Hatten Sie am gestrigen 1. April auch ein leises Ticken im Ohr? Falls ja, lag das hoffentlich nicht an unserem vermeintlichen Small‑Modular‑Reactor‑Pilotprojekt am Lammerskopf. Wir lösen auf: Die Pressemitteilung über den „Modularen Energie‑Wende‑Atomreaktor“ im Stadtwald war natürlich unser diesjähriger Aprilscherz.

© BEG Kraichgau. v.l. Vorstandsvorsitzender Holger Steuerwald, Aufdach-PV Vorstand Dennis Koppenhöfer, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit Sarah von Keudell, Freiflächen-PV Vorstand Florian Oeß
Aber Spaß beiseite. Die Meldung hat – wie erhofft – für Gesprächsstoff gesorgt. Und genau das war unser Ziel. Der satirische Blick auf ein angebliches Mini‑Atomkraftwerk im Wald sollte zeigen, wie absurd manche vermeintlich einfachen „Lösungen“ in der Energiedebatte wirken, wenn man sie konsequent zu Ende denkt. Vor allem aber wollte er den Blick auf die wirklich relevanten Fragen lenken: Wie wollen wir unsere Energieversorgung künftig sichern? Und mit welchen Technologien, Strukturen und Akteuren ist das realistisch, bezahlbar und gesellschaftlich tragfähig?
Für die BürgerEnergieGenossenschaft Kraichgau und die Heidelberger Energiegenossenschaft (HEG) ist die Antwort darauf seit jeher klar: Die Energiewende gelingt nur 100% erneuerbar, 100 % regional und mit starker Bürgerbeteiligung.
Die Wahrheit ist: Die Energiewende ist keine Frage technischer Wunderwaffen, sondern eine Aufgabe, die nur im Zusammenspiel verschiedener erneuerbarer Technologien gelingen kann. Wind‑ und Sonnenenergie sind dabei keine Gegensätze, sondern ergänzen sich sinnvoll über das Jahr und über Tageszeiten hinweg. Genau deshalb engagieren wir uns – gemeinsam mit weiteren Bürgerenergiegenossenschaften in der Region – sowohl für große Freiflächen‑Photovoltaikanlagen wie den Bürger.Solarpark Eppingen als auch für Windenergieprojekte wie den Bürger.Windpark am Lammerskopf.
Diese Projekte stehen exemplarisch für eine dezentrale Energieversorgung, die dort entsteht, wo sie gebraucht wird, und von den Menschen getragen wird, die vor Ort leben. Bürgerenergie bedeutet dabei weit mehr als Stromerzeugung. Sie schafft regionale Wertschöpfung, weil Investitionen, Erlöse in der Region bleiben, statt dauerhaft in internationale Energieimporte aus Gas‑ oder Ölmärkten zu fließen. Sie ermöglicht, den erzeugten Strom gemeinsam mit lokalen Unternehmen und Stadtwerken vor Ort zu nutzen und damit Netze zu entlasten – außerdem hält sie zahlreiche Arbeitsplätze in der Region. Und sie denkt Versorgung ganzheitlich: mit Investitionen in Speichertechnologien, damit erneuerbarer Strom auch dann verfügbar ist, wenn Wind und Sonne einmal Pause machen.
Gleichzeitig endet Energiewende in Bürgerhand nicht beim Strom. Mit Nahwärmenetzen, Mieterstrommodellen und Ladeinfrastruktur für Elektromobilität bringen wir erneuerbare Energie direkt in Quartiere, Wohnungen und den Alltag der Menschen. Genau dieser sektorübergreifende Ansatz – Strom, Wärme und Mobilität bürgerschaftlich gemeinsam zu denken – ist entscheidend, um eine sozial gerechte und langfristig stabile Versorgungssicherheit zu erreichen.
Teure Energieimporte aus dem Ausland, ob Gas oder Öl, machen uns dagegen dauerhaft abhängig von geopolitischen Krisen und Preisschwankungen. Und auch die immer wieder aufkommenden Ideen zur Rückkehr zur Atomkraft sind bei nüchterner Betrachtung weder kurzfristig umsetzbar noch wirtschaftlich darstellbar – ganz abgesehen von den ungelösten Fragen der Endlagerung und gesellschaftlichen Akzeptanz. Die wirkliche Alternative liegt längst vor unserer Haustür: in Wind, Sonne und einer Energieversorgung, die in den Händen vieler Bürgerinnen und Bürger liegt.
Das Wichtigste dabei sind die Menschen selbst. Als Mitglied der BEG Kraichgau oder der HEG sind Bürgerinnen und Bürger nicht bloß Konsumentinnen und Konsumenten, sondern Miteigentümer und Mitgestalter. Sie profitieren finanziell von den Erträgen aus Wind‑ und Sonnenkraft, haben unabhängig von der Höhe ihrer Einlage eine Stimme in der Genossenschaft und gestalten die Ausrichtung der Projekte aktiv mit. So wird aus Energieversorgung keine anonyme Dienstleistung, sondern ein gemeinschaftliches Projekt – und aus Abhängigkeit wird Gestaltungsspielraum.
Wir danken allen Leserinnen und Lesern für ihr Schmunzeln und ihr Verständnis für unseren gestrigen Ausflug in die Welt der Mini‑Reaktoren. Jetzt freuen wir uns darauf, gemeinsam weiter an der echten Energiewende zu arbeiten: erneuerbar, regional und solidarisch – für eine sichere Energiezukunft in der Region, www.beg-kraichgau.de & www.heg.solar
Ihr Team der BEG Kraichgau & der HEG













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