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Bürgerenergie setzt auf „Wald-Reaktor“ statt Windkraft

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Bürgerenergie setzt auf „Wald-Reaktor“ statt Windkraft
© BEG Kraichgau: Die Bilder zeigen eine Visualisierung des Mini-Kraftwerks...

NECKARGEMÜND/SCHRIESHEIM. Paukenschlag in der regionalen Energiewende: Wie die BürgerEnergieGenossenschaft (BEG) Kraichgau und die Heidelberger Energiegenossenschaft (HEG) heute überraschend bekannt gaben, werden die Pläne für den Bürgerwindpark Lammerskopf zugunsten eines weltweit beachteten Pilotprojekts gestoppt. Statt auf Windkraft setzt man nun auf einen sogenannten SMR (Small Modular Reactor) – ein kompaktes Modul-Kernkraftwerk, das direkt im Waldgebiet errichtet werden soll.

„Den Bürgerwünschen Rechnung getragen“

„Wir haben die Rückmeldungen aus der Bevölkerung ernst genommen“, erklärt ein Sprecher der Genossenschaften augenzwinkernd. „Viele Bürger sorgen sich um das Landschaftsbild durch hohe Windkraftanlagen. Ein SMR ist kaum höher als eine Forst-Hütte und verschwindet dezent hinter den Tannen.“

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…und die bei der BEG Kraichgau verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit an einem der Kühlwasserzuführungen.

Ein weiterer Clou der Standortwahl: Erst vor wenigen Monaten wurde die Region von einer Kommission als potenziell geeignet für ein geologisches Endlager eingestuft. Die BEG und die HEG planen daher den weltweit ersten „Closed-Loop-Wald-Reaktor“. Der anfallende Abfall müsse so gar nicht erst transportiert werden, sondern könne quasi „direkt vor der Haustür“ fachgerecht im Boden versenkt werden – ein Meilenstein der kurzen Wege.

Vorteile für die Anwohner

Durch das laut Pressemitteilung „verschwindend geringe Gefährdungspotenzial“ der modularen Technik können zudem sämtliche Abstandsregeln zur Wohnbebauung von Neckargemünd und Schriesheim ignoriert werden. „Wir rücken näher an den Kunden“, heißt es aus der Planungsabteilung. Da der Reaktor zudem Abwärme produziert, wird bereits über eine Beheizung des Waldweg-Netzes nachgedacht, um die Region für Winterwanderer attraktiver zu machen.

Infoveranstaltung am 1. April

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich bereits heute für die ersten „Nuklear-Anteile“ der Genossenschaft registrieren. Als Bonus gibt es für jedes neue Mitglied einen Geigerzähler im schicken BEG-Design sowie eine Packung Jodtabletten für das nächste Waldfest.

Die detaillierten Baupläne und die Genehmigungsunterlagen liegen ab sofort – exklusiv am heutigen 1. April – in den Rathäusern aus.


Na, haben Sie beim Lesen kurz gestutzt? Die Vorstellung von beheizten Waldwegen ist im kalten Odenwald-Frühling zwar verlockend, aber wir bleiben dann doch lieber bei der Windkraft und dem Schutz unserer Natur! Fortsetzung folgt.

Redaktion
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