2025 wurden 24,9 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen
Die Binnenschifffahrt spielt beim Transport großer Mengen von Waren eine wichtige Rolle. In Baden-Württemberg werden dafür vor allem Rhein und Neckar genutzt. Die derzeitige Niedrigwasserlage macht den Transport auf dem Wasser allerdings schwieriger. Aus diesem Anlass hat das Statistische Landesamt die Entwicklung der Binnenschifffahrt über einen längeren Zeitraum betrachtet. Dabei zeigt sich: Trotz einzelner Jahre mit steigenden Mengen ist das Transportvolumen in Baden-Württemberg in den vergangenen 30 Jahren insgesamt deutlich zurückgegangen und hat sich nahezu halbiert.
Im Jahr 2025 wurden an den baden-württembergischen Häfen und Umschlagstellen insgesamt 24,9 Millionen Tonnen Güter auf Binnenschiffe geladen oder von ihnen entladen. Gegenüber 2024 war das ein Anstieg um 2,1 Prozent. Damit nahm der Güterumschlag das zweite Jahr in Folge zu. Zuvor war er von 2020 bis 2023 jedes Jahr zurückgegangen.
Weniger Container auf den Binnenschiffen
Anders entwickelte sich zuletzt der Containerverkehr. Im Jahr 2024 wurden noch 167.302 TEU mit Binnenschiffen befördert, 2025 waren es nur noch 150.302 TEU. Das entspricht einem Rückgang um genau 17.000 TEU beziehungsweise 10,2 Prozent. TEU ist eine international verwendete Maßeinheit für Container. Ein TEU entspricht einem üblichen 20-Fuß-Standardcontainer.
Der gesamte Güterumschlag wird anders berechnet. Er umfasst alle Güter, die auf der Wasserseite ein- oder ausgeladen werden. Bei Containern wird dabei auch das Gewicht des Containers selbst berücksichtigt.
Niedrigwasser und Hochwasser sorgen für starke Schwankungen
Die Entwicklung der Binnenschifffahrt verläuft nicht gleichmäßig. Auf Jahre mit niedrigen Transportmengen können wieder Jahre mit steigenden Mengen folgen. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Schifffahrt stark von äußeren Bedingungen abhängig ist. Niedrigwasser und Hochwasser können den Verkehr ebenso beeinträchtigen wie Unfälle, sogenannte Havarien, oder gesperrte Schleusen.
Über mehrere Jahrzehnte zeigt sich trotz dieser Schwankungen ein klarer Rückgang der insgesamt transportierten Gütermenge. Gleichzeitig hat sich verändert, in welche Richtung die Waren transportiert werden. Zwischen 1996 und 2005 machten Güter, die in Baden-Württemberg per Schiff ankamen, durchschnittlich 54,9 Prozent des gesamten Umschlags aus. Es kamen also mehr Güter an, als per Schiff verschickt wurden.
Zwischen 2006 und 2015 sank der Anteil der empfangenen Güter auf durchschnittlich 52,5 Prozent. In den Jahren 2016 bis 2025 waren es schließlich nur noch 49,8 Prozent. Empfang und Versand sind damit inzwischen nahezu ausgeglichen.
Rund 2.500 Schiffe pro Monat
Auch bei der Zahl der eingesetzten Schiffe zeigt sich eine Veränderung. Im Jahr 2025 wurden durchschnittlich 2.518 Schiffe pro Monat registriert. Dabei werden Schiffe mit und ohne eigenen Antrieb berücksichtigt. Zuletzt wurde die Marke von 3.000 Schiffen in einem einzelnen Monat im März 2022 überschritten. Seitdem wurde dieser Wert nicht mehr erreicht.
Für 2026 liegen bislang vorläufige Zahlen für Januar bis Mai vor. In diesen fünf Monaten wurden durchschnittlich 2.562 Schiffe pro Monat gezählt.
Bei Niedrigwasser können mehr Schiffe für weniger Fracht nötig sein
Niedrigwasser bedeutet nicht automatisch, dass sofort weniger Schiffe unterwegs sind. Häufig steigt ihre Zahl zunächst sogar. Weil die Schiffe wegen des niedrigen Wasserstands weniger tief im Wasser liegen dürfen, können sie nicht mehr vollständig beladen werden. Für die gleiche Warenmenge werden dadurch mehr Fahrten oder mehr Schiffe benötigt. Trotzdem sinkt die transportierte Menge je Schiff und schließlich häufig auch der gesamte Güterumschlag.
Bei Hochwasser sieht die Situation anders aus. Dann kann die Befahrbarkeit der Wasserstraßen direkt eingeschränkt werden, sodass weniger Schiffe unterwegs sind. Rhein und Neckar reagieren außerdem unterschiedlich auf niedrige Wasserstände. Der Neckar ist durch Schleusen reguliert. Dadurch lassen sich die Auswirkungen niedriger Pegelstände zumindest zeitweise hinauszögern. Der Rhein ist dagegen unmittelbarer von Niedrigwasser betroffen.
Ein großes Güterschiff kann bis zu 150 Lkw ersetzen
Fallen Transporte auf dem Wasser aus, können Waren teilweise auf die Schiene oder auf Lastwagen verlagert werden. Das ist allerdings nicht ohne Weiteres möglich. Ein großes Güterschiff kann nach Angaben des Statistischen Landesamtes bis zu 150 Lkw ersetzen. Eine Verlagerung auf die Straße benötigt deshalb entsprechend viele Lastwagen, Fahrer und zusätzlichen Platz auf den Straßen.
Hinzu kommt, dass nicht alle Güter problemlos mit anderen Verkehrsmitteln transportiert werden können. Manche Ladungen sind aufgrund ihrer Größe oder ihres Gewichts auf den Transport per Schiff angewiesen. Bei anderen Gütern ist die Binnenschifffahrt vor allem wegen der Transportkosten das bevorzugte Verkehrsmittel.
Folgen der aktuellen Niedrigwasserlage werden erst später sichtbar
Wie stark sich die derzeit niedrigen Pegelstände tatsächlich auf den Güterverkehr in Baden-Württemberg auswirken, lässt sich noch nicht genau sagen. Die entsprechenden statistischen Daten liegen erst mit zeitlicher Verzögerung vor. Genauere Zahlen für die Monate Juli, August und September sollen im Herbst verfügbar sein.












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