstraße und machen sich schmal. Viel Platz bleibt ihnen nicht: Der Gehweg hier, am nördlichen Ende von Weiler, ist an manchen Stellen so eng, dass ein Rollator oder ein Kinderwagen auf die Straße ausweichen muss. Die Autos brausen dicht mit 50 Kilometern pro Stunde vorbei. Die beiden Männer, 87 und 84 Jahre alt, sind ehemalige Polizisten, Jahrzehnte im Dienst, Mitglieder der Verkehrswacht. Sie kennen die Paragrafen – und genau deshalb wurmt sie die aktuelle Situation in ihrem Dorf gewaltig.

Hoffnung nach neuer Tempo 30-Zone im Dorf

Hildenbrand und Konetzki geht es vor allem um Sicherheit. Dass Weiler seit einem Monat auf der Seite nach Hilsbach plötzlich 30er-Schilder bekommen hat, freut sie zwar – aber es macht sie auch fassungslos. Denn dort, wo die Schilder beginnen, blickt man auf ein Autohaus und eine leerstehende Industriehalle. Hier, wo sie wohnen, stehen die Häuser direkt an der Fahrbahn, und Schüler drängen sich an der Bushaltestelle „Grötzenstraße“. Hier bleibt der Tacho bei 50.

In Sinsheim Weiler kaempfen Anwohner fuer neue Tempo 30 Zonen 1

v.l. Jürgen Konetzki und Dieter Dieter Hildenbrand stellen fest: Die Gehwege sind zu schmal für Kinderwagen und Rollator

Seit Jahren schreiben die beiden Rentner Briefe, wälzen Gesetzestexte und bohren bei der Stadtverwaltung nach. Früher, so erzählen sie beim Vor-Ort-Termin in der Spervogelstraße, habe das Rathaus beim Thema Tempo 30 konsequent gemauert. Unter einem neuen Oberbürgermeister keimte bei den Beiden Hoffnung auf, doch die juristische Ernüchterung folgte auf dem Fuße.

Ex-Polizisten sehen mehrere Gefahrenstellen

„Warum ist das hier kein sensibler Bereich?“, fragt Dieter Hildenbrand und deutet auf die Bushaltestelle, an der täglich viele Schüler ein- und aussteigen. „Reicht das nicht? Kaum Gehwege und Schülerverkehr?“ Auf der einen Seite des Dorfes reichen Zebrastreifen und Seniorenheim, um die Lücke zum Ortskern zu schließen. Auf ihrer Seite, wo die Serpentinenstrecke aus Sinsheim in den Ort mündet und die Autos den Berg hinunterrollen, fehlt dieser rechtliche Ankerpunkt. Für die Beiden ist das ein Paradoxon.

In Sinsheim Weiler kaempfen Anwohner fuer neue Tempo 30 Zonen 2

Der Laster fährt einen Schlenker um Jürgen Konetzki.

Stadt hat keine Handhabe

Florian Zangl, Leiter des Sinsheimer Ordnungsamtes, kennt die Argumente der Weilerer nur zu gut. Er hat den Bereich geprüft, die Polizei war vor Ort, die Akten wurden gewälzt. Das Ergebnis ist aus Sicht der Behörde klar: „Aktuell besteht keine Möglichkeit“, so Zangl. Die innerörtliche Regelgeschwindigkeit betrage nun mal 50 km/h. Da Weiler laut Lärmaktionsplan als „zu leise“ gilt und keine Schule oder Kita direkt an diesem Abschnitt liegt, sind die rechtlichen Möglichkeiten laut Ordnungsamt „erschöpft“.

Ortvorsteher gibt nicht auf

Manfred Wiedl, Ortsvorsteher von Weiler und selbst ehemaliger Polizist, hat die Akte noch lange nicht geschlossen. „Den Lückenschluss der 30er-Begrenzung wünscht sich auch der Ortschaftsrat schon lange, da muss nichts neu erfunden werden“, betont Wiedl. Er sieht einen neuen rechtlichen Hebel, der die Blockade lösen könnte: Die Bushaltestellen. Wiedl setzt nun auf den Schülerverkehr. Sein Plan: Die Haltestellen in Weiler-Mitte und im Norden offiziell als Schulbushaltestellen zu deklarieren. „Unser Ziel ist es, dass wir Tempo 30 dort doch noch hinbekommen“, gibt sich Wiedl kämpferisch. Wenn dieser Bereich rechtlich als sensibler Schulwegbereich anerkannt wird, könnten die Karten neu gemischt werden und in ganz Weiler künftig Tempo 30 gelten.

Auch die kreative Idee der beiden Ex-Polizisten Konetzki und Hildenbrand, das Ortsschild einfach um 260 Meter in Richtung Sportplatz zu versetzen, um den Ort künstlich zu „erweitern“ und damit den Bremsweg zu verlängern, schmetterte das Sinsheimer Rathaus ab. Die Vorschriften zum Standort einer Ortstafel seien da unerbittlich. Und ein „Lückenschluss“? „Es gibt aktuell keine Lücke zu schließen“, erklärt Zangl, da es am Ortsende kein zweites 30er-Stück gibt, zu dem man eine Brücke bauen könnte. Dazu kommt: Die Unfalllage sei „gänzlich unauffällig“, heißt es aus dem Rathaus.

Rentner kämpfen weiter

Dass eine Sonderregelung den Durchbruch brachte, dient den Männern als Beweis, dass dicke Bretter mit langem Atem gebohrt werden können. Die beiden Rentner denken jedenfalls nicht ans Aufhören. Dafür steckt ihnen der Polizeidienst zu sehr in den Knochen. Sie werden weiter prüfen, weiter schreiben und weiter darauf hinweisen, dass Sicherheit nicht nur dort stattfinden darf, wo ein Seniorenheim als Türöffner für Tempo 30 fungiert.

Redaktion
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