Kampf mit dem Sommerwetter
Draußen lacht die Sonne, drinnen in der Dr.-Sieber-Halle warten 50 achtbeinige Exoten auf Kundschaft. „Welt der Riesenspinnen“ nennt sich die eintägige Wanderausstellung, die am Sonntag in Sinsheim Station machte. Doch der ganz große Ansturm auf die 60 Terrarien blieb aus. „Es ist eben ein sehr nischiges Thema“, gibt Novalie Sperlich zu. Wenn dann noch gutes Wetter herrscht und abends die deutsche Nationalmannschaft kickt, wird es für die Spinnen-Präsentatoren eng in der Stadthalle.
Wie ein niedersächsisches Ehepaar von 50 exotischen Achtbeinern lebt
Hinter der Krabbel-Schau steckt das Ehepaar Sperlich aus Helmstedt in Niedersachsen. Für Sidney Sperlich (36) ist die Ausstellung die Erfüllung eines Kindheitstraums. Im Alter von fünf Jahren bekam er von seinem Vater die erste Spinne geschenkt – der Beginn einer lebenslangen, haarigen Leidenschaft. Heute lebt das Paar von den Touren. Und der Nachwuchs steht schon in den Startlöchern: Der 18 Monate alte Sohn wächst im heimischen Weingewölbe, wo die Tiere zwischen den Terminen in Großraum-Terrarien leben, völlig angstbefreit auf. „Der streichelt schon die Spinnen“, erzählt Mama Novalie.
Nach Heidelberg auch Sinsheim mau
Dass das Tournee-Leben als Spinnen-Aussteller nicht einfach ist, zeigt das aktuelle Wochenende. Schon am Samstag in Heidelberg lief das Geschäft mies, die Sperlichs blieben auf den Kosten sitzen. Deshalb schauen sie bei den Locations genau aufs die Miete. „An Halloween läuft es deutlich besser, da passt das Thema perfekt“, weiß das Paar.
Dabei bietet die Ausstellung für zehn Euro Eintritt ein echtes Kontrastprogramm zum Gruseln: Schocktherapie. Sidney Sperlich gilt als echter „Spinnenflüsterer“ und nutzt die Ruhe vor den Glaskästen, um den Besuchern die tiefsitzende Arachnophobie zu nehmen. Wer sich traut, darf unter seiner Anleitung eine echte Vogelspinne auf die Hand nehmen. Am Morgen, so erzählt er, kam eine Mutter eigentlich nur wegen ihrer Kinder – und ging am Ende mit viel weniger Spinnenangst nach Hause, weil sie den Achtbeiner auf der eigenen Haut spürte.
Neben den Stars, den Vogelspinnen, krabbelten in der Dr.-Sieber-Halle übrigens noch Tausendfüßler, Skorpione und skurrile Pferdekopfschrecken. Nach dem zähen Sinsheimer Stopp verlädt das Ehepaar seine Schützlinge nun erst einmal wieder in den beheizten Transporter. Es geht in eine kleine Sommerpause, bevor Mitte Juli in Nürnberg das Krabbeln in die nächste Runde geht. Bis dahin hoffen die Sperlichs auf etwas schlechteres Wetter – oder zumindest auf spielfreie Tage der Nationalelf.













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