Wirtschaft entwickelt sich in den Landkreisen unterschiedlich
Die Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg haben im Jahr 2024 zusammen ein Bruttoinlandsprodukt von rund 652 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das waren 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP, gibt den Wert aller Waren und Dienstleistungen an, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums hergestellt beziehungsweise erbracht werden.
Nach Angaben des Statistischen Landesamtes entwickelte sich die Wirtschaft in den 44 Stadt- und Landkreisen allerdings sehr unterschiedlich. In 35 Kreisen lag das BIP über dem Wert des Vorjahres, in neun Kreisen ging es zurück. Die Entwicklung reichte von einem Minus von 4,1 Prozent im Stadtkreis Pforzheim bis zu einem Plus von 6,0 Prozent im Stadtkreis Heidelberg.
Zahlen berücksichtigen auch Preissteigerungen
Bei diesen Angaben handelt es sich um sogenannte nominale Werte. Das bedeutet, dass Preissteigerungen nicht herausgerechnet werden. Ein höheres BIP bedeutet deshalb nicht automatisch, dass tatsächlich entsprechend mehr Waren hergestellt oder Dienstleistungen erbracht wurden. Auf Ebene der einzelnen Kreise gibt es keine preisbereinigten BIP-Zahlen, weil dafür keine entsprechenden regionalen Preisindizes vorliegen.
Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt die Entwicklung für ganz Baden-Württemberg: Nominal stieg das BIP von 2023 auf 2024 um 1,5 Prozent. Preisbereinigt, also nach Herausrechnung der Preisentwicklung, sank die Wirtschaftsleistung dagegen um 1,6 Prozent.
Industrie sorgt in mehreren Kreisen für Rückgänge
Besonders deutlich ging das nominale BIP im Stadtkreis Pforzheim zurück. Dort lag es 4,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Landkreis Freudenstadt betrug das Minus 3,6 Prozent und im Landkreis Heilbronn 2,5 Prozent.
In allen neun Kreisen mit einem rückläufigen BIP sank auch die Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes. In Pforzheim ging sie um 20,4 Prozent zurück, im Landkreis Freudenstadt um 15,1 Prozent und im Landkreis Heilbronn um 10,0 Prozent. Die Entwicklung in den übrigen Wirtschaftsbereichen reichte in diesen Kreisen nicht aus, um die Verluste der Industrie auszugleichen.
Stuttgart erreicht mehr als 122.000 Euro BIP pro Einwohner
Umgerechnet auf die Bevölkerung lag das Bruttoinlandsprodukt in Baden-Württemberg 2024 bei durchschnittlich 58.018 Euro je Einwohnerin und Einwohner. Das waren 1,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zwischen den Stadtkreisen und den Landkreisen bestehen dabei große Unterschiede. In den Stadtkreisen wurden durchschnittlich 89.825 Euro pro Kopf erreicht, in den Landkreisen waren es 50.777 Euro.
Auch zwischen den einzelnen Kreisen ist die Spannweite groß. Den niedrigsten Wert verzeichnete der Landkreis Waldshut mit 36.309 Euro je Einwohner. Den höchsten Wert erreichte die Landeshauptstadt Stuttgart mit 122.278 Euro.
Viele Pendler beeinflussen das BIP pro Einwohner
Das BIP pro Einwohner zeigt allerdings nicht einfach, wie wohlhabend die Menschen in einem Kreis sind. Die Wirtschaftsleistung wird dort gezählt, wo gearbeitet und produziert wird. Anschließend wird sie für die Pro-Kopf-Berechnung durch die Zahl der Menschen geteilt, die dort wohnen.
Das macht besonders bei Pendlerbewegungen einen Unterschied. Kommen jeden Tag viele Menschen aus anderen Kreisen zum Arbeiten in eine Stadt, tragen sie dort zur Wirtschaftsleistung bei, werden aber nicht zur dortigen Wohnbevölkerung gezählt. Dadurch kann das BIP pro Einwohner vergleichsweise hoch ausfallen. In Regionen, aus denen viele Menschen zum Arbeiten in andere Kreise pendeln, kann der Wert dagegen niedriger sein.
Böblingen mit höchster Arbeitsproduktivität
Eine weitere Möglichkeit für den Vergleich ist deshalb das Bruttoinlandsprodukt je erwerbstätiger Person am Arbeitsort. Diese Kennzahl wird auch als Arbeitsproduktivität bezeichnet. Für Baden-Württemberg lag sie 2024 bei durchschnittlich 101.640 Euro je erwerbstätiger Person.
Auch hierbei gibt es deutliche regionale Unterschiede. Den höchsten Wert erreichte der Landkreis Böblingen mit 149.598 Euro je erwerbstätiger Person. Am niedrigsten lag die Arbeitsproduktivität im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald mit 80.929 Euro.












Rückmeldung an den Autor?