Trend zum Zweitjob
Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Südwesten sichern ihr Einkommen mit einer zusätzlichen Beschäftigung ab oder nutzen steuerfreie Hinzuverdienstmöglichkeiten. Wie das Statistische Landesamt Baden-Württemberg nach der Auswertung der offiziellen Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit mitteilt, hat sich die Zahl der Personen mit einem sozialversicherungspflichtigen Hauptjob und einer zusätzlichen geringfügigen Nebentätigkeit im Zeitraum von 2005 bis 2025 im Land mehr als verdoppelt.
Der Trend zur Mehrfachbeschäftigung zieht sich flächendeckend durch alle Stadt- und Landkreise des Bundeslandes, weist jedoch regional teils erhebliche Dynamiken und Zuwachsraten auf.
Große regionale Unterschiede: Biberach und Stuttgart als Spitzenreiter
Die statistischen Zuwächse bei den Nebenjobbern fallen regional stark unterschiedlich aus. Die prozentuale Spannweite der Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten reicht von einem Plus von 76,0 Prozent im Landkreis Lörrach bis hin zu einem Rekordanstieg von 178,7 Prozent im Landkreis Biberach.
In absoluten Zahlen betrachtet verzeichnen vor allem die bevölkerungsstarken Regionen und Ballungsräume den stärksten Zulauf:
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Stadtkreis Stuttgart: Höchster absoluter Anstieg im Land mit über 15.100 zusätzlichen geringfügigen Nebenjobbern.
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Ortenaukreis: Zuwachs um knapp 15.000 Personen.
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Landkreis Ludwigsburg: Ebenfalls ein Plus von knapp 15.000 Personen im Nebenberuf.
In allen Kreisen des Südwestens stieg die Zahl der Beschäftigten mit Minijob im betrachteten Zeitraum im Verhältnis wesentlich stärker als die Gesamtzahl der regulär sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Süd-Nord-Gefälle im Südwesten: Wo Nebenjobs am häufigsten sind
Um die regionale Verteilung vergleichbar zu machen, haben die Statistiker die Anzahl der Nebenjobber ins Verhältnis zu je 1.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gesetzt. Für das Jahr 2025 zeigt sich dabei ein deutliches Süd-Nord-Gefälle innerhalb Baden-Württembergs.
Besonders hoch ist die Dichte an Zweitjobs im Süden des Landes:
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Landkreis Ravensburg: 154 Mini-Nebenjobs pro 1.000 Hauptbeschäftigten (Spitzenwert)
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Landkreis Sigmaringen: 147 Mini-Nebenjobs pro 1.000 Hauptbeschäftigten
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Alb-Donau-Kreis: 146 Mini-Nebenjobs pro 1.000 Hauptbeschäftigten
Am unteren Ende der Skala rangieren hingegen die großen Universitäts- und Stadtkreise im Norden und Nordwesten. Den landesweit geringsten Anteil an Nebenjobbern wies der Stadtkreis Heidelberg mit lediglich 96 Minijobs je 1.000 Hauptbeschäftigten auf, gefolgt vom Stadtkreis Karlsruhe (104) und dem Stadtkreis Mannheim (109).
Methodischer Hinweis der Statistiker
Für die Auswertung auf Kreisebene legte das Statistische Landesamt den Wohnort der Beschäftigten zugrunde. Da bei Mehrfachbeschäftigungen der Arbeitsort des Hauptjobs und der Arbeitsort des Nebenjobs oft in unterschiedlichen Kreisen liegen, liefert die Betrachtung nach dem Wohnsitz ein deutlich präziseres Bild der tatsächlichen Lebensrealität der Menschen.
Hintergrund: Das Regelwerk hinter dem Minijob
Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse – im Volksmund als Minijobs bekannt – umfassen entweder geringfügig entlohnte Beschäftigungen (seit dem 1. Januar 2026 liegt die monatliche Verdienstgrenze bei 603 Euro) oder kurzfristige Beschäftigungen von maximal 70 Arbeitstagen pro Kalenderjahr. Der Anteil der geringfügig entlohnten Tätigkeiten macht rund 98 bis 99 Prozent aller Nebenjobs aus.
Grundsätzlich gilt:
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Keine eigene Sozialversicherung: Im Rahmen des Minijobs fallen für Arbeitnehmer keine eigenen Beiträge zur Kranken-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung an. Der Minijob baut somit keine eigene soziale Absicherung auf, weshalb der sozialversicherungspflichtige Hauptjob das finanzielle und abgesicherte Fundament bildet.
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Genehmigungspflicht: Die Aufnahme einer Nebentätigkeit erfordert in der Regel die vorherige Zustimmung des Hauptarbeitgebers.
Tiefergehende Analysen nach Altersstruktur, Geschlecht und weiteren Personenmerkmalen sowie ein umfassender Bundesländervergleich sind in der Doppelausgabe 6+7/2026 des Statistischen Monatshefts Baden-Württemberg erschienen.
Die Kennzahlen zur Nebenbeschäftigung im Überblick
| Indikator / Region | Kennzahl / Ausprägung | Trend / Einordnung |
| Entwicklung Landesweit (2005–2025) | Über 100 % Anstieg | Mehr als Verdopplung der Zweitjobber |
| Höchster prozentualer Zuwachs | Landkreis Biberach (+178,7 %) | Stärkste Dynamik auf Kreisebene |
| Geringster prozentualer Zuwachs | Landkreis Lörrach (+76,0 %) | Dennoch spürbarer Anstieg |
| Größter absoluter Zuwachs | Stadtkreis Stuttgart (+15.100) | Ortenaukreis & Ludwigsburg knapp dahinter |
| Höchste Nebenjob-Dichte (2025) | Landkreis Ravensburg (154 / 1.000) | Regio-Schwerpunkt im Süden |
| Geringste Nebenjob-Dichte (2025) | Stadtkreis Heidelberg (96 / 1.000) | Universitätsstädte am Ende der Skala |
| Minijob-Verdienstgrenze (seit 2026) | 603 Euro / Monat | Geringfügigkeitsgrenze |












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