Hinter den hohen Glasfronten der Badewelt ragen die Spitzen von Südseepalmen in die Höhe. Wer hier schwimmt, tut dies bei 34 Grad Wassertemperatur. Doch das künstliche Tropenklima hat einen hohen Preis: Unmengen an Energie sind nötig, um die das Gebäude warmzuhalten. Bisher ist dieser Komfort eng an den Energiemarkt gekoppelt. Das soll sich nun ändern.
Die Wund Holding GmbH plant die Errichtung eines Geothermie-Kraftwerks, um die Thermen & Badewelt Sinsheim künftig weitgehend autark mit Wärme zu versorgen. Ziel ist, den hohen Energiebedarf des Standorts durch regionale, regenerative Erdwärme zu decken. Es geht vor allem um die Beheizung der 15.000 Quadratmeter großen Anlage sowie der Lagunen.
Das Konzept sieht vor, Wasser mit einer Temperatur von zirka 50 Grad aus einer Tiefe von bis zu 1 000 Metern an die Oberfläche zu fördern. Über Wärmetauscher soll diese Energie in das System der Therme eingespeist werden, um das Wasser der Gesundheitsbecken und die Luft der Themenbereiche zu heizen. Es ist ein Verfahren der sogenannten Tiefengeothermie, das im bayerischen Erding, einem Schwesterbetrieb der Sinsheimer Anlage, bereits seit Jahren praktiziert wird.
Heiko Wollmann, technischer Geschäftsführer der Thermengruppe, schreibt in einer eigens durch die Thermengruppe versendeten Mitteilung: „Mit der geplanten Geothermieanlage können wir die Grundlage für eine verlässliche, regionale und langfristig planbare Wärmeversorgung schaffen.“ Man wolle sich unabhängiger von den Schwankungen fossiler Brennstoffpreise machen. Gleichzeitig, so das Unternehmen, sei die Anlage ein Beitrag zur lokalen Wärmewende und zur Sicherung des Standorts innerhalb der „Erlebnisregion“.
Noch ist das Vorhaben Theorie auf dem Papier. Der Weg zum ersten Bohrloch führt über bürokratische Hürden und geologische Vorsorge. Zunächst muss eine Aufsuchungserlaubnis beim Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg beantragt werden. Erst wenn diese vorliegt, folgen seismische Untersuchungen. Dabei werden Druckwellen in den Boden gesandt, um ein Bild der Gesteinsschichten zu erhalten. Bohrungen finden in dieser Phase noch nicht statt.
Wie konkret diese Pläne bereits hinter den Kulissen sind, bleibt derzeit jedoch noch unter Verschluss. Auf eine detaillierte Anfrage zu technischen Eckdaten und Sicherheitskonzepten reagiert die Badewelt Sinsheim mit Zurückhaltung. Stefan Feininger, Teamleitung Marketing & Kommunikation, betont, dass man sich in einem „sehr frühen Stadium“ befinde. Der entscheidende Antrag auf Aufsuchungserlaubnis für die Seismik werde derzeit erst noch vorbereitet.
Damit bleiben Fragen nach der exakten Förderleistung oder dem Anteil der Geothermie am Gesamtwärmebedarf vorerst unbeantwortet. Das Unternehmen verweist stattdessen auf die Expertise der Fachbehörden und des Bundesverbandes Geothermie, um das komplexe Thema der Seismik einzuordnen. Man wolle erst dann mit konkreten Fakten an die Öffentlichkeit treten, wenn die behördliche Prüfung in Freiburg abgeschlossen ist.
Geothermie gilt gerade im Südwesten als ein zweischneidiges Thema: Das Potenzial als klimaneutrale Grundlastenergie ist zwar unbestritten. Dennoch wecken Bohrungen im Oberrheingraben und angrenzenden Gebieten oft Erinnerungen an Hebungsrisse oder induzierte Mikroseismik, wie sie in der Vergangenheit in Staufen im Breisgau auftraten. Die Betreiber in Sinsheim betonen deshalb: Die Daten der Untersuchungen könnten auch für die Stadt Sinsheim von Nutzen sein, etwa bei der Kartierung von Grundwasserschichten oder für die städtische Wärmeplanung.
Der Zeitplan der Holding ist langfristig angelegt. Eine Projektwebsite soll im Mai 2026 online gehen, gefolgt von einer Informationsveranstaltung für die Bürger im Juli. Sie wollen das Vorhaben frühzeitig an die Öffentlichkeit tragen, noch bevor die ersten Geräte anrollen.













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