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Wie der Schwarzspecht im Odenwald über 60 Tierarten ein Zuhause schenkt

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Wie der Schwarzspecht im Odenwald über 60 Tierarten ein Zuhause schenkt
Ein Schwarzspecht vor seiner Höhle. (Foto: Niels Meffert)

Größter Specht Europas hämmert mit 17 Schlägen pro Sekunde

Aufmerksame Waldbesucherinnen und -besucher hören gelegentlich ein Trommeln durch den Wald schallen. Das ist dann jedoch meistens keine musikalische Performance, sondern der Schwarzspecht, der gerade auf der Suche nach Nahrung ist oder eine Baumhöhle anlegt – mit bis zu 17 Schlägen pro Sekunde.

Der Schwarzspecht im Odenwald

Der Schwarzspecht ist der größte europäische Specht, etwa so groß wie eine Krähe misst er von Kopf bis zur Schwanzspitze bis zu 50 Zentimeter. Er kommt, wie der Name vermuten lässt, in einem mattschwarzen Federkleid daher. Lediglich auf dem Kopf hat er einen auffälligen roten Scheitel. Der Schnabel ist weiß bis gelblich.

Die Leibspeise des Spechts sind holzbewohnende Insekten, also Ameisen, Käfer und Hautflügler wie zum Beispiel Holzwespen. Diese findet der Specht, indem er die Rinde von befallenen Bäumen abhackt und ablöst. Je nach Jahreszeit kommen Früchte und Samen dazu, im Winter Ameisenhaufen. Ergänzend stehen Schnecken und Gelege anderer Höhlenbrüter auf seinem Menüplan. Außerdem hackt der Specht Äste an, um Baumsaft aufzulecken.

 „Zimmermann des Waldes“

„Bei der Borkenkäfersuche ist mir der Specht eine große Hilfe. Er hat genau den Riecher, wo die Käferlarven unter der Rinde sitzen. Durch seine „Spechtabschläge“ – also die Stellen am Baumstamm, an denen der Specht Rindenschuppen abschlägt – finde ich die befallenen Käferbäume viel schneller“, erklärt Jann Benjamin Lohe, Trainee am Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises, der während seines zweijährigen Programms zur Qualifikation für den gehobenen Forstdienst die Revierleitungen unter anderem beim Borkenkäfermonitoring unterstützt.

Schwarzspechte bilden jedes Jahr Paare, die dann monogam die Brut aufziehen. Die Balz findet im Februar statt, dann legt das Weibchen zwei bis sechs Eier in die selbstgezimmerte Bruthöhle. Nach zwölf Wochen schlüpfen die jungen Spechte, etwa vier Wochen später sind sie flügge.

Als Brutrevier und Lebensraum dienen alte Wälder mit hallenartigem Bestandsaufbau und geschlossenem Kronendach. Dort wird, bevorzugt in einer Buche oder einem anderen Stamm mit glatter Rinde, die Spechthöhle angelegt. Sie liegt für gewöhnlich nicht in der Baumkrone, sondern zwei bis drei Meter unter dem ersten Ast. Direkt vor dem Flugloch dürfen nämlich keine Äste oder anderen Bäume stehen, sonst kann der Specht die Höhle nicht anfliegen. Da die Höhlen bis zu einem halben Meter tief in den Stamm geklopft werden, eignen sich nur große, alte und vor allem dicke Bäume.

Serie des Kreisforstamts über seltene Waldbewohner

Der Schwarzspecht ist ziemlich standorttreu, er wandert also mit seinem Revier kaum. Dies führt dazu, dass oft an einem Standort eine Klumpung von Höhlenbäumen zu finden ist. Er bearbeitet immer viele Höhlen gleichzeitig, jedoch wird nur alle drei bis sieben Jahre eine fertiggestellt. Noch unfertige Höhlen erkennt man vor allem an der hellen Holzfärbung und natürlich an der noch fehlenden Tiefe. Ein frisch erstelltes Flugloch ist eiförmig, mit dem Alter wird es dann runder und grauer. Zieht der Specht aus, beginnt die Baumhöhle wieder zuzuwachsen. So kann nach etwa 10 Jahren der Höhleneingang wieder geschlossen sein, der Hohlkörper im Stamm jedoch verbleiben.

Wegen der Höhlen wird der Specht auch „Zimmermann des Waldes“ genannt. Wenn er aus der Höhle auszieht, bietet sie etwa 60 anderen Arten einen Schlaf- oder Überwinterungsplatz, ein Nahrungsdepot oder einen Platz zur Aufzucht der Jungen. Dazu gehören zum Beispiel Siebenschläfer, Hohltauben, Raufußkäuze, Hornissen, Baummarder, und sogar Schellenten. Viele dieser Großhöhlenbewohner sind gefährdet und könnten ohne diese Schwarzspechthöhlen den Wald gar nicht besiedeln.

Wer die Höhle übernimmt, hängt von ihrem Zustand ab. Ist die Höhle noch in gutem Zustand, wird sie nochmals von einem größeren Tier, einem Säugetier oder Vogel in Beschlag genommen. Je weiter sie dann zuwächst, desto interessanter wird sie für Pilze, Käfer, und Fliegen – so bietet selbst eine komplett wieder zugewachsene Höhle ein wertvolles Mikrohabitat für spezialisierte Käferarten. Im Stamm entsteht eine sogenannte Mulmhöhle aus verrottendem Holz.

Warum der Schwarzspecht für Förster im Kreis unersetzlich ist

Der Waldnaturschutzbeauftragte des Kreisforstamtes, Fabian Ernst, weiß um den großen Wert der Spechthöhlen: „Jede einzelne Spechthöhle ist ein wertvolles Mosaiksteinchen im großen Lebensraum Wald. Daher liegt unser besonderes Augenmerk auf dem Schutz von Höhlenbäumen. Wird bei der Waldbewirtschaftung eine Baumhöhle entdeckt, so wird der Baum stets stehengelassen. Die Försterinnen und Förster wählen außerdem, verteilt über die ganze Waldfläche, Baumgruppen aus, die speziell markiert und ebenfalls dauerhaft stehengelassen werden. Wir versuchen also mit verschiedenen Maßnahmen, den Lebensraum des Schwarzspechtes und aller seiner Nachmieter im Wald zu schützen.“

Redaktion
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